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Es gibt Situationen, die ich hoffentlich nicht erleben muss. Und es gibt Erfahrungen, die ich nicht einfach teilen kann. Dazu gehört sicherlich, aufgrund einer schweren Krankheit auf ein Spenderorgan zu warten. Immer wieder fiebern, ob es endlich das geeignete Organ gibt. Andauernd zittern, ob die Zeit noch ausreicht, bis die rettende Nachricht kommt. Immer wieder wohl auch die Anfragen an die eigene Entscheidung, diesen Schritt zu wagen. Die möglichen Zweifel an der eigenen Entscheidung durchstehen.
Sicher kann ich als Außenstehender die Dramatik solcher Lebenserfahrungen nur erahnen. Sie kosten Menschen, die sie erleben müssen, unglaublich viel Kraft. Entscheidend ist dabei sicherlich die Gewissheit, sich bei den Ärzten und Begleitern in guten Händen zu befinden.
Es sind schließlich Situationen, in denen Menschen gänzlich ausgeliefert sind. Ausgeliefert der Krankheit, ausgeliefert der Kompetenz anderer Menschen, die ich kaum kenne. Ausgeliefert medizinischen Apparaten, die einem unheimlich sein können. Hier wird klar: Ich muss mich auf andere verlassen können. Ich muss mich darauf verlassen können, dass alle ihr Bestes geben, das Beste anstreben und geltende Regeln einhalten.
Und es macht mich wütend, wenn dabei Dinge nicht korrekt laufen. Da geht Vertrauen verloren, auf das doch gerade alle so stark angewiesen sind. Da kommt es zu Enttäuschungen und Verdächtigungen. Allein wenn wie jetzt bei Transplantationsmedizinern in Göttingen der Verdacht aufkommt, dass jemand aus Eigennutz betrogen und Regeln verletzt hat, dann geht viel Vertrauen zu Bruch. Und das ärgert mich!
Und natürlich weiß ich, nicht zuletzt als Vertreter der Kirche, wie schwer die Arbeit und das Leben sein können, wenn Vertrauen erst einmal verloren gegangen ist. Es macht den Alltag unglaublich schwierig, mit dem andauernden Verdacht zu leben, der andere verfolge doch irgendwelche eigenen und unsauberen Interessen. Es ist schleichendes Gift, das Gift des Misstrauens.
Und so lässt sich nicht leben! Nicht in den normalen Situationen des Lebens und schon gar nicht in den Ausnahmeerfahrungen von Krankheit und Hilfsbedürftigkeit. Doch sicher ist, dass sie ohne eine Basis des Vertrauens wohl gänzlich unerträglich werden. Das muss allen klar sein, die in solch sensiblen Bereichen leichtfertig Vertrauen aufs Spiel setzen.
Es nervt mich, wenn das vergessen wird!
Trotzdem einen schönen Sonntag!