Rückschau – Servicethema vom 16.02.2010:
Wenn der Magen zwickt
Experte im Studio: Mohsen Radjai, Allgemeinmediziner
Video aus der Sendung
(Länge: 3:08 min)
Blähungen
Blähungen sind keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom. Sie entstehen entweder durch das Verschlucken von Luft oder wenn sich zu viele Gase im Darm bilden. Grund hierfür kann eine falsche Ernährung, zu üppiges, fettiges, süßes, hastiges Essen, Stress und Angst, aber auch eine Reihe von Darmerkrankungen sein. Hierzu zählen beispielsweise Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z.B. Laktose-Intoleranz, Gluten-Unverträglichkeit). Seltener werden Blähungen durch einen Reizmagen oder Reizdarm, Störungen der Bauchspeicheldrüse oder Nebenwirkung von Medikamenten ausgelöst. Je nach Ursache sind Blähungen von Bauchschmerzen, Bauchkrämpfen, Durchfall oder Verstopfung und Völlegefühl begleitet.
Ein weiterer Grund kann das Umstellen der Ernährung auf Vollkornprodukte sein, da sich der Verdauungstrakt erst an die ungewohnte Nahrung gewöhnen muss. Ein großer Teil der unverdaulichen Bestandteile der Ballaststoffe, die in Vollkornprodukten stecken, wird im Dickdarm durch Bakterien zersetzt. Dabei entstehen Abfallprodukte, die zu verstärkter Gasbildung führen.
Durchfall (Diarrhöe)
Auch bei der Diarrhöe handelt es sich um keine Krankheit, sondern ein Zeichen auf eine körperliche Belastung. Von Durchfall spricht man, wenn die Stuhlentleerung häufiger als dreimal täglich stattfindet, der Stuhl flüssig ist und/oder die Stuhlmenge größer als sonst ist. Zusätzlich treten häufig Blähungen, kolikartige Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen auf. Diarrhöe kann durch eine Ernährungsumstellung, Bakterien-, Parasiten-, Pilz- und Virusin-fektionen, verschiedene Vergiftungen, Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Antibiotika), Missbrauch von Abführmitteln, physischen und psychischen Stress oder eine Reaktion auf Zeitunterschiede bei längeren Reisen verursacht werden. Auf Reisen kann Durchfall auch die Folge einer Nahrungsinfektion von Bakterien oder aufgrund von sich epidemisch verbreitenden Viren sein.
Bei gesunden Erwachsenen ist der so genannte akute Durchfall, der bis zu zwei Wochen andauern kann, meist harmlos. Von chronischem Durchfall spricht man, wenn mehr als 14 Tage lang Durchfall-Symptome bestehen. Dann sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, denn es kann sich hierbei um den Hinweis auf eine der folgenden Krankheiten handeln: Reizdarm-Syndrom, chronische Darmentzündung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom).
Verstopfung
Verstopfung ist ebenfalls ein Symptom und keine eigenständige Krankheit. Sie tritt häufig bei älteren Menschen auf, da die Darmtätigkeit mit zunehmendem Alter abnimmt. Verbleibt der Stuhl zu lange im Darm, verändert sich die Bakterienflora. Das kann im Extremfall zu einem Darmverschluss führen. Bei einem Darmverschluss entstehen durch Gärung giftige Gase, die in den Blutkreislauf gelangen und den Körper regelrecht vergiften. Eingeleitet wird die Verstopfung durch ein allgemeines Unwohlsein, Völlegefühl und/oder einen aufgeblähten Bauch, begleitet von Appetitlosigkeit, Mundgeruch, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Magen- und Muskelschmerzen, Erbrechen und/oder Schwindelgefühlen. Stuhlgang tritt nur etwa einmal pro Woche auf und ist dann schwierig und schmerzhaft.
In den meisten Fällen ist eine Verstopfung harmlos und wird durch ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel oder Stress verursacht. Darmträgheit kann aber auch ein Hinweis auf eine Krankheit sein, wie z.B. Multiple Sklerose, Diabetes oder einen Schlaganfall.
Reizmagen und Reizdarm
Reizmagen und Reizdarm sind die häufigsten Ursachen für Verdauungsstörungen und Grund für einen Arztbesuch. Etwa jeder Vierte und hier vorwiegend Frauen leiden unter den so genannten funktionellen Magen-Darm-Beschwerden. Beide Erkrankungen treten allein oder zusammen mit wiederkehrenden Schmerzen im Verdauungstrakt auf und schränken die Lebensqualität meist massiv ein. Auslöser können Infektionen, Medikamente, Nahrungsmittel und andauernder Stress sein. Übergewicht, Bewegungsarmut und Alkoholkonsum können zusätzlich die natürliche Funktion des Verdauungssystems stören.
Eine der Hauptursachen für den Reizmagen ist eine Überempfindlichkeit des Nervensystems im oberen Magen-Darm-Trakt, die wiederum psychische Gründe haben kann. Bezeichnend sind immer wiederkehrende Beschwerden im Magen und Dünndarmbereich, wie Druck- und Völlegefühl nach dem Essen, Sättigungsgefühl nach einigen Bissen und Schmerzen im Oberbauch. Häufig kommt es auch zu unangenehmem Aufstoßen und Sodbrennen.
Auch beim Reizdarm können psychische Probleme die Funktion des so genannten Bauchhirns stören und zu starken Schmerzen und Krämpfen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung oder ungewöhnlichem Stuhlgang führen. Durch diese Beschwerden werden die Betroffenen erheblich in ihrer Lebensgestaltung eingeschränkt, was weiteren Stress hervorruft und die Symptome wie in einem Teufelskreis verstärkt.
Neben dieser Hauptursache für Verdauungsprobleme gibt es viele weitere Erkrankungen, die Grund für Störungen im Magen-Darm-Bereich sein können, z.B. Allergien, Entzündungen in Speiseröhre, Dünndarm oder Blinddarm, Untersäuerung (Mangel an Magensäure), Nahrungs-mittel oder Glutenintoleranz, Irritationen im Dickdarm, Nahrungsmittelvergiftung, Malabsorption (der Körper kann einen oder mehrere Stoffe nicht mehr aus der Nahrung aufnehmen), Magen-katarrh (Gastritis), Magengeschwür, Dickdarmkatarrh l(Kolitis).
Was Sie selber gegen Verdauungsstörungen tun können
Eine Änderung des Ernährungsverhaltens kann nicht krankheitsbedingte Verdauungsbeschwerden mindern:
- Verzichten Sie auf schwer verdauliche Speisen. Meiden Sie zu große Mengen blähender Nahrungsmittel wie Zwiebeln, Kohl, Lauch, Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen), unreifes Obst, Nüsse, Rosinen, sehr frisches Brot, grobes Vollkornbrot, Kaffee, Schokolade, Eiskaltes oder Fettgebackenes. Bevorzugen Sie fettarme Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Getreide und Getreideprodukte und verwenden Sie Halbfettmargarine, fettarme Fleisch-, Wurst- und Käsesorten.
- Meiden Sie kohlensäurehaltige und zu süße Getränke.
- Garen Sie Ihre Mahlzeiten mit fettarmen Verfahren: Dünsten mit Wasser, im Schnellkochtopf oder im Bratschlauch.
- Mehrere kleine, über den Tag verteilte Mahlzeiten sind besser als drei große. Lassen Sie sich Zeit beim Essen und kauen Sie alles gründlich durch.
- Bewegen Sie sich viel und treiben Sie öfter Sport, das bringt den Darm auf Trab. Auch ein kleiner Verdauungsspaziergang kann schon sehr hilfreich sein.
- Bei akuten Beschwerden können Hausmittel wie etwa die Wärmflasche, kreisförmige Bauchmassagen sowie Heilpflanzen wie Kümmel oder Kamille Linderung verschaffen.
- Verzichten Sie auf Alkohol und Zigaretten. Beides kann die Beschwerden verstärken.
Dieser Text informiert über den Servicebeitrag vom 16.02.2010. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

