SENDETERMIN Mo, 14.01.13 | 19:45 Uhr

Kaltes Plasma gegen Ehec!

Anja Reschke

Anja Reschke erklärt zukunftsweisende Technologien.

Spätestens seit Ehec wissen wir, was Gemüse so alles mit sich bringen kann. Doch nun ist Hilfe in Sicht. Hilfe aus dem Weltall. Die Forscher des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik experimentieren schon länger auf der internationalen Raumstation ISS mit  Plasmen, also mit Gasen in einem bestimmten elektrischen Ladungszustand. Daraus entstand dann auf der Erde ein Apparat, der mit einem so genannten "kalten" Plasma arbeitet und stark desinfizierende Wirkung hat.

Dieser Apparat kann Keime binnen Sekunden schnell und sicher abtötet. Einfach Hände rein halten – ein bisschen warm wird es schon noch – fertig. In Zukunft könnte das ein wichtiges Mittel im Kampf vor allem gegen Krankenhausinfektionen sein.

Sie alle kennen Dinge, die mit Plasma arbeiten, zum Beispiel Großbildfernseher. Der Begriff Plasma beschreibt einen Zustand, den jedes beliebige Gas – zum Beispiel Luft - unter elektrischer Ladung annimmt. Atome oder Moleküle werden dabei ionisiert, das heißt sie nehmen positive oder negative Ladung an, wobei sich Elektronen frei im Raum bewegen.

Dass heißes Plasma Keime tötet, wird schon seit einiger Zeit in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Bierflaschen zum Beispiel werden vor der Abfüllung kurz einem Plasma aus ionisierter Luft ausgesetzt. Heißes oder auch zu warmes Plasma würde allerdings nicht nur den Erregern, sondern gleich dem ganzen Gemüse den Garaus machen. Schließlich soll es nach der Behandlung immer noch frisch aussehen.

In diesem Prototyp des Fraunhofer Instistuts wird eine sehr hohe Spannung nur für extrem kurze Zeit entladen – und damit nur ein ganz kleiner Teil der Luft ionisiert, nur etwa jedes Ein-Milliardste Molekül. Und damit ist Plasma nur lauwarm.

Trotzdem behält es – auch zur Überraschung der Forscher – immer noch seine desinfizierende Wirkung. Sogar Ehec-Keime werden noch abgetötet. Mittels dieses handlichen Geräts wird innerhalb von 20 Sekunden die Anzahl der Bakterien auf einer Testgurke um das Hunderttausendfache reduziert.

Dieses küchentaugliche Gerät soll so schnell als möglich zur Marktreife gebracht werden. Und das beruhigt, finden wir bei Wissen vor 8 – Zukunft. Denn waschen allein, das hat uns Ehec gezeigt, reicht heutzutage leider nicht immer aus.

Erstausstrahlung: 16.03.2012

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Mo, 14.01.13 | 19:45 Uhr