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09.02.2012

Marienhof
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Kleiner Mann ganz groß

Shayan Hartmann spielt Sülos Sohn Bruno  

Sülo und Bruno (Bild: ARD/Jo Bischoff) Bild vergrößern Bildunterschrift: Sülo (Giovanni Arvaneh) mit seinem Sohn Bruno (Shayan Hartmann) ]
Bruno Zirkowski ist ein echter Sonnenschein! Der Sohn von Sülo verzaubert die "Marienhof"-Zuschauer mit seinem kindlichen Charme – und Jungschauspieler Shayan Hartmann auch das Team beim Dreh. Denn Shayan ist für seine neun Jahre schon jetzt ein bemerkenswert talentierter Schauspieler und kann mit den "Großen" in der ARD-Daily locker mithalten. Seine Rolle Bruno hat es in "Marienhof" allerdings nicht immer leicht: Seine Mutter ist gestorben, sein Vater Sülo zieht ihn allein auf. So verkörpert Shayan seit Folge 3.729 (Sendedatum 16. Dezember 2009) diese bezaubernde Rolle mit einer spannenden Mischung aus kindlicher Freude, einer gehörigen Portion Trotzigkeit und einem Hauch von Melancholie. DasErste.de hat Shayan bei den Dreharbeiten begleitet.

Giovanni Arvaneh und Shayan Hartman (Bild: ARD/Jo Bischoff) Bild vergrößern Bildunterschrift: Giovanni und Shayan sind ein eingespieltes Team beim Dreh. ]
Wie wichtig selbst der jüngste Nebendarsteller in "Marienhof" ist, merkt man an diesem Tag. Das ganze Team wartet auf den neunjährigen Shayan Hartmann. Ohne ihn geht in der nächsten Szene nämlich gar nichts. Aber was ist los? Ist Shayan krank? Oder geht er heute lieber Fußballspielen? Aber nein, ein hartnäckiger Stau hat seine Mutter und ihn unterwegs aufgehalten – doch nun ist Shayan da und wirbelt munter ins Kostüm, wo die Garderobiere ihm in sein Outfit für die bevorstehende Szene hilft. Anschließend saust er in die Maske, wo ihm kurz das Gesicht gepudert wird. Beim Betreten des Studios 4/5 trifft Shayan seinen Kollegen und Serien-Vater Giovanni Arvaneh (Sülo Özgentürk) und die beiden sprechen noch mal kurz den Text für ihre gemeinsame Szene durch.
Gerade noch im Anreise- und Vorbereitungsstress gewesen, muss Shayan jetzt den verschlafenen Bruno spielen. Kein Problem für Shayan! Im Pyjama kommt er leicht bedröppelt in Sülos Wohnung die Treppe hinuntergetapst und weckt seinen Vater, der vor dem Fernseher eingeschlafen ist. Bruno plagt nämlich ein wichtiges Thema: Er sei in der Schule gehänselt worden, weil er keiner Religion angehört, erklärt er dem verdutzten Sülo. "Alle sind etwas, nur ich bin nichts." Puh, eine religiöse Diskussion und das um die Uhrzeit? Sülo reibt sich verschlafen die Augen. Schnell will er seinen Sohn mit einer kurzen Antwort beruhigen. Aber nicht mit Bruno: "Ich WILL aber eine Religion haben!" Sein Vater meint darauf, sein Sohn könne sich ja später mal für eine Religion entscheiden. "Ich will aber JETZT eine haben!", verkündet Bruno bestimmt.

Hartnäckigkeit siegt

Shayan Hartmann (Bild: ARD/Jo Bischoff) Bild vergrößern Bildunterschrift: Shayan Hartmann ist ein Profi vor der Kamera. ]
Was soll man tun, wenn ein kleiner Mann sich etwas so fest in den Kopf gesetzt hat? Sülo erkennt, dass er die Probleme seines Sohnes ernst nehmen muss, und versichert: "Versprochen, wir suchen dir morgen eine Religion."
Wenn man nicht wüsste, dass man Zaungast bei den Dreharbeiten zu "Marienhof" ist, könnte man fast meinen, man habe Vater und Sohn vor Augen – so herzlich und vertraut gehen Giovanni Arvaneh und Shayan Hartmann miteinander um.
Shayan ist immer perfekt vorbereitet, nur selten passieren ihm Fehler. Doch plötzlich hat er einen kleinen Hänger, weiß seinen Text nicht mehr. "Oh Mann, was sag ich?", ruft Shayan und rauft sich die Haare. "Ganz ruhig", meint sein Kollege Giovanni Arvaneh lächelnd, denn Hänger und kleine Gedächtnislücken sind ganz normal und passieren ihm und seinen Kollegen auch immer wieder. Aufmunternd erinnert er Shayan an den nächsten Sprecheinsatz – und schon läuft wieder alles wie am Schnürchen.

Spaß am Spielen

Bruno und Constanze (Bild: ARD/Jo Bischoff) Bild vergrößern Bildunterschrift: Bruno (Shayan) wird von seiner Tante Constanze (Julia Dahmen) zur Rede gestellt. ]
Es macht einfach Spaß, Shayan bei den Dreharbeiten zuzuschauen: Er ist pfiffig und aufgeweckt. Ob sein Name vielleicht sogar so etwas in der Art bedeutet? Shayans Mutter Marjan, die ihren Sohn stets bei den Dreharbeiten begleitet, klärt uns auf. "Das ist ein persischer Name. Sein Papa ist Deutscher, ich Perserin. Der Name bedeutet so viel wie 'würdig'", erklärt die Industriekauffrau nicht ohne Stolz. Und dass der Name durchaus zutrifft und Shayan 'würdig' ist, neben erfahrenen Schauspielern in "Marienhof" mitzuwirken, beweist er nun seit geraumer Zeit beim Dreh.
Und wie kam Shayan an den "Marienhof"? "Das ist eine lange Geschichte, die eigentlich schon im Krankenhaus nach seiner Geburt anfing", erzählt Marjan. Damals habe ihr eine Krankenschwester die Telefonnummer einer Agentur zugesteckt. "Shayan war 18 Tage alt, da wurde er schon für ein Elternmagazin fotografiert!" War er denn so ein hübsches Baby? Die Mutter schaut etwas verlegen und will nicht recht antworten: "Als Mama darf man das ja nicht sagen, ohne anzugeben …", lächelt sie.
In Folge habe Shayan immer mehr Fotojobs bekommen. "Doch als er ungefähr fünf war, wollte er nicht mehr, wollte nicht mehr in Kameras lachen. Also haben wir’s gelassen. Doch dann bekam Shayan einen Fotojob für ein Motorradmagazin – und das hat ihm riesigen Spaß gemacht. Da ist er wohl dann endgültig auf den Geschmack gekommen", berichtet Shayans Mutter.
Letzten Sommer sei dann das Casting für "Marienhof" gewesen. "Shayan wollte diese Rolle unbedingt, das Casting hat ihm großen Spaß gemacht. Danach hat er sich richtige Sorgen gemacht, dass er die Rolle nicht bekommt. Jeden Tag hat er mich ungeduldig gefragt: 'Haben die schon angerufen?' Nach drei Wochen haben wir das OK bekommen. Shayan hat sich wahnsinnig gefreut", erinnert sich Marjan lächelnd.

Schule und Drehen

So oft hat Shayan aber gar nicht die Gelegenheit, vor der Kamera zu stehen. Denn Kinder sollen im "Marienhof" mit möglichst wenig Drehstress konfrontiert werden und viel Zeit für sich haben. "Mein Sohn hat meistens nur drei bis vier Szenen pro Tag bei maximal 30 Mitwirkungstagen im Kalenderjahr", erklärt Marjan. Durch die vielen Ruhepausen zwischen den Drehtagen ließe sich das super mit der Schule vereinbaren. "Zumal die Szenen mit Shayan extra auf den Nachmittag gelegt werden." Leidet seine schulische Leistung denn gar nicht unter "Marienhof"? "Nein, Shayan ist in der 4. Klasse und hat einen super Notendurchschnitt von 1,66", berichtet die gebürtige Perserin. Anfangs sei die Schuldirektorin zwar etwas skeptisch gewesen, als sie von Shayans Ambitionen erfuhr. "Doch mittlerweile ist sie richtig stolz auf ihn!"
Und wie sieht es mit Texte lernen für den "Marienhof" aus? Da greift Giovanni Arvaneh seinem Serien-Sohn gerne unter die Arme. "Meine Tipps nimmt er schon gar nicht mehr an", lacht Shayans hübsche Mutter. Bleibt bei so viel Lernen für die Schule und für die Schauspielerei denn noch Zeit für Spaß und Spiel? "Shayan ist zwar sehr ehrgeizig und bedacht, aber auch ein sehr lebhafter Junge. Kindlichen Schmarrn macht er aber trotzdem", erzählt Marjan, die demnächst selbst in "Marienhof" mitspielen wird, und zwar als Serien-Mutter von Tarek Berisi (Tuna Ünal). Und wie gehen Shayans Freunde und Klassenkameraden damit um, dass sie einen kleinen Star neben sich haben? "Das wussten anfangs kaum Leute, denn Shayan wollte das gar nicht an die große Glocke hängen", berichtet Marjan, "aber wie das nun mal so ist mit dem Fernsehen, haben ihn dann befreundete Kinder in 'Marienhof' entdeckt – und dann ging es herum wie ein Lauffeuer." Doch Shayan legt großen Wert darauf, dass seine Rolle eben nur eine Rolle ist. "Letztens in der Schule kamen zwei Mädchen auf Shayan zu und haben ihn als Dieb beschimpft, da Bruno ja in einer Folge etwas gestohlen hatte. Da hat Shayan gesagt: 'Bruno ist ein Dieb. Nicht ich.'" Nur einmal habe er die Distanz nicht mehr so gut wahren können. "Da wollte er partout nicht, dass ihn ganz Deutschland in Hemd und Fliege sieht, weil er das in Echt auch nie tragen würde", grinst Marjan.
Ob Shayan sich trotzdem für "Marienhof" in Schale geschmissen hat oder nicht – das wird der Zuschauer bald sehen können. Eins ist jedoch sicher: Shayan hilft mit seiner sensiblen Darstellung des Bruno, das Kind in uns nicht ganz zu vergessen, denn wie sagte der Schriftsteller und Kinderversteher Erich Kästner einst:

"Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die es nicht mehr gibt. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie Erwachsene, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch."

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