19.06.2013

Offiziere gegen Hitler
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Foto: SWR/NDR/Privatbesitz/MPR

Größte Zelle des Militärischen Widerstands. Seit Sommter 1941 scharrt Henning von Tresckow zuverlässige Offiziere um sich, mit denen er Hitler beseitigen will.

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Foto: NDR/Privatbesitz/MPR

Motor der Verschwörung: Stabsoffizier Henning von Tresckow, der den Holocaust aufhalten wollte.

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Aufstand des Gewissens
Sonntag, 15. Juli 2007, 00.00 Uhr im NDR
Bei den Schauprozessen vor dem Volksgerichtshof, in denen der berüchtigte Roland Freisler über die Verschwörer des 20. Juli 1944 zu Gericht saß, wurde einen Monat nach dem misslungenen Attentat auch über Wilhelm Graf Schwerin verhandelt.

Der Reserveoffizier wurde im September 1939 nahe seines Gutes Sartowitz in Westpreußen Zeuge des Massakers eines SS-Einsatzkommandos an polnischen Juden und Christen. Als Freisler in der Verhandlung darauf anspielte, dass das Schwerin'sche Gut nach dem Vertrag von Versailles bis zum Einmarsch der Wehrmacht auf polnischem Boden gelegen hatte, kam es, auf Film festgehalten, zur wohl bekanntesten Entgleisung des Richters.

Schwerin begann mit leisem, aber festem Ton von den "Morden" zu sprechen, worauf ihn Freisler niederbrüllte: "Morde? Sie sind ja ein schäbiger Lump!" Für Schwerin, der zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, waren die Verbrechen des Regimes Auslöser seines Widerstands gewesen.

Auch andere Offiziere hatten die Massaker in Polen nicht widerspruchslos hingenommen und sogar bei Hitler dagegen protestiert. Eine Folge dieser Proteste war die Trennung der Mordkommandos der SS von der Wehrmacht. Bereitwillig stimmten die führenden Generale der Arbeitsteilung für den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion zu und schufen damit die Voraussetzung für die kommenden Verbrechen.

Über den Kommissarbefehl, der die ausnahmslose Ermordung gefangen genommener sowjetischer Kommissare forderte, sowie den Gerichtsbarkeitserlass, der Verbrechen deutscher Soldaten gegen die russische Zivilbevölkerung straffrei stellte, war die Wehrmacht ohnehin von vornherein in Hitlers Vernichtungskrieg eingebunden worden.

Einer der wenigen Offiziere, die versucht hatten, aktiv gegen diese verbrecherischen Befehle vorzugehen, war Henning von Tresckow im Stab der Heeresgruppe Mitte. Seit dem Novemberpogrom 1938 war er zum Regimegegner geworden, ohne sich dabei ganz von der Faszination für die außenpolitischen Erfolge und militärischen Siege Hitlers lösen zu können. Als er aber nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941 erfuhr, dass die Einsatzgruppen im Rücken der Front dazu übergingen, auch jüdische Frauen und Kinder zu ermorden, fasste er für sich den einsamen Entschluss, Hitler zu beseitigen, um dem Morden ein Ende zu setzen.

Schon bald bildete er mit einer Hand voll Vertrauten aus seinem Stab eine neue Zelle, die fortan zum Zentrum des militärischen Widerstandes werden und deren Bemühungen schließlich im Attentat vom 20. Juli 1944 gipfeln sollte.

Nachdem Tresckows erster Plan, mit Hilfe der Oberbefehlshaber der Heeresgruppen gegen Hitler vorzugehen, an deren Zaudern gescheitert war, verlagerte sich der Schwerpunkt des geplanten Staatstreichs nach Berlin. Vor allem durch Hans Oster wurde die Verbindung zu jenen Verschwörern hergestellt, die sich schon seit 1938 im Widerstand befanden. Im Herbst 1942 begannen dann die Planungen unter dem Decknamen "Walküre", die darauf abzielten, nach einem gelungenen Attentat mit Hilfe des Ersatzheeres die Macht im "Reich" zu übernehmen.

Immer klarer zeichnete sich nun auch die Niederlage von Stalingrad ab, die den Nimbus des "Feldherrn" Hitler in den Augen der deutschen Öffentlichkeit endlich beschädigen würde. Die Stunde Tresckows kam am 13. März 1943. Nach einem Besuch Hitlers bei der Heeresgruppe Mitte gelang es, eine Bombe in sein Flugzeug zu schmuggeln. Ohne Erfolg - der Zünder versagte. Das war der Auftakt zu einer Kette von Zufällen, die dem Diktator ein ums andere Mal das Leben retten sollten.

Noch im März verließ Hitler eine Ausstellung von Beutewaffen im Berliner Zeughaus überraschend so frühzeitig, dass er dem geplanten Selbstmordattentat eines Offiziers aus Tresckows Stab entkam. Im November wurde der nächste Anschlag vereitelt, weil die neuen Uniformen, die ihm von einem weiteren Selbstmordattentäter vorgeführt werden sollten, am Vortag bei einem Luftangriff verbrannten. Und im Februar 1944 schließlich scheiterte ein Pistolenattentat, weil der Schütze wider Erwarten nicht zu Hitlers Lagebesprechung zugelassen wurde.

Mittlerweile war Tresckow zum Chef des Stabes der 2. Armee an der Ostfront ernannt worden. Eine Aufgabe, die ihn aus dem Zentrum der Verschwörung herauskatapultierte. Die Zeit zwischen seinen Verwendungen im Sommer 1943 hatte er noch genutzt, um die "Walküre"-Planungen in Berlin voranzutreiben. Seit August 1943 wurde er hierbei von Claus Graf Stauffenberg unterstützt, der in Afrika schwer verwundet worden war und als Stabschef des Allgemeinen Heeresamtes in Berlin seine neue Verwendung fand. Mit Stauffenberg, der sich schon im Mai 1942 zum Widerstand gegen Hitler entschlossen hatte, stieß ein Mann zum militärischen Widerstand, der ebenso entschlossen war wie Tresckow.

Voller Energie würde Stauffenberg nun vollenden, was sein Vorgänger im Sommer 1941 begonnen hatte. Er wurde zum Motor des Staatsstreichs. Als er Anfang Juli 1944 in seiner Dienststelle befördert wurde, bot sich ihm nun auch die Möglichkeit, regelmäßig an Hitlers Lagesprechungen teilzunehmen. Stauffenberg zögerte nicht, jetzt auch die Durchführung des Attentats auf sich zu nehmen. Damit ruhte die gesamte Last des Umsturzes auf seinen Schultern...

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