Leben mit dem Tod
Sendewoche vom 09.11.2009 bis 13.11.2009
Freitag, 13. November 2009
Video 1: Ungewöhnliche Bestattung
(Länge: 5:18 min.)
Video 2: Der private Friedhof im Wald
(Länge: 7:03 min.)
Der ungewöhnliche Bestatter
Am letzten Tag ihrer Reportagewoche ist Reporterin Ingeborg Haffert zu Gast bei einem sehr ungewöhnlichen Bestatter in Bergisch-Gladbach: Fritz Roth will den Tod begreifbar machen – und zwar im ganz ursprünglichen sinnlichen Sinn des Wortes. Bei ihm haben Angehörige die Möglichkeit, unterstützt von einem seiner Mitarbeiter, ihren Verstorbenen selbst zu waschen, anzuziehen, ihm einen Gegenstand in den Sarg mitzugeben oder auch den Sarg eigenhändig mitzugestalten.
Kürzlich ist der Vater von Daniela Herbst und Patrick Duske verstorben. Gemeinsam mit ihren Kindern haben sie sich entschlossen, den Sarg zu bemalen. Vor allem die Enkel haben tatkräftig mitgeholfen, den schlichten Sarg aus hellem Holz durch aufgemalte Motive und darauf geschriebene Sprüche in ein ganz individuelles Einzelstück zu verwandeln, das bekundet, wie sehr sie den Großvater gern gehabt haben.
Bestatter Roth meint, dass Trauer eine bestimmte Form von Liebe ist, und der müsse man Ausdruck verleihen können. Die Kinder haben das in diesem Fall sehr unbefangen getan. In entkrampfter Stimmung hätten sie Blumen, Herzen, Sonnen und Bäume auf den Sarg gemalt, erzählen die Eltern und berichten, dass sie gemeinsam mit den Kindern auch dabei waren, als ihr Vater in seinem Pflegebett starb: Er schlief friedlich ein und wurde nicht mehr wach.
Danach seien sie zwar traurig gewesen und hätten auch geweint, aber man habe dann in der Nähe des Sterbebettes Kaffee getrunken und Geschichten von damals erzählt. Zuvor hätte sie Angst gehabt vor der Situation, weil man in solchen Dingen heute keine Erfahrung mehr hat, aber in der Situation sei alles ganz selbstverständlich gewesen.
Ein paar Schritte vom Bestattungshaus entfernt befindet sich der einzige private Friedhof Deutschlands. Die Gräber liegen in einem dichten Wald unter hohen Fichten. Die Angehörigen haben hier die Möglichkeit, mit einer ganz individuellen Symbolik die Grabstätten zu gestalten.
Brigitte Liegel hat beispielsweise eine kleine Skulptur gefertigt, die nun in einem durchsichtigen Kästchen auf dem Grab ihres Ehemanns steht. Mit bunten Motiven ist die Holzskulptur bemalt. Sie sei zwar keine Künstlerin, doch diese zumeist fröhlichen Symbole stünden für das, was ihr Mann in ihr hinterlassen habe. Auch wenn sie wisse, dass er natürlich nicht hier sei, helfe ihr dieser Ort, der so natürlich wirkt, doch sehr. Hier fühle sie sich ihm nahe.







