SENDETERMIN So, 01.10.17 | 00:00 Uhr | Das Erste

Tag der Deutschen Un-Einheit

gesprochen von Christian Rommert (ev.)

Pastor Christian Rommert: Tag der Deutschen Un-Einheit

Immer wenn ich in dieser Woche mit Anderen gesprochen habe, gab es nur dieses eine große und wichtige Thema: Die Bundestagswahl! Wie ich das als jemand, der in Ostdeutschland aufgewachsen ist, sehen würde? Und als Pastor? Und als Christ? Nun haben wir endlich gewählt – aber wie geht es jetzt weiter? Erst einmal geht es am Dienstag weiter mit einem Feiertag, der irgendwie gar nicht reinpasst – dem Tag der Deutschen Einheit. Sollte nicht endlich einmal zusammenwachsen, was zusammengehört? So viele Mal haben wir gefeiert, dass wir in einem ungeteilten Land leben. Etwas, wofür ich und andere Christen lange Zeit gebetet haben. Und als es dann geschah, war es wie ein Wunder für uns. Das habe ich damals geglaubt. Doch leider hängt in diesem Jahr über dem großen Fest ein tiefer Schatten.

Statt zu feiern, streiten wir. In Ost. In West. In Nord. In Süd. Parteifreunde streiten sich. Schwesterparteien streiten sich. Vor so vielen Jahren gab es das Wunder der Einheit – jetzt sind wir entsetzt, wieviel Uneinigkeit herrscht. Müssten wir nicht eigentlich den Tag der deutschen Un-Einheit feiern?

Für meine Frau und mich ist der Tag der Deutschen Einheit immer etwas ganz Besonderes. Sie kommt aus dem Westen und ich bin aus dem Osten. Wenn es die Wiedervereinigung nicht gegeben hätte, würden wir beide uns nicht kennen. Wenn wir zwei den Tag der Deutschen Einheit feiern, feiern wir auch immer, dass unsere Liebe möglich geworden ist. Auch unser Trau-Vers von damals passt da ganz genau: "Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen." Das war der Bibelvers, über den der Pastor bei unserer Hochzeit gepredigt hat.

Der Pastor sagte uns damals noch etwas anderes: "In vielen Ehen werden irgendwann wieder Mauern hochgezogen! Darum müsst Ihr lernen, miteinander zu reden!" Auch diesen besonderen Satz von damals habe ich mir gemerkt. Heute – über zwanzig Jahre später – weiß ich: das war ein guter Tipp für unsere Ehe! Es wäre auch ein Tipp für unser Land, in dem sich neuerdings angebrüllt wird. Viel zu viele in unserem Millionenvolk streiten sich. Wir verstehen uns nicht. Vielleicht sollten wir es einmal mit Miteinander reden versuchen?

Nennen Sie mich einen Träumer, aber ich glaube, das Wunder der Einheit kann bei aller Verschiedenheit immer noch gelingen! Weil Gott uns Menschen mit einer tiefen Sehnsucht nach Harmonie und Gemeinschaft ausgestattet hat. Ich glaube, dass Verständigung zwischen ganz unterschiedlichen Menschen möglich ist. Ich glaube, dass aus jedem noch so schlimmen Streit Gutes entstehen kann. Ich glaube, dass ich mit Gottes Hilfe auch über die neuen Mauern zwischen uns springen kann!

Wir feiern also den Tag der Deutschen Einheit. Zwischen Nord und Süd. Und Ost und West. Auch meine Frau und ich werden ihn feiern. Dieses Mal sogar noch viel bewusster! Sie aus dem Bergischen Land und ich aus Thüringen. Das hat geklappt. Nach vielen gemeinsamen Jahren und nach vielen, vielen Gesprächen am Küchentisch oder auf Spaziergängen haben wir gelernt, uns immer besser zu verstehen. Einheit ist ein Geschenk, aber es ist dann auch harte Arbeit. Ich bin überzeugt, das gilt auch für ein ganzes Land.

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So, 01.10.17 | 00:00 Uhr
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