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21.03.2010

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Pankows "nützliche Idioten"?

Die westdeutsche Friedensbewegung und der Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit

Als Politiker und Militärs in der Bundesrepublik die Friedensbewegung nicht mehr übersehen konnten, als Pazifisten Sturm liefen gegen die Nachrüstungspolitik, wie sie 1979 im sogenannten Nato-Doppelbeschluss vereinbart worden war, trat die "Psychologische Verteidigung der Bundeswehr" – kurz PSV – auf den Plan. Unter ihrem Leiter Günther Wagenlehner beschloss die PSV:

"Die Abhängigkeit der Friedensbewegung einschließlich des Krefelder Appells von kommunistischen Direktiven und Argumenten muss nachgewiesen und gezielt verbreitet werden. Dazu gehört die Wahrheit über die SS-20 und die Notwendigkeit der Nato-Nachrüstung." Aber als die PSV im Sommer 1981 zur "Aufklärung" ansetzte, da hatte sie den Kampf um die Herzen und Köpfe der westdeutschen Bevölkerung im Grunde bereits verloren.

Der Osten feierte seinen scheinbar größten Propaganda-Erfolg im Kalten Krieg: Die Mehrheit der Bundesbürger lehnte die Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen ab. Westmitarbeiter der "Stasi" hatten den Auftrag, der Friedensbewegung einen antiamerikanischen Einschlag zu geben.

Aus Sicht von Markus Wolf besonders erfolgreich war dabei Gerhard Kade, ehemaliger Darmstädter Hochschullehrer, beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) unter dem Decknamen "Super" als "inoffizieller Mitarbeiter" (IM) geführt.

Die "Generale für den Frieden" – Ein Fallbeispiel

Über Gerhard Kade schleust die Stasi damals jährlich 100.000 DM an die Initiative "Generale für den Frieden", die Kade initiiert hat und deren inoffizieller Geschäftsführer er ist. Als er Gert Bastian für eine Mitarbeit in der Initiative gewinnt, ist Ostberlin begeistert. Ist doch Gert Bastian, der Generalmajor a. D., eine Ikone der westdeutschen Friedensbewegung. Schon das Buch "Generale für den Frieden", welches die Initiative 1983 herausbringt, trägt an mehreren Stellen die Handschrift der Ostberliner. Höhepunkt der Kampagne soll aber ein Film sein, von dem sich die DDR-Führung einen weltweiten Propagandaerfolg verspricht.

Am 24. März 1986 begutachten die Sprecher der Initiative "Generale für den Frieden". Michael Harbottle (Großbritannien), Hermann von Meyenfeldt (Niederlande), Johan Christie (Norwegen) und Gert Bastian aus der Bundesrepublik eine erste Fassung des Filmes "Die Generale", an dem Walter Heynowski und Gerhard Scheumann seit über zwei Jahren arbeiten. Nach außen hin wird später die Entstehungsgeschichte verschleiert, der Film als eine "internationale Koproduktion" dargestellt. Damit soll dem befürchteten Eindruck entgegengewirkt werden, es sei ein Propagandastück.

Wenige Monate später kommt der Film zur Aufführung, am 6. Mai 1986 zuerst im Palais Wittgenstein in Wien, die DDR-Premiere folgte am 25. September in der Akademie der Künste der DDR in Berlin.

Für das Ministerium für Staatsicherheit war der Film ein großer Erfolg im "Friedenskampf", auch wenn das ursprüngliche Ziel – die Verhinderung der Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen – nicht hatte erreicht werden können. Als der Film anlief, war die Nachrüstung bereits erfolgt, die westdeutsche Friedensbewegung hatte ihren Zenit überschritten.

Darüber, warum sich Männer wie Gert Bastian vor den Propagandakarren spannen ließen, kann nur spekuliert werden. Vielleicht stimmt, was Günther Wagenlehner, der ehemalige Leiter der PSV annimmt: Bastian habe sich für eine prosowjetische Kampagne eingesetzt, aber subjektiv geglaubt, es sei seine eigene.

Keine wirkliche Erfolgsgeschichte

Obwohl das MfS seine Arbeit als großen Erfolg darstellte, gab es auch, wie es im Stasi-Deutsch hieß, "hemmende Faktoren". Zum Beispiel die "Öko-Pax"-Fraktion innerhalb der Friedensbewegung, die sich nicht davon abbringen ließ, auch in den sowjetischen SS-20 eine Bedrohung zu erkennen. Ein Alptraum aus Sicht des MfS waren all diejenigen, die sich – wie zum Beispiel Petra Kelly – mit der Friedensbewegung im Osten solidarisierten, gegen deren Unterdrückung protestierten und sich gegen die Atomwaffen in West und Ost wandten.

Als eine westliche Friedensgruppe im Oktober 1983 an der Mauer Luftballons mit persönlichen Friedensbotschaften aufsteigen ließ, war die Stasi in Ostberlin in hektischer Aufregung. Dutzende von Mitarbeitern wurden ausgeschickt: zur Jagd auf die bunten Luftballons mit den Friedens-Botschaften.


"Krefelder Appell" (Bild: SWR) Bildunterschrift: Demonstration "Krefelder Appell" ]




Ministerium für Staatssicherheit (Bild: SWR)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Ministerium für Staatssicherheit in der Normannenstraße ]




Gert Bastian und Petra Kelly (Bild: dpa)Großansicht des Bildes Bildunterschrift: Gert Bastian und Petra Kelly bei dem "Internationalen Treffen für kernwaffenfreie Zonen" in Ost-Berlin ]




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