Größte Zelle des Militärischen Widerstands. Seit Sommter 1941 scharrt Henning von Tresckow zuverlässige Offiziere um sich, mit denen er Hitler beseitigen will.
Motor der Verschwörung:
Stabsoffizier Henning von Tresckow, der den Holocaust
aufhalten wollte.
Aufstand des Gewissens
Sonntag, 15. Juli 2007, 00.00 Uhr im NDR
Bei den Schauprozessen vor dem Volksgerichtshof, in
denen der berüchtigte Roland Freisler über die Verschwörer
des 20. Juli 1944 zu Gericht saß, wurde einen Monat nach dem
misslungenen Attentat auch über Wilhelm Graf Schwerin
verhandelt.
Der Reserveoffizier wurde im September 1939 nahe seines
Gutes Sartowitz in Westpreußen Zeuge des Massakers eines
SS-Einsatzkommandos an polnischen Juden und Christen. Als
Freisler in der Verhandlung darauf anspielte, dass das
Schwerin'sche Gut nach dem Vertrag von Versailles bis zum
Einmarsch der Wehrmacht auf polnischem Boden gelegen hatte,
kam es, auf Film festgehalten, zur wohl bekanntesten
Entgleisung des Richters.
Schwerin begann mit leisem, aber festem Ton von den "Morden"
zu sprechen, worauf ihn Freisler niederbrüllte: "Morde? Sie
sind ja ein schäbiger Lump!" Für Schwerin, der zum Tode
verurteilt und hingerichtet wurde, waren die Verbrechen des
Regimes Auslöser seines Widerstands gewesen.
Auch andere Offiziere hatten die Massaker in Polen nicht
widerspruchslos hingenommen und sogar bei Hitler dagegen
protestiert. Eine Folge dieser Proteste war die Trennung der
Mordkommandos der SS von der Wehrmacht. Bereitwillig
stimmten die führenden Generale der Arbeitsteilung für den
Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion zu und schufen damit
die Voraussetzung für die kommenden Verbrechen.
Über den Kommissarbefehl, der die ausnahmslose Ermordung
gefangen genommener sowjetischer Kommissare forderte, sowie
den Gerichtsbarkeitserlass, der Verbrechen deutscher
Soldaten gegen die russische Zivilbevölkerung straffrei
stellte, war die Wehrmacht ohnehin von vornherein in Hitlers
Vernichtungskrieg eingebunden worden.
Einer der wenigen Offiziere, die versucht hatten, aktiv
gegen diese verbrecherischen Befehle vorzugehen, war Henning
von Tresckow im Stab der Heeresgruppe Mitte. Seit dem
Novemberpogrom 1938 war er zum Regimegegner geworden, ohne
sich dabei ganz von der Faszination für die außenpolitischen
Erfolge und militärischen Siege Hitlers lösen zu können. Als
er aber nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941
erfuhr, dass die Einsatzgruppen im Rücken der Front dazu
übergingen, auch jüdische Frauen und Kinder zu ermorden,
fasste er für sich den einsamen Entschluss, Hitler zu
beseitigen, um dem Morden ein Ende zu setzen.
Schon bald bildete er mit einer Hand voll Vertrauten aus
seinem Stab eine neue Zelle, die fortan zum Zentrum des
militärischen Widerstandes werden und deren Bemühungen
schließlich im Attentat vom 20. Juli 1944 gipfeln sollte.
Nachdem Tresckows erster Plan, mit Hilfe der
Oberbefehlshaber der Heeresgruppen gegen Hitler vorzugehen,
an deren Zaudern gescheitert war, verlagerte sich der
Schwerpunkt des geplanten Staatstreichs nach Berlin. Vor
allem durch Hans Oster wurde die Verbindung zu jenen
Verschwörern hergestellt, die sich schon seit 1938 im
Widerstand befanden. Im Herbst 1942 begannen dann die
Planungen unter dem Decknamen "Walküre", die darauf
abzielten, nach einem gelungenen Attentat mit Hilfe des
Ersatzheeres die Macht im "Reich" zu übernehmen.
Immer klarer zeichnete sich nun auch die Niederlage von
Stalingrad ab, die den Nimbus des "Feldherrn" Hitler in den
Augen der deutschen Öffentlichkeit endlich beschädigen
würde. Die Stunde Tresckows kam am 13. März 1943. Nach einem
Besuch Hitlers bei der Heeresgruppe Mitte gelang es, eine
Bombe in sein Flugzeug zu schmuggeln. Ohne Erfolg - der
Zünder versagte. Das war der Auftakt zu einer Kette von
Zufällen, die dem Diktator ein ums andere Mal das Leben
retten sollten.
Noch im März verließ Hitler eine Ausstellung von Beutewaffen
im Berliner Zeughaus überraschend so frühzeitig, dass er dem
geplanten Selbstmordattentat eines Offiziers aus Tresckows
Stab entkam. Im November wurde der nächste Anschlag
vereitelt, weil die neuen Uniformen, die ihm von einem
weiteren Selbstmordattentäter vorgeführt werden sollten, am
Vortag bei einem Luftangriff verbrannten. Und im Februar
1944 schließlich scheiterte ein Pistolenattentat, weil der
Schütze wider Erwarten nicht zu Hitlers Lagebesprechung
zugelassen wurde.
Mittlerweile war Tresckow zum Chef des Stabes der 2. Armee
an der Ostfront ernannt worden. Eine Aufgabe, die ihn aus
dem Zentrum der Verschwörung herauskatapultierte. Die Zeit
zwischen seinen Verwendungen im Sommer 1943 hatte er noch
genutzt, um die "Walküre"-Planungen in Berlin
voranzutreiben. Seit August 1943 wurde er hierbei von Claus
Graf Stauffenberg unterstützt, der in Afrika schwer
verwundet worden war und als Stabschef des Allgemeinen
Heeresamtes in Berlin seine neue Verwendung fand. Mit
Stauffenberg, der sich schon im Mai 1942 zum Widerstand
gegen Hitler entschlossen hatte, stieß ein Mann zum
militärischen Widerstand, der ebenso entschlossen war wie
Tresckow.
Voller Energie würde Stauffenberg nun vollenden, was sein
Vorgänger im Sommer 1941 begonnen hatte. Er wurde zum Motor
des Staatsstreichs. Als er Anfang Juli 1944 in seiner
Dienststelle befördert wurde, bot sich ihm nun auch die
Möglichkeit, regelmäßig an Hitlers Lagesprechungen
teilzunehmen. Stauffenberg zögerte nicht, jetzt auch die
Durchführung des Attentats auf sich zu nehmen. Damit ruhte
die gesamte Last des Umsturzes auf seinen Schultern...