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10.02.2012

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Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben
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Die Geschichte

Warschau, 1949: Dem 29-jährigen Marcel Ranicki (Matthias Schweighöfer) wird vorgeworfen, seine Posi tion als polnischer Generalkonsul und Geheimdienstmitarbeiter in London missbraucht und mit "zersetzenden Elementen" kollaboriert zu haben. Er wird nach Warschau zitiert und dort von Krzysztof Kawalerowicz (Sylvester Groth), Offizier des polnischen Ministeriums für öffentliche Sicherheit (MBP), verhört. Im Verlauf der stundenlangen Gespräche erzählt Marcel Ranicki, der seinen Geburtsnamen Reich zu diesem Zeitpunkt auf Drängen der kommunistischen Partei abgelegt hat, den Fragen des Offiziers folgend seine bewegende Lebensgeschichte.

Von Polen nach Berlin
Mit seiner Mutter Helene (Maja Maranow), einer Jüdin deutscher Herkunft, seinem Vater David (Joachim Król), einem polnischen Juden, und seinen älteren Geschwistern Gerda (Friederike Becht) und Alexander (Alexander Khuon) lebt der junge Marcel Reich seit seiner Geburt im polnischen Wloclawek. Als die kleine Baumaterial-Fabrik des Vaters kurz vor dem Bankrott steht, wird Marcel zum wohlhabenden Bruder Helenes nach Berlin geschickt. Der Empfang ist frostig, in der Schule wird Marcel wegen seines Akzents und seiner Herkunft gehänselt. Seine Mutter, die ihrem jüngsten Sohn nach – gereist ist, schärft ihm ein, immer der Beste sein zu müssen: Nur so könne er sich als Außenseiter behaupten.

Deportation nach Warschau
Marcel nimmt sich diesen Ratschlag zu Herzen und wird der beste Schüler im Deutschunterricht. Der polnische Gymnasiast in Berlin kennt die deutsche Literatur bald besser als seine Mitschüler. Seine Liebe zu Literatur und Theater gibt ihm Kraft, auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten den Mut nicht zu verlieren. Trotz des sich ausbreitenden Antisemitismus' fasst er den Entschluss, in Berlin zu bleiben: Er will studieren, um später Literaturkritiker werden zu können. Doch ein Studienplatz wird ihm aufgrund seiner jüdischen Herkunft verwehrt. Im Herbst 1938, wenige Monate nach seinem Abitur, wird Marcel Reich nach Warschau deportiert.

Besetzung Warschaus
In Warschau lebt er wieder bei seiner Familie. Weil Vater David nach wie vor arbeitslos ist, sind die Reichs auf die Einkünfte Alexanders angewiesen, der in der gemeinsamen Wohnung als Zahnarzt praktiziert. Seine Schwester Gerda ist mit ihrem Mann nach London ausgewandert. Für David Reich ist das keine Alternative: "Wir gehören nach Polen", beendet er jede Diskussion. Warschau, so meint er, sei sicher. Ein tragischer Irrtum. Am 1. September 1939 überfällt die deutsche Wehrmacht Polen. Nach der Besetzung Warschaus kommt es zu ersten Pogromen und Übergriffen. Was mit den Plünderungen ihrer Wohnungen beginnt, mündet nach der Errichtung des Gettos im Jahre 1940 für die meisten in Deportation und Tod.

Heirat in aller Eile
Noch ist das Getto nicht offiziell Wirklichkeit geworden, als sich im Januar 1940 ein Nachbar der Familie Reich das Leben nimmt. Helene bittet Marcel, sich um die Tochter des Toten zu kümmern. Ihr Name: Teofila Langnas, genannt Tosia (Katharina Schüttler). Die beiden verlieben sich ineinander. Es folgt die Umsiedlung ins Getto, wo viel zu viele Menschen unter immer schlimmer werdenden Bedingungen zusammenleben. Marcel arbeitet zu dieser Zeit im Korrespondenz- und Übersetzungsbüro des Judenrats. Als die Räumung des Gettos und damit die Deportation der ersten Juden in die Vernichtungslager beginnt, heiraten Marcel und Tosia am 22. Juli 1942 in aller Eile, denn die Mitarbeiter des Judenrats und ihre Ehefrauen werden zunächst verschont. Die Deportationen nehmen jedoch kein Ende. Auch Marcels Eltern und Tosias Mutter Emilie Langnas (Cristin König) sind unter den Juden, die in Viehwaggons abtransportiert und im Konzentrationslager Treblinka ermordet werden. Als im Februar 1943 auch Marcel und Tosia deportiert werden sollen, gelingt ihnen die Flucht. Unterschlupf finden sie im Keller des Schriftsetzers Bolek Gawin (Sven Pippig) und seiner Frau Genia (Barbara Philipp), die mit dem Verkauf selbst gedrehter Zigaretten in einem Warschauer Vorort irgendwie über die Runden kommen. Mit dem Vorrücken der Roten Armee endet im September 1944 für Marcel und Tosia endlich die Zeit ständiger Lebensgefahr.

Von Warschau nach Frankfurt
Damit endet auch der Bericht, den Marcel Ranicki dem Geheimdienstoffizier im Warschau des Jahres 1949 gibt. Berührt von der Lebensgeschichte verspricht Kawalerowicz ihm zu helfen. Anfang 1950 wird Marcel Ranicki aus dem polnischen Geheimdienst entlassen, danach aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Er findet eine Anstellung als Lektor in einem großen Warschauer Verlag und setzt sich vor allem für die deutsche Literatur ein, die in Polen jedoch einen schweren Stand hat. Die Liebe zur deutschen Sprache und Literatur ist ihm trotz allem geblieben. Marcel Ranicki wird 1958 eine Studienfahrt in die Bundesrepublik Deutschland bewilligt. Er bleibt in Frankfurt am Main, trotz aller Vorbehalte folgt ihm Tosia später mit ihrem gemeinsamen Sohn Andrzej Alexander. Die Zeit des bekanntesten deutschen Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki beginnt – mit seiner ersten Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.


Marcel und seine Mutter Helene (Bild: WDR/Thomas Kost)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Mutter Helene sagt Marcel, dass er etwas ganz besonderes ist. ]
Marcel und sein Bruder Alexander (Bild: WDR/Thomas Kost)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Weil Marcel mit den Soldaten "berlinert" hat, können er und sein Bruder Alexander den Drangsalierungen der Soldaten entkommen. ]
Tosia und Marcel (Bild: WDR/Thomas Kost)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Tosia und Marcel verstecken sich vor den deutschen Soldaten. ]
Kawalerowicz sitzt bei Marcel (Bild: WDR/Thomas Kost)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Kawalerowicz bedankt sich bei Marcel für seine Geschichten und geht.
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