DasErste.de - Springe direkt zu

Inhalt.
Hauptnavigation.
Weitere Inhalte.

21.03.2010

Fernsehen zum Anklicken
ARD-Morgenmagazin

Hauptnavigation
  • aktuelle Kategorie: Informationssendungen
    • aktuelle Sendung: ARD-Morgenmagazin
 
Inhalt

Rückschau – Servicethema vom 05.02.2010:
Depressionen am Arbeitsplatz

Experte im Studio: F. Markus Leweke, Psychiater


Depression ist eine der häufigsten Krankheiten überhaupt. Schätzungsweise mindestens vier Millionen Deutsche leiden an Depressionen. Nach der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) wird bei der Depression in leichte, mittelgradige oder schwere depressive Episode unterschieden. Studien gehen davon aus, dass nur bei der Hälfte der Betroffenen die Störung erkannt wird – ein noch geringerer Anteil wird adäquat behandelt. Etwa 10 % der Patienten, die wegen einer schweren depressiven Episode stationär behandelt werden, nehmen sich im weiteren Verlauf der Erkrankung das Leben.


Wie erkenne ich eine Depression?
Jeder Mensch fühlt sich ab und zu traurig, einsam oder niedergeschlagen. Stimmungstiefs gehören zu unserem Leben – wo Licht ist, ist auch Schatten. Was aber, wenn die Schatten größer werden und wir

  • ausgeprägt traurig, niedergeschlagen, verzweifelt sind

  • unser Selbstvertrauen ganz und gar verlieren

  • nicht mehr schlafen können

  • uns bleimüde und schwer fühlen

  • uns nicht mehr konzentrieren können

  • die Freude und das Interesse an beinahe allen Dingen verlieren

  • ängstlich und nervös sind

  • und so weiter

  • Beschwerden wie Magenprobleme, Kopf-, Rücken- oder andere Schmerzen haben

  • sexuell weniger interessiert sind

  • uns für alles zuerst überwinden müssen?



Drei oder mehr dieser Symptome gleichzeitig weisen auf eine depressive Erkrankung hin, sofern sie über einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen andauern und Niedergeschlagenheit, Interessensverlust und/oder Energiemangel vorhanden sind. Es können auch eine Vielzahl anderer Beschwerden hinzukommen. Eine Depression unterscheidet sich deutlich von einem Stimmungstief. Wer unter einer Depression leidet, hat große Probleme, gegenüber den Anforderungen des Alltags zu bestehen und soziale Kontakte zu pflegen. Nicht selten ist teilweise oder gänzliche Arbeitsunfähigkeit die Folge.


Was löst eine Depression aus?
Auslöser können unter anderem anhaltender negativer Stress, belastende Lebenssituationen, traumatische Kindheitserlebnisse, Mobbing, Arbeitslosigkeit, der Tod eines geliebten Menschen, Alkohol- und Drogensucht sein. Aber auch ohne äußere negative Lebensumstände kann man an Depression erkranken. Dabei kann eine erbliche Komponente bei der Erstehung der Krankheit eine Rolle spielen. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer, was auch damit zusammenhängt, dass Frauen sich psychisches Leid häufiger eingestehen können. Dies führt dazu, dass eine Depression bei ihnen auch eher erkannt wird. Männer neigen dazu, depressive Verstimmungen zu verleugnen und sie oft bis zum völligen Zusammenbruch mit verstärkter beruflicher Aktivität oder mit Alkohol zu bekämpfen.


Behandlungsmöglichkeiten
Bei leichten bis mittelschweren Depressionen ist eine ambulante Therapie bei einem niedergelassenen Psychiater, Psychologischen Psychotherapeuten oder in einer Psychiatrischen Ambulanz möglich. Bei Selbstmordgedanken ist eine stationäre Aufnahme zur Behandlung in einer Psychiatrischen Klinik notwendig. Darüber entscheidet der behandelnde Arzt in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung. Die Überweisung erfolgt in der Regel durch den Hausarzt.


Situation als Arbeitnehmer
Ein depressiv erkrankter Patient erhält – wie jeder andere auch – in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung, eine Krankmeldung von seinem behandelnden Arzt. Damit meldet er sich beim Arbeitgeber arbeitsunfähig (AU-Bescheinigung). Nach Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgGF) hat der Betroffene 6 Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung, danach 78 Wochen Krankengeldanspruch (§ 44 SGB V). Bei Langzeitpatienten erfolgt dann eine stufenweise Wiedereingliederung ins Arbeitsleben (Hamburger Modell), (§ 74 SGB V).

Weitere Informationen:

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
68159 Mannheim
Tel. 0621/1703-0 (Zentrale), -2857 (Psychiatrische Ambulanz).
www.zi-mannheim.de

Informationsplattformen und Selbsthilfegruppen
Das Kompetenznetz Depression, Suizidalität ist ein bundesweites Netzwerk zur Optimierung von Forschung und Versorgung im Bereich depressiver Erkrankungen. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
www.kompetenznetz-depression.de

Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.
Der gemeinnützige Verein verfolgt unter dem Dach der Stiftung Deutsche Depressionshilfe das Ziel die gesundheitliche Situation depressiver Menschen zu verbessern und das Wissen über die Krankheit in der Bevölkerung zu erweitern.
www.buendnis-depression.de

NAKOS – Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen. Sie ist die bundesweite Aufklärungs-, Service- und Netzwerkeinrichtung im Feld der Selbsthilfe und leistet generelle Aufklärungsarbeit über Möglichkeiten der Selbsthilfe für Betroffene und Angehörige. Dafür werden themenübergreifend Informationen über Möglichkeiten und Nutzen von Selbsthilfegruppen (Aufklärungsbroschüren, Informationsblätter, Arbeitshilfen, Plakate) entwickelt und publiziert.
www.nakos.de

Telefonseelsorge:
0800 111 0 111 / 0800 111 0 222
www.telefonseelsorge.org

Literatur:
Ratgeber der Stiftung Warentest: "Depressionen überwinden", Preis: 19,90 €

Dieser Text informiert über den Servicebeitrag vom 05.02.2010. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Frau am Schreibtisch (Bild: photoscom) Bildunterschrift: Depression ist eine der häufigsten Krankheiten überhaupt. ]

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW