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22.05.2012

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ARD-Morgenmagazin
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SPORTSCHLAU

Folge 29: Spucken im Sport


Spucken gehört im Fußball fast schon zum gewohnten Ton. "Was raus muss, muss raus", oder? Mann kann nicht anders als so seine Blockaden zu lösen.

Aber Fußballfrauen spucken viel weniger (oder gar nicht) und in anderen Sportarten wie Tennis oder Hockey neigen die Spieler ebenfalls viel weniger zum Spucken, obwohl sie sich ähnlich stark verausgaben.
Einige Psychotherapeuten bezeichnen die Spuckerei von Fußballern als reines Machogehabe. Für andere ist es eine Art Blockaden-Lösung nach vergebenen Chancen oder vor wichtigen Situationen, etwa bei einem Elfmeter. Solange die Spuckattacken dem Rasen und nicht dem Mitspieler oder dem Schiedsrichter gelten, werden sie nicht mit Strafen geahndet.

Doch es gibt physiologische Gründe, den Speichel nicht im Minutentakt loszuwerden. So produziert der Körper Speichel beispielsweise zum Flüssigkeitsausgleich. Spuckt man diese Kompensation nun ständig aus, ist das natürlich kontraproduktiv. Pro Tag produziert ein erwachsener Mensch ca. 0,6 - 1,5 Liter Speichel. Die enthaltenen Stoffe im Speichel haben eine antibakterielle Wirkung und sind somit ein Teil des Immunsystems. Neben der Befeuchtung der Mundhöhle löst der Speichel die löslichen Substanzen der Nahrungsmittel auf und macht sie somit zum Schlucken für die Magenverdauung geeignet.
Während der Belastung im Sport verändert sich sowohl die Speichelzusammensetzung als auch die produzierte Menge. Zu Beginn einer Belastung bilden die Munddrüsen vermehrt Speichel, mit zunehmender Belastungsdauer nimmt die Speichelmenge ab und steigt erst wieder an, wenn die Belastung beendet ist und die Erholung beginnt.
Somit wird man also durch die Belastungsdauer oder durch das ständig künstliche "Loswerden" des Speichels auch anfälliger für Infekte, da man einen Teil der Immunabwehr "ausspuckt", auch wenn es nur ein geringer Teil ist.

Mit der Belastungsdauer steigt auch der Cortisolanteil im Speichel. Cortisol ist ein Stresshormon, das den Stoffwechsel aktiviert und die Glukosebereitstellung durch die Leber fördert. Durch Cortisol wird der Organismus zeitweise leistungsfähiger. Dieser Anstieg zeigt aber auch, dass der Körper mit wachsender Belastung zunehmend Stresshormonen ausgesetzt ist. Ausspucken und loswerden kann man diese Stresshormone nicht, denn der Großteil verrichtet im Körper seine Arbeit. Dennoch scheint gerade der Stresspegel durch das Spucken irgendwie "verringert" zu werden. Physiologisch ist das Spucken aber so kaum zu erklären. Darüber hinaus verdickt der unter Belastung entstehende Mundschleim, was dazu führt, das man vermehrt das Gefühl bekommt, den Speichel loswerden zu müssen. Neben Wasser enthält Speichel Mineralien wie Natrium, Kalium, Calcium, Phosphate und Eiweiße, die für den Körper wichtig sind.

Es ist also nicht nur ein ästhetisches Problem, ständig zu spucken. Man entzieht dem Körper wichtige Bausteine des Körpers und macht ihn anfälliger für Infekte.
Deswegen lieber mal schlucken statt spucken!

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