Liebe an der Macht
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Michelle und Barack Obama

Montag, 4. Januar 2010 | 21:45 Uhr  

Michelle und Barack Obama (Bild: dpa) Bild vergrößern Bildunterschrift: Michelle und Barack Obama ]
Der Satz hatte das Zeug für eine Hollywood-Inszenierung und klang wie aus einem Drehbuch. Barack Obama, gerade eben zum Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt, ließ den Rest der Welt von der Bühne aus wissen: "Ich möchte jetzt mit derjenigen tanzen, die mich hierher gebracht hat, mit der Liebe meines Lebens. Sie kann alles, was ich kann – nur, dass sie dabei auch noch hohe Absätze trägt."

Glamouröser als die Kennedys

Michelle und Barack Obama (Bild: WDR/Imago) Bild vergrößern Bildunterschrift: Das mächtigste Ehepaar der Welt ]
Seit den Kennedys hat es kein politisches Paar mehr gegeben, das so viel Sympathie und Interesse auf sich gezogen hätte. Und Präsident Barack und First-Lady Michelle Obama sind dabei noch viel präsenter, glamouröser und nahbarer, als es die Kennedys jemals sein konnten.

Nicht nur die amerikanische Nation, sondern die Klatschspalten der gesamten westlichen Welt befassen sich spätestens seit Obamas Amtsantritt vor einem Jahr mit solch wichtigen Fragen, wie: Hat sich das Traumpaar zum ersten Mal in einer Eisdiele geküsst oder im Kino, beim Kultfilm "Do the right thing"?

Nie zuvor war ein Wahlkampf für einen Spitzenpolitiker so massiv auf seine Liebesbeziehung zu seiner Frau abgestimmt worden, nie zuvor stand eine amerikanische Präsidenten-Gattin so rigoros mit zur Wahl wie Michelle Obama. Nie zuvor dürfte ein Kandidat so sehr von den Pluspunkten profitiert haben, die er durch seine Frau, seine Familie und deren schier unglaublichen Sympathie-Bonus mobilisieren konnte.

"Man hat von uns erwartet, dass wir es schaffen"

Die Highheels, die hohen Absätze, die der frisch gekürte Präsident Barack Obama als Unterscheidungs-Merkmal zu seiner Frau gepriesen hatte, würde die fast 1,80 Meter große Michelle nicht brauchen, um auch ohne ihren Mann weit aus der Masse herauszuragen.

Michelle, die aus einfachen Verhältnissen des berühmten Chicagoer Stadtteils South Side stammt, hat im Laufschritt die weißen Elite-Universitäten Princeton und Harvard gestürmt und anschließend den Sprung in einen hoch bezahlten Anwaltsjob in einer der wichtigsten Kanzleien des Landes geschafft.

"Wir alle", erzählt Michelles Schulkamerad Joe Dudley, "haben mit großen Erwartungen leben müssen. Man hat von uns erwartet, dass wir es schaffen." Heute ist Michelle Obama die Frau des mächtigsten Mannes der Welt.

Doch auf dem Weg dorthin hat sie zurückstecken müssen, wie Millionen von Frauen, die ein ähnliches Potenzial wie ihre Männer haben. Nach der Geburt der ersten Tochter saß Michelle allein zu Hause, mit dem typischen Tagesablauf junger Mütter, die sich unter größter Kraftanstrengung noch einen Rest vom eigenen Beruf retten. Der kleine Unterschied: Michelle bestritt in dieser Zeit das Familien-Einkommen, weil Barack sein sicheres Gehalt als Sozialarbeiter längst für den politischen Aufstieg aufgegeben hatte. Als er eine wichtige Wahl verlor, war die Krise perfekt. "Es war knapp", sagt ein Freund. Das heutige Traumpaar hätte sich um ein Haar getrennt. Bis die Welt plötzlich begann, an Obamas Traum zu glauben.

Eine Bestandsaufnahme

Michelle und Barack Obama (Bild: WDR/Imago) Bild vergrößern Bildunterschrift: Der Plan: Gemeinsam die Welt verändern ]
"Liebe an der Macht" versucht eine Bestandsaufnahme des raketenhaften Aufstiegs der Obamas – nicht nur ins Weiße Haus: Die beiden wurden auch zum Rollenmodell für Aber-Millionen von Paaren, die dem Zauber des scheinbar für Hollywood erfundenen Präsidenten-Paares nur allzu gern erliegen möchten. "Sie sind jenseits aller Politiker", sagt Vanity-Fair-Autor Michael Wolff. Und CBS-Star-Journalist Steve Kroft, der die Obamas mehrfach für seine Sendungen getroffen und auch zu Hause besucht hat, gibt beinahe perplex zu: "Es gab keinen Unterschied, ob die Kameras an waren oder aus. Diese Verbundenheit zwischen den beiden war zu spüren, als sie das Studio betraten – bis sie wieder gegangen waren."

Hinter dem spontanen, liebevollen Miteinander des Duos aber steht auch eine politische Image-Maschinerie. Früh in der Kampagne Obamas wurde von den Spin-Doktoren und Wahlkampf-Designern erkannt, welche Geheimwaffe die Paar-Beziehung von Barack und Michelle darstellt. Seither wurde vor allem an Michelles Auftritten minuziös gearbeitet: Während sie anfangs noch treuherzig und unverstellt in Talkshows davon sprach, dass auch ihr Mann Socken herumliegen lasse und morgens unangenehm aus dem Mund rieche, wurde Michelle im Laufe des Wahlkampfs mehr und mehr auf den geschmeidigeren Typus des bewunderndes Weibchens umgeleitet. Als First Lady ist sie nun vor allem First Mom. Und selbst ihre Augenbrauen, so berichtet die Pulitzer-Preis-gekrönte Journalistin Robin Givhan, wurden ausgedünnt – damit Michelle auf keinem Bild mehr ärgerlich aussehen sollte.

"Liebe an der Macht" beschreibt den Seiltanz der Obamas: ein Paar, dessen Natürlichkeit die Menschen in ihren Bann schlägt. Und das zugleich auch das Konstrukt allgegenwärtiger Image-Kosmetiker und PR-Berater ist. Unermüdlich wird seit der Inauguration Obamas deshalb die Kampagne weitergeführt: Niemals war soviel Liebe an der Macht.

Film von Francesca D'Amicis, Petra Höfer und Freddie Röckenhaus
Redaktion: Petra Nagel


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Buchtipps

Jill Abramson: Obama.
Hoffnung für die Welt
Fackelträger-Verlag 2009, Preis: 29,95 Euro

Christoph von Marschall: Barack Obama.
Der schwarze Kennedy
Orell Füssli 2008, Preis: 24.00 Euro

Christoph von Marschall: Michelle Obama.
Ein amerikanischer Traum
Orell Füssli 2009, Preis: 19,90 Euro

Liza Mundy: Michelle Obama
Fackelträger-Verlag 2009, Preis: 19,95 Euro

Barack Obama:
Hoffnung wagen. Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream
Riemann 2008, Preis: 14,95 Euro

Barack Obama:
Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie
dtv Taschenbücher Bd. 34570, 2009, Preis: 9,90 Euro