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Neuromarketing

Anja Reschke mit dem Bild eines Gehirns
Das Neuromarketing hat es vor allem auf unsere Emotionen abgesehen.

Seit einigen Jahren können Wissenschaftler mit sogenannten bildgebenden Verfahren in unsere Köpfe schauen und unser Gehirn dabei beobachten, wie es funktioniert, wenn wir ganz bestimmte Dinge tun.

Mit diesen Erkenntnissen kann man Menschen natürlich auch beim Shoppen beobachten. Dabei hat man festgestellt, dass Rabatt-Ankündigungen zum Beispiel eine Gehirnregion außer Kraft setzen, die für Kontrollfunktionen zuständig ist. Gleichzeitig dazu wird im "Nucleus Accumbens" das sogenannte Belohnungszentrum aktiviert, was ein Gefühl des "Will ich haben" auslöst. Und alles nur, weil wir "Sale" oder "reduziert" gelesen haben. Alle "Geiz-ist-geil-Kampagnen" verdanken wir letztendlich diesem Verkäuferblick in unser Kundengehirn. Fachleute nennen das Ganze dann "Neuromarketing".

Das Neuromarketing hat es vor allem auf unsere Emotionen und unser Unterbewusstsein abgesehen. Wenn uns zum Beispiel Models mit Idealfigur anlächeln, wird ebenfalls der "Nucleus Acumbens" bei den meisten Menschen aktiv und löst das "Haben wollen"-Gefühl aus. Also werben die Neuroverkäufer mit schönen Gesichtern und schlanken Körpern. Das wirkt ähnlich wie das Rabatt-Signal und besser als jeder Werbespruch. 

Und wie sehr eine Produktmarke unser Gehirn beeinflusst, sehen wir an diesem Beispiel: In einem ganz normalen Billig-T-Shirt kann man natürlich auch Sport treiben. Steht aber auf genau demselben Billig-Shirt der Name eines renommierten Sportartikelherstellers, fühlen wir uns wohler und laufen sogar spürbar schneller. Aus Sicht des Neuromarketing kann man nun folgern: Qualität muss nicht unbedingt eine Rolle spielen, wenn nur die Marke stimmt. 

Den "Alles kaufen – sofort"-Knopf im Gehirn hat allerdings bisher noch niemand gefunden. Den Neuroverkäufern geht es auch eher darum, die komplexen Muster aus Stimmungen, Reizen, Signalen und Informationen zu verstehen, die uns verführbar machen. Und uns mit entsprechenden Arrangements, die möglichst alle Sinne einbeziehen, in eine konsumwillige Stimmung zu versetzen. In einem Frontalangriff auf unser Unterbewusstsein, sozusagen. Daher unser Tipp: Seien Sie aufmerksam! Und ruhig mal ein bisschen kritisch.

Unser Experte: Nora Dittrich, Verbraucherzentrale NRW e. V.

 

Erstausstrahlung: 24.06.2013

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Mo, 30.03.15 | 19:45 Uhr