SENDETERMIN Fr, 12.04.13 | 19:45 Uhr

Warum erröten wir?

Vince Ebert

Vince Ebert erklärt, was hinter dem Erröten steckt.

Mannomann, was muss ich damals verknallt gewesen sein. Wundert mich nicht, dass mir mein damaliger Schwarm Gudrun meine alten Briefe kommentarlos zurückgeschickt hat. Die treiben einem ja die Schamesröte ins Gesicht. Aber warum eigentlich? Warum erröten wir, wenn's peinlich wird? Das ist wirklich interessant.

Gerade Frauen werden häufiger rot, worunter viele richtig leiden. Manche entwickeln sogar eine echte Phobie, eine Errötungsphobie. Aber davon gehen wir jetzt erstmal nicht aus. Denn Erröten an sich ist absolut natürlich, gut und lebensverlängernd! Auch wenn's für jeden erst mal unangenehm ist! Ist uns etwas peinlich, wollen wir am liebsten weg, können aber nicht. Unser Körper schaltet auf Alarm. Das Blut schießt in den Kopf, rauscht in den Ohren, nach spätestens 15 Sekunden glüht das Gesicht in den unterschiedlichsten Mustern.

Das Erröten hat denselben physiologischen Grund wie der zeitgleiche Schweißausbruch. Die überschüssige Muskelwärme hat das Blut erhitzt und muss runtergekühlt werden. Das macht unser Körper, indem er das erhitzte Blut mit Hochdruck an die Oberfläche der Gesichtshaut pumpt.

In jedem Fall hat das Erröten noch eine wichtige Funktion: eine soziale. Erröten lässt sich nämlich willentlich kaum unterdrücken und wirkt deshalb besonders authentisch und ehrlich. Dafür sorgt diese winzige Gehirnregion oberhalb der Augen, die sofort aktiv wird, wenn wir eine soziale Regel verletzen, der orbitofrontale Cortex. Für einen selber ist es natürlich peinlich, aber fürs Zusammenleben hilft es ungemein: Unsere Mitmenschen finden rote Flecken in der Gesichts- und Halspartie sympathisch und nehmen die optische Entschuldigung gerne an.

Erstausstrahlung: 21.12.2012

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Fr, 12.04.13 | 19:45 Uhr