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20.03.2010

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Mogadischu

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Interview mit Regisseur Roland Suso Richter und Kameramann Holly Fink

In der entführten "Landshut" herrschten damals äußerst extreme Bedingungen. Wie haben Sie versucht, diese bei den Dreharbeiten zu erzeugen?

Roland Suso Richter: Mir war es sehr wichtig, in einem Originalflugzeug, einer Boeing 737, zu drehen. In Casablanca fanden wir eine 737 der Royal Air Maroc, die dort zu Schulungszwecken auf dem stillgelegten Stadtflughafen steht. Die Enge und die Hitze in der Kabine erzeugten den erwünschten Druck auf die Komparsen und Schauspieler. Zudem bestand ich darauf, die Szenen in der "Landshut" in chronologischer Folge zu drehen. Da die Boeing nur über den Ausgang am Ende begehbar war, saßen Schauspieler und das Team immer wieder für mehrere Stunden bei über 40 Grad in der Maschine fest. Diesen extremen Bedingungen waren wir zehn Tage lang ausgesetzt. Am Ende sah man allen Beteiligten diese Mühsal in den Gesichtern an.

Holly Fink: Mein Lichtkonzept war so angelegt, dass wir eine Szene ohne Umbauten von Anfang bis Ende drehen konnten. So war es möglich, in der Konzentration und vor allem in der Spannung und Stimmung der jeweiligen Szene zu bleiben. Ich glaube, das hat den Schauspielern und den Komparsen geholfen. Durch die Chronologie bei den Dreharbeiten konnten wir u. a. wie von selbst die stetig steigende Verschmutzung der Maschine nachzeichnen; vor allem stiegen unsere Darsteller wie auch das Drehteam in harmloser "Urlaubslaune" in die "Landshut LH 181" von Palma nach Frankfurt ein und durchlebten die Grausamkeiten der Entführung bis zur erlösenden Befreiung durch die GSG 9 in Mogadischu somit in der richtigen zeitlichen Abfolge der Ereignisse.


Wie weit kann man bei solchen Dreharbeiten gehen? Haben Sie, die Schauspieler und das Team Grenzen überschreiten müssen?

Holly Fink: Sicherlich sind wir alle hart an die Grenzen unserer Belastbarkeit gegangen, denn wir haben ernsthaft und gewissenhaft, mit vollem Respekt für die Menschen, die damals in diesem Flugzeug gefangen waren, versucht – und es bleibt ein Versuch – ihr Schicksal wahrhaftig zu beschreiben. Einige Teammitglieder, die Schauspieler sowie die Komparsen waren über außergewöhnlich lange Strecken ebenfalls im Set "Flugzeug" gefangen. Das bringt zwangsläufig jeden an den Rand des Ertragbaren.

Roland Suso Richter: Ich habe mit Saïd Taghmaoui, der den Anführer der Terroristen spielt, verabredet, dass wir immer wieder den Weg der Probe verlassen und neue Momente und Situationen erzeugen, die für alle anderen unerwartet sind. Zum Beispiel habe ich der Schauspielerin Valerie Niehaus, die im Film die Passagierin Röhll spielt, gesagt, dass ihre Szene erst am Nachmittag gedreht würde. Wir drehten also im vorderen Teil des Flugzeugs die Kontrolle der Pässe. Nach der dritten Klappe forderte ich Saïd Taghmaoui auf, Passagierin Röhll holen zu lassen. Dank der Handkamera von Holly Fink war es möglich, dem Terroristen zu folgen und die anstehende Szene der Demütigung der Passagierin Röhll über vier Minuten lang zu verfolgen. Für die Schauspielerin und die Komparsen war es ein Schock, denn sie hatten mit einer solchen Eskalation nicht gerechnet.


Worin liegt die Besonderheit/die Herausforderung beim Erzählen historischer Ereignisse? Wie geht man damit um, dass man persönliche Geschichten von Menschen erzählt, die heute noch leben?

Roland Suso Richter: Ich empfinde es als eine große Verantwortung, aber gleichzeitig auch als Geschenk. Ich kann mit den Beteiligten solcher historischen Ereignisse über ihre Erlebnisse sprechen. Ich kann Aufzeichnungen lesen und Dokumentarmaterial anschauen. Wenn ich dann diese Momente inszeniere, fällt es mir mit der Vorstellung leichter, in die Szene einzutauchen.

Holly Fink: Natürlich sind alle Erinnerungen an historische Ereignisse auch irgendwie persönlich eingefärbt. Hier gilt es also, den Personen den oben erwähnten Respekt entgegenzubringen – egal wie positiv oder negativ die eigenen Gefühle zur Sache bzw. Person sein mögen – und außerdem nichts hinzuzudichten aus Angst, nicht interessant genug für das heutige Publikum zu sein.


Regisseur Roland Suso Richter (Bild: dpa) Bildunterschrift: Regisseur Roland Suso Richter ]
Regisseur Roland Suso Richter (l.) mit Kameramann Holly Fink (Bild: ARD Degeto/Stephan Rabold) Bildunterschrift: Regisseur Roland Suso Richter (l.) mit Kameramann Holly Fink ]
Kameramann Holly Fink während der Dreharbeiten (Bild: ARD Degeto/Stephan Rabold) Bildunterschrift: Kameramann Holly Fink während der Dreharbeiten ]

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