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09.02.2012

Marienhof
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Amelies Abschiedsbrief

 

Marlon liest Amelies Brief (Bild: ARD/Jo Bischoff) Bild vergrößern Bildunterschrift: Als Marlon Amelies Brief liest, bricht die ganze Trauer aus ihm heraus. ]
Mein lieber Marlon!

Wenn du diese Zeilen liest, werde ich bereits tot sein … Wir haben so viel geträumt, für unsere Zukunft. In den letzten Monaten mit dir war ich so glücklich und dachte, das könnte für immer so sein. Doch vor einigen Tagen habe ich eine Diagnose bekommen, die alles, was wir uns gewünscht und vorgestellt haben, beendet. Ich habe einen Gehirntumor.

Damit wird unser gemeinsames Leben zu Ende gehen. Mein Leben. Ich konnte es zunächst gar nicht glauben. Ich wollte am liebsten nur in deine Arme, aber ich wollte es nicht glauben. In Singapur, in einer hochmodernen Klinik, habe ich mich nochmal untersuchen lassen. Voll Hoffnung, dass alles ein Irrtum wäre … doch die Diagnose war die gleiche: Ich habe nur noch wenige Wochen zu leben.

Die Entscheidung, die ich dann getroffen habe, war nicht leicht für mich. Aber glaub mir, ich konnte nicht anders. Ich konnte nicht zurückkommen, nur um dir zu sagen, dass ich sterben werde. Ich konnte es nicht ertragen, dass du alles mit mir erleben musst … wie mein Körper immer weiter versagt. Ich wollte dir meine Schmerzen ersparen! Bitte, Marlon, versuch mich zu verstehen! Ich habe so entschieden, weil ich dich über alles liebe! Ich weiß, wie viel ich von dir verlange und dass es dir schrecklich weh tun wird. Aber ich kann nicht anders.

Bitte sprich mit David. Er wird böse sein, weil er nichts mehr für mich tun konnte. Es wird dauern, bis er mir das verzeiht.

Es ist mein letzter Wille, hier, an dem Ort, wo ich so glücklich bin, wo wir so glücklich waren, zu sterben. Hierher hat mein Schicksal mich geführt. Solange ich noch kann, werde ich den Menschen hier helfen.

Meine Gesichtsnerven werden durch den Gehirntumor immer weiter gelähmt sein, jeden Tag ein wenig mehr. Ich will nicht, dass du und alle meine Freunde mich, wenn ich tot bin, so entstellt sehen. Deswegen werde ich mich direkt nach meinem Tod einäschern lassen. Erinnert euch an mich so, wie ihr mich kennt. Bitte, Marlon, sag das David und Toni und Netty und allen, die mich vermissen, dass dies mein letzter Wunsch ist.

Marlon, Liebster, du und mein Bruder, ihr habt euch so oft gestritten. Ihr wart nie die besten Freunde. Bitte streitet euch nicht auch noch über meinen Tod. Ich finde auch nicht immer alles okay, was David tut, aber er ist mein Bruder. Und ich liebe ihn sehr.

Nun muss ich mich von dir verabschieden, mein Liebster. Wie sehr habe ich mir gewünscht, mit dir alt zu werden. Kinder zu bekommen. Es war nicht unser Schicksal. Vergiss nie, wie sehr ich dich liebe und werde glücklich. Versprich mir, weiter dein Leben zu leben. Auch ohne mich.

In tiefer Liebe,

Deine Amelie

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