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09.02.2012

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Mogadischu
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Dokumentation

Sonntag, 30.11.2008, um 22.45 Uhr im Ersten


Film von Maurice Philip Remy

Eindringlich rekonstruiert Maurice Philip Remy in seiner Dokumentation die tagelange Odyssee des entführten Flugzeugs unter Verwendung zeitgenössischer Filmaufnahmen und in Interviews mit zahlreichen Zeitzeugen.

Einige von ihnen sprechen zum ersten Mal vor einer Kamera über die dramatischen Ereignisse vom Oktober 1977, wie etwa die Chefstewardess Hannelore Brauchart oder die Ehefrau des heldenhaften Kapitäns Jürgen Schumann, der sich in Aden für seine Passagiere geopfert hat.

Außerdem kommen weitere Geiseln zu Wort: Politiker des Krisenstabs in Bonn, Vertreter des Auswärtigen Amtes und der Kommandeur der GSG 9, Ulrich Wegener. Auch zahlreiche Zeitzeugen aus dem Nahen und Mittleren Osten hat Remy erstmals zu den Vorgängen befragt.

Die Dokumentation zeigt neues und bislang unveröffentlichtes Archivmaterial, wie etwa unter Verschluss gehaltene Polizeifotos aus der gestürmten Maschine, Ausschnitte aus dem Funkverkehr in Dubai sowie nie gezeigte Filmaufnahmen vom Flughafen Mogadischu des ARD-Reporters Kurt Stenzel. Der Korrespondent für den Nahen Osten war damals seiner Eingebung gefolgt und mit seinem Kameramann von Kairo nach Mogadischu geflogen.

Stenzels Spürsinn wurde belohnt. Die Bilder von der entführten Maschine, aus der die Terroristen den ermordeten Kapitän Jürgen Schumann über die Notrutsche von Bord schafften, gingen um die Welt.

Aber Stenzel drehte weit mehr: Nach seiner Rückkehr übergab er das Rohmaterial dem Archiv der ARD, wo es für diese Dokumentation wieder entdeckt wurde. Eindrucksvolle Bilder der dramatischen Stunden von Mogadischu, in denen Stenzel jeden Augenblick damit rechnen musste, dass die Maschine von den Entführern gesprengt wird.

"Die Kamera abschalten konnte, wollte ich nicht", erinnert sich Stenzel in der Dokumentation an diesen Augenblick selbstkritisch, "aber mein Beruf ist mir damals doch sehr schwer gefallen."

Neben Stenzel erinnert sich auch Bassam Abu Sharif, damals hoher Funktionär der PFLP, der Volksfront für die Befreiung Palästinas, an die Entführung. Vier Mitglieder seiner Organisation hatten die "Landshut" in ihre Gewalt gebracht, angeblich, so Sharif, weil deutsche und palästinensische Terroristen den gleichen Feind gehabt hätten, die "Verbündeten Israels".

Besonders wichtig war es für Remy, das Schicksal des ermordeten Kapitäns aufzuklären. "30 Jahre lang", so der Dokumentarfilmer, "gab es nur Spekulationen! Jede Befindlichkeit Baaders in Stammheim war wichtiger, als Gewissheit für Schumanns Familie."

In aufwendigen Recherchen gelang es für diesen Film erstmalig, das Rätsel zu lösen; im Jemen konnte der Mann interviewt werden, der mit Jürgen Schumann in dessen letzten Minuten gesprochen hatte: Sheikh Ahmed Mansur, damals verantwortlicher General der Luftwaffe am Flughafen in Aden.

Der Kapitän hatte die Maschine verlassen, um sich für das Schicksal der ihm anvertrauten Passagiere einzusetzen. Als der jemenitische General ihm nicht helfen konnte, kehrte Schumann zur Maschine zurück. Mansur erinnert sich in der Dokumentation an die letzten Worte des Kapitäns: "Ich weiß, dass sie mich umbringen werden. Ich bedauere, dass Sie mir nicht helfen können, aber ich musste es versuchen ..."


Jürgen Schumann (l.) und Jürgen Vietor (Bild: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Jürgen Schumann, der Kapitän der "Landshut" und sein Co-Pilot Jürgen Vietor. Schumann wird bei einem Zwischenstopp in Aden erschossen. ]
Kurt Stenzel (Bild: SWR)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Der frühere ARD-Korrespondent Kurt Stenzel am 18.10.1977 in Mogadischu. ]
Gabriele Dillmann (heute von Lutzau) mit Bundeskanzler Helmut Schmidt (r.) und heute (Bild: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Die ehemalige Stewardess Gabriele von Lutzau (damals Dillmann), die 1977 als der "Engel von Mogadischu" bekannt wurde. Rechts im Bild: Bundeskanzler Helmut Schmidt umarmt Gabriele Dillmann (1977) ]
Ankunft der geretteten Geiseln (Bild: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Gerettet: Einige der befreiten Geiseln verlassen, zum Teil in Decken gehüllt, die am 18.10.1977 auf dem Frankfurter Rhein-Main Flughafen gelandete Lufthansa-Maschine "Köln". ]

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