O-Töne: Kommentare von Zeitzeugen
Egon Bahr, damals Pressesprecher des Senats von West-Berlin
Zur Reaktion der Vier Mächte auf den Bau der Berliner Mauer- "Na ja, es war eine bittere Erkenntnis, es war eine bittere Erkenntnis deshalb, weil klar wurde: Keine der Vier Mächte – weder die Russen, noch die Amerikaner, Franzosen und Engländer – wollten, dass es wegen Berlin zu einem Konflikt oder gar zu einem Krieg kommt. Weder Berlin noch Deutschland noch die deutsche Bevölkerung wären das wert gewesen. Also waren sie für den Status quo."
Egon Bahr, damals SPD-Bundesgeschäftsführer
Zur Sicherheitslage zu Beginn der 80er Jahre- "Es begann ein technologisches Rennen, bei dem derjenige im Vorteil war, der zuerst auf den Knopf drückte. Und das war nicht nur schrecklich, sondern das hat mir wirklich schlaflose Nächte bereitet, denn das war der Ausdruck, dass die Deutschen wirklich Objekte sind."
Prof. Dr. Bernd Stöver, Historiker Universität Potsdam
Zum Bunkerprogramm der Bundesregierung- "An sich ist es eine enorme Verlogenheit auch der deutschen Politik gewesen, die Bevölkerung nicht in einem Maße aufzuklären, das wirklich den Tatsachen entsprochen hätte, wirklich gesagt hätte: Wir haben nicht genug Bunkerplätze, wir können auch nicht genug Bunkerplätze bauen, für 60 Millionen Menschen gibt es eben keine Möglichkeit, sie unterzubringen in einem Atomkrieg, und wenn es zu einem Krieg kommt, dann wird es ein paar Mal hin und her gehen und es wird nichts mehr da sein, was man überhaupt noch verteidigen könnte."
Über die Folgen eines Atomkriegs in Europa- "[...] das heißt, dass es danach kein Deutschland mehr geben kann. Es gibt auch nichts mehr, was man da irgendwas noch irgendwie verteidigen könnte, sondern es wird dann einfach eine möglicherweise vollständig atomar verseuchte, nuklearverseuchte Trümmerwüste geben."
Klaus-Dieter Ernst, damals Abrüstungsexperte im DDR-Außenministerium
Über die Angst des Ostens vor dem Westen- "Das war eine echte Furcht im Osten, dass mit diesen Leuten, dass diese Leute nicht nur reden vom "Reich des Bösen", sondern auch versuchen wollen, dieses "Reich des Bösen" mit allen Mitteln sozusagen auszurotten, mit allen Mitteln."
Robert McFarlane, Nationaler Sicherheitsberater unter Präsident Reagan
Zur Rolle des amerikanischen SDI-Programms (engl.)- "SDI war eine wirtschaftliche Strategie, keine militärische. Sie sollte die sowjetische Wirtschaft derart unter Druck setzen, dass sie – um SDI zu bekämpfen – mehr ausgibt, als sie verkraften konnte."
Wolfram Dorn, 1966 Abgeordneter der FDP im Bundestag
Zur Nato-Übung Fallex 66- "Die Dramatik war dadurch festgelegt, dass erstens mal die Hauptaufgabe festzustellen war: Hauptkriegsschauplatz ist Deutschland. Dem waren alle anderen Bereiche untergeordnet. Und nach dem Drehbuch zu urteilen, blieb ein total vernichtetes Europa übrig, und es sollte sich daraus noch ein allgemeiner Weltkrieg mit nuklearen Auseinandersetzungen entwickeln."
Dr. Bruno Thoß, Militärgeschichtliches Forschungsamt Potsdam
Zur Berlinkrise 1958- "In dieser Berlinkrise fordert in der Tat Adenauer mehr Härte, und daraufhin reist der amerikanische Außenminister nach Europa und es kommt zu einer dramatischen Erziehungsrunde mit dem Bundeskanzler und seinem Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, wo Dulles dem Bundeskanzler durchdekliniert, was Härte sehr schnell bei einem militärischen Aufschaukeln einer Berlin-Krise bedeuten würde, dass man innerhalb ganz kürzester Frist im Atomkrieg sein würde; und fragt dann ganz suggestiv den Kanzler: "Sind Sie bereit auch dann noch, mit aller Konsequenz Härte von uns zu fordern, mit uns zu gehen? Und dann schwankt in seinen Antworten der Kanzler zunächst etwa, und dann stellt ihn Dulles noch mal. Und dann bleibt Adenauer, um seiner eigenen Glaubwürdigkeit ja nichts anderes übrig als zu sagen: "Ja, gut, dann stehen wir auch zu diesen Konsequenzen." Aber der Ablauf dieser Sitzung ist so, dass der Dulles nach Hause fahren kann in dem Bewusstsein, dass die Deutschen jetzt wohl etwas vorsichtiger in ihren Forderungen sein werden. "
Viktor Cherkashin, damals Agent des sowjetischen Geheimdiensts KGB
Zur Rolle des KGB während des Wettrüstens- "Wir hatten die Anweisung, Informationen zu beschaffen, über eventuell geplante Vorbereitungen der NATO-Länder und vor allem der Vereinigten Staaten von Amerika bezüglich eines atomaren Überraschungsangriffs, unter anderem auch auf die Sowjetunion."
Reagan, ehemaliger US-Präsident
Über die Kommunisten. Rede vom 8. März 1983 (Ronald Reagan Library)- "Lasset uns beten für die Erlösung all jener, die im Dunkeln des Totalitarismus leben. Betet dafür, dass Sie die Freude entdecken, Gott zu erkennen. Bis dahin sollten wir uns aber eine Sache bewusst machen: während sie noch die Allmacht des Staates predigen, dessen Allmacht über jeden Einzelnen verkünden und dessen Vorherrschaft über alle Völker der Erde prophezeien, sind sie der Mittelpunkt des Bösen in der modernen Welt."
Valentin Falin, sowjetischer Diplomat und Sicherheitsexperte
Zur Gefahr eines Atomkrieges aus Versehen- "Also wenn Geräte registrieren, ein Pershing fliegt in Richtung Moskau, dann in zwei Minuten oder drei höchstens werden alle unsere Raketen starten in Richtung Europa. Aber die Raketen haben dieselben Eigenschaften wie die Menschen. Sie können sich irren"
Prof. Dr. Hans-Peter Schwarz, Biograf Adenauers
Zur Position Adenauers in der Kubakrise- "Wir wissen, dass Adenauer, je kritischer sich die Lage entwickelte, dafür plädiert hat, zwischen den verschiedenen Optionen [sei] am besten eine Bombardierung der Raketenstellungen auf Kuba in Verbindung mit einer Invasion, die ja als Option auch von den Amerikanern nun in Erwägung gezogen wurde.""
Richard Perle, stellv. US-Verteidigungsminister unter Präsident Reagan
Wie die Amerikaner die deutsche Friedensbewegung sahen- "Wenn sie sich durchgesetzt hätten, hätte die Sowjetunion Atomwaffen gehabt, die auf Europa zielen. Die Sowjets hätten die SS-20 gehabt und wir nichts. Sie haben das Wort "Frieden" benutzt, weil es gut klingt. Das ganze hatte aber nichts Friedliches, das alles war sehr gefährlich.""


