Neue Vahr Süd
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"Für mich war der Film eine tolle Lebenszeit."

Ein Gespräch mit der Regisseurin Hermine Huntgeburth  

Hermine Huntgeburth (Bild: dpa) Bild vergrößern Bildunterschrift: Hermine Huntgeburth ]
Das Erste: Frau Huntgeburth, worin bestand für Sie die besondere Herausforderung bei diesem Projekt?

Hermine Huntgeburth: Die besondere Herausforderung lag darin, das Lebensgefühl der jungen Menschen der 80er Jahre einzufangen, es nachzuempfinden und in einem Film mit der entsprechenden Dynamik herüberzubringen. Von Vorteil war sicherlich, dass ich diese Zeit mit ihren politischen Bewegungen selbst miterlebt habe – ich war Anfang der 80er fast so alt wie Frank Lehmann in dem Roman von Sven Regener. Die Verfilmung dieses Buches bedeutete eine große Herausforderung an Kostüm und Maske, an Requisite und Ausstattung – und auch an die Musik. Wir hatten im Vorfeld schon einige Songs aus der damaligen Zeit im Kopf und auch später beim Schnitt, da tat sich für alle ein ziemlich großer Schatz auf.

Der Film erzählt vor dem Hintergrund der politischen Bewegungen in den 80er Jahren die Geschichte eines jungen Mannes, der nicht weiß, wie es in seinem Leben weitergeht, der nicht bereit ist, für sein eigenes Leben Verantwortung zu übernehmen. Ist "Neue Vahr Süd" in dieser Hinsicht auch eine zeitlose Geschichte?

Auf jeden Fall. Viele junge Leute im Alter von Frank und seinen Freunden befinden sich doch auch heute in einer Art Niemandsland. Sie wissen nicht, was sie mit sich anfangen sollen, was die Zukunft ihnen bringt. Sie können sich nicht entscheiden oder scheuen sich davor, Entscheidungen zu treffen, aus Unsicherheit darüber, was sie nach der Schule erwartet.

Sie haben bei diesem Film mit einem überwiegend jungen Ensemble zusammengearbeitet …

Ich fand es sehr spannend, mit vielen neuen, jungen Gesichtern zu arbeiten. Der Film muss ja eine jugendliche Energie haben, sonst wird er dem Roman und dem Thema nicht gerecht. Ergänzt wurde dieses wunderbare Ensemble durch erfahrene Schauspieler wie etwa Ulrich Matthes, Margarita Broich oder Hinnerk Schönemann und natürlich durch Frederick Lau, der den Film trägt.

Warum haben Sie auf eine Off-Stimme, auf den inneren Monolog, mit dem Sven Regener seinen Romanhelden seine Gedanken erzählen lässt, verzichtet?

Ich habe mich auf Frederick Lau verlassen, und er hat Frank Lehmann mit seiner ganzen Chuzpe und seinen ewigen Zweifeln ganz wunderbar ausgefüllt.

Nach "Teufelsbraten", "Effi Briest" nun "Neue Vahr Süd" – was reizt Sie an der Verfilmung historischer Stoffe?

Am Anfang denkt man, die 80er Jahre sind noch nicht so lange her. Aber 30 Jahre sind eine lange Zeit und "Neue Vahr Süd" ist genauso historisch wie meine anderen Filme. Da muss ich ganz genau hinschauen. Ich muss mich in andere Zeiten hineinversetzen, muss versuchen, das Lebensgefühl aus der jeweiligen Zeit oder Epoche genau zu treffen, um die Vorlage – den Roman – adäquat umzusetzen. Und der ist eine Steilvorlage. Historische Stoffe sind ein Geschenk für jeden Filmemacher. Das macht Spaß und ist eine große Herausforderung für alle Gewerke. Da ist es ganz wichtig, sehr gute Mitarbeiter zu haben. Und die hatte ich. Christian Zübert hat uns auch eine besonders starke, stimmige Adaption geschrieben. Bei den Dreharbeiten hat mich zudem die Begeisterung der Menschen, in deren Städten wir präsent waren, enorm motiviert. Überall, wohin wir kamen, vor allem in Bremen, stießen wir auf eine breite Unterstützung und großes Interesse, denn fast alle kennen Sven Regeners Roman und lieben ihn. Er ist eben Kult. Für mich war der Film eine tolle Lebenszeit.