Interview mit Cornelia Funke
Cornelia Funke stand uns im Interview Rede und Antwort und verriet unter anderem, wie Sie Inspirationen sammelt, was das Besondere an jungen Lesern ist und welche Bücher sie ganz besonders liebt.
DasErste.de: Was regt Ihre Phantasie an? Wie kommen Sie auf die schönen Details in Ihren Büchern?
Cornelia Funke: Alles regt mich an. Was ich sehe, rieche, höre, lese ... Was meine Kinder und Freunde tun, Fremde auf der Straße. Orte, die ganz besonders sind. Die Welt ist voller Geschichten.
DasErste.de: Wenn es die Möglichkeit gäbe, würden Sie dann lieber in einer Phantasiewelt wie beispielsweise der Tintenwelt leben? Wenn ja, warum und in was für einer Welt?
Cornelia Funke: Nein. Ich liebe es, in unserer Welt zu leben. Natürlich würde ich ab und zu gern einen Ausflug in eine andere machen, aber den Wunsch erfüll ich mir ja durchs Schreiben.
DasErste.de: Sie haben sich schon beim Schreiben der Tintenherz-Trilogie den Schauspieler Brendan Fraser als Mo vorgestellt, der die Rolle auch tatsächlich spielt. War es leicht, den Schauspieler für diese Rolle zu gewinnen? Was wäre bei einer Absage Frasers Plan B gewesen?
Cornelia Funke: Zum Glück war das gar nicht schwer. Ich hatte Brendan ja schon ein signiertes Buch geschickt, als es auf Englisch erschien. Damals gab es noch keinen Film, aber er hat mir von Anfang an gesagt, dass er, sollte es einen geben, Mo sehr gern spielen würde. Es war schwieriger, dem Studio klar zu machen, dass ich die Mo-Rolle schon besetzt hatte. Aber da bekam ich zum Glück Unterstützung durch den Regisseur!
DasErste.de: Neben der Tintenwelt-Trilogie haben Sie auch viele andere Kinderbücher veröffentlicht. Warum gerade Kinderbücher? Welche Bücher oder Buchreihen liegen Ihnen dabei persönlich ganz besonders am Herzen?
Cornelia Funke: Ich komme vom Illustrieren, und das findet fast ausschließlich im Kinderbuch statt. Außerdem liebe ich Kinder als meine Leser. Sie tragen noch keine Masken und man muss ihnen mit der Geschichte gefallen, die man erzählt, nicht mit dem berühmten Namen. Für einen Geschichtenerzähler, und als das sehe ich mich, sind sie ein wahrhaft magisches Publikum.
Mischen sich dann plötzlich immer mehr Erwachsene zwischen die Leser, wie es mir passiert, dann sind es die, die noch nicht vergessen haben, wie ein Kind zu lesen – und damit die nettesten Exemplare ihrer Spezies. Im Übrigen – was kann einem Besseres passieren als zu hören, dass Familien ein Buch in vier Generationen lesen? Das ist, was der Geschichtenerzähler will – eine Geschichte für alle, und das sind natürlich immer und zuallererst auch die Kinder.
Zu den Büchern, die mir besonders am Herzen liegen – welche meinen Sie da?
DasErste.de: Ihre eigenen Bücher sowie Bücher anderer Autoren.
Cornelia Funke: Von meinen eigenen? Da sind es sicherlich die Tintenbücher, aber auch Igraine oder das Piratenschwein – oder Prinzessin Isabella. Eigentlich mag ich sie alle.
Was andere Bücher betrifft – nichts hat meine Leselust mit 16 besser und einflussreicher befriedigt als die Hobbit Presse von Klett Cotta. Mein Lieblingsbuch wurde dort verlegt: Der König auf Camelot.
DasErste.de: Sie haben früher als Illustratorin gearbeitet und dann Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entwickelt. Könnten Sie sich einen weiteren Berufswechsel vorstellen?
Cornelia Funke: Nein. Aber ich genieße es sehr, hier in L.A. mit immer mehr Filmleuten zu arbeiten und kürzere Geschichten wie den Kleinen Werwolf für die Leinwand neu zu erzählen. Das ist, als würde man die eigene Geschichte noch einmal ganz neu erfinden.
Außerdem genieße ich die Zusammenarbeit, die der Film mit sich bringt. Ich arbeite hier fast ausschließlich mit Lionel Wigram zusammen, dem Produzenten der Potterfilme. Aus dieser sehr inspirierenden Zusammenarbeit ist sogar die Geschichte entstanden, die dem Buch zugrunde liegt, an dem ich gerade arbeite.
Also – kein Berufswechsel, aber eine Erweiterung des Berufs – Geschichten erzählen nicht nur im Buch, sondern auch auf der Leinwand. Die wunderbaren deutschen Adaptionen, die es inzwischen von meinen Büchern gibt, machen darauf natürlich zusätzlich Lust.
DasErste.de: Welches Buch liegt zur Zeit auf Ihrem Nachttisch?
Cornelia Funke: Gar keins, weil ich in jeder freien Minute an meinem neuen Buch schreibe und mein Held Jacob Reckless sich als äußerst eifersüchtig auf jede andere Tätigkeit erweist.


