SENDETERMIN Mo, 08.12.14 | 19:45 Uhr

Hirn-Doping

Anja Reschke
Gerüche können die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern.

Wenn Sie das riechen könnten: Zitrone, Orange und Lavendel. Ein Duft von Süden und Mittelmeer. Das hilft sogar bei schwierigen Matheaufgaben. Nachweisbar! Diese Mischung ist "Duftendes Doping" fürs Gehirn. Derart "beduftet" lernten in einem Versuch deutsche Schüler konzentrierter – dank der Zitrone – motivierter – dank der Orange – und ausgeglichener – dank des Lavendels.

Ein britischer Neurologe hat Testpersonen unterschiedlich lange dem Duft von Rosmarin ausgesetzt. Mit dem Ergebnis, dass die Probanden um so besser bei Denksportaufgaben abschnitten, je mehr des ätherischen Öls "Cineol" aus dem Rosmarin in die Blutbahnen und damit auch in das Gehirn gelangt war. Nach neuesten Erkenntnissen gilt: "Riechgymnastik" verbessert die gesamte Gehirnaktivität. Regelmäßige Riechübungen sind ein wirkungsvolleres Gehirnjogging als Kreuzworträtsel oder Sudokus, die immer nur die gleiche Hirnregion aktivieren.

Natürlich will sich die Wissenschaft damit nicht begnügen und sucht schon länger nach wesentlich effektiveren und vor allem gezielter einsetzbaren Möglichkeiten, unsere neuronalen Leistungen zu steigern. Und sie fanden jüngst heraus, dass sich unsere Merkfähigkeit während des Lernprozesses erhöht, wenn man bestimmte Teile des Gehins mit Strom stimuliert. Allerdings müssen dafür zwei Elektroden tief in unser Gehirn gepflanzt werden, was der Alltagstauglichkeit der Methode – etwa bei der Vobrereitung auf eine Prüfung – doch eher abträglich ist.

Ein australischer Forscher verfolgt eine ganz andere, wenn auch sehr brachiale Methode: Er schaltet durch Magnetstimulation von außen einen ganzen Teil des Gehirns temporär einfach ab. Seine These: Jeder von uns ist im Grunde ein Genie, was aber von einem Teil unseres Verstandes aktiv unterdrückt wird. Ganz nach dem Vorbild sogenannter Savants oder auch Inselbegabte genannt, wie Sie sie vielleicht aus dem Film "Rain Man" mit Dustin Hofman kennen. Das sind Menschen, die einerseits an Funkionsstörungen des Gehirns leiden, anderereits aber auf anderen kognitiven Gebieten wahre Wunder vollbringen. Diese sogenannte "Rain-Man-Theorie" ist in Fachkreisen äußerst umstritten. Aber die Versuche des Australiers deuten an, dass an dieser Theorie wirklich was dran sein könnte.

Unser Experte:
Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt, Lehrstuhl für Zellphysiologie, Ruhr-Universität-Bochum

Erstausstrahlung: 26.02.2013