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09.09.2010

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Rückschau: Botox

Die Nachfrage boomt 

 

Botoxbehandlung (Quelle: dpa) Bild vergrößern Bildunterschrift: ]
(© SWR) Faltenfrei – das Gesicht so glatt wie eine Glaskugel, diesen Wunsch erfüllen sich immer mehr Frauen und zunehmend auch Männer. Botox-Behandlungen boomen, Was die Hersteller des schicken Faltenglätters allerdings nur zu gerne verschweigen: Der Schönheitskult fordert einen hohen, einen grausamen Preis.

Schönheitskur in der Mittagspause

Hollywoodstars - jung und alt schwören auf Botox. Deshalb boomt das Geschäft mit dem Nervengift. Für rund 300,- € ist eine Botoxbehandlung in Hautarztpraxen und Schönheitskliniken zu haben. Der letzte Schrei: faltenfrei in der Mittagspause.
Nach einer kurzen Behandlung gehen die Patienten zurück zur Arbeit.
Der Trend zum glatten Gesicht ist nicht mehr aufzuhalten. 1,5 Millionen Behandlungen sollen es dieses Jahr in Deutschland sein, schätzt die Vereinigung ästhetisch-plastischer Chirurgen. Ein gutes Geschäft, an dem viele mitverdienen wollen. Auch mit zweifelhaften Hausbesuchen: auf sogenannten Botox-Parties.

Milliardengeschäfte für die Pharmakonzerne

Für die Pharmaindustrie ist Botox eine wahre Goldgrube: Die französische Firma Ipsen verdient gut mit ihren Präparaten genauso wie das Frankfurter Unternehmen Merz. Marktführer Allergan machte vergangenes Jahr mit Botox einen Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar. Die Hälfte der Produktion kommt als Medikament gegen neurologische Erkrankungen auf den Markt - die andere gegen Falten. Allergan erklärt den Botox-Boom mit dem Wunsch, besser auszusehen und sich besser zu fühlen.

Nervengift fürs faltenfreie Gesicht

Dabei hilft das Nervengift. Botox lähmt die Gesichtsmuskeln, die Falten verschwinden. Das Toxin ist etwa eine Million Mal stärker als Zyankali. Deshalb muss Botox extrem verdünnt und außerdem an Tieren getestet werden. Das gilt für jede Produktionseinheit, immer wieder von neuem.
Wie das geschieht, wissen die wenigsten Verbraucher, aber auch viele Ärzte nicht. Britischen Tierschützern ist es nun gelungen, heimlich Aufnahmen in einem Botox-Testlabor zu machen.

Grausamer Tod für Tests

Die „Ärzte gegen Tierversuche“ und der Deutsche Tierschutzbund. zeigen brisante Bilder: Einer Maus wird das Botulinumtoxin in die Bauchhöhle gespritzt. Innerhalb von Stunden zeigen sich die ersten Symptome. Die Maus kann kaum noch laufen – stirbt einen langsamen und grausamen Erstickungstod.
Ein Todeskampf kann sich drei bis vier Tage hinziehen. Die Tiere leiden dabei extrem. Mäuse haben ein ähnliches Nervensystem wie wir, das heißt, man kann davon ausgehen, dass sie die Schmerzen genauso empfinden wie wir und genauso Panik bekommen, wenn sie keine Luft mehr bekommen, so eine Veterinärin.

Die Hälfte der Mäuse muss an Gift sterben

Sterbende Tiere werden einfach im Flur getötet. Auch das zeigen die geheimen Aufnahmen. Einer anderen Maus wird das Rückgrat gebrochen. Sie verendet langsam und qualvoll.
Genau die Hälfte der Versuchstiere muss am Gift sterben – so will es der Test. Dann stimmt die Dosis. Die anderen werden vergast. Bis zu 300.000 Mäuse sterben so jedes Jahr.

Gesetz gegen Tierversuche greift nicht

Mit Alternativmethoden hat es die Pharma-Industrie nicht eilig, meinen die Tierschützer. Und das obwohl Tierversuche für Kosmetika eigentlich verboten sind, jedenfalls in der Europäischen Union. Weil Botulinumtoxin aber als Medikament zugelassen ist, greift das Gesetz nicht.
Für die Pharmaindustrie sind neue Verfahren sehr kostspielig. Jede Firma muss für ihre Botulinum-Präparate eigene Tests durchführen und deren Verlässlichkeit nachweisen. Ein riesiger Aufwand.

Wo sind die Alternativen?

Zählt der Tierschutz beim großen Geschäft mit der Schönheit so wenig?
Hersteller Ipsen Pharma erklärt gegenüber PLUSMINUS schriftlich:
„Ipsen forscht seit über sieben Jahren intensiv an Alternativen zu Tierversuchen … Wir werden weiterhin daran forschen, bis wir eine Methode gefunden haben, die die standardisierten Qualitäts-, Sicherheits- und Wirksamkeitskriterien sowohl des Unternehmens als auch der Behörden erfüllt.“
Auch die anderen Pharmaunternehmen arbeiten angeblich an Alternativen zum Mäusetest, könnten aber längst viel weiter sein, meinen die Tierschützer.
Immerhin ist Botox ein Milliardengeschäft. Deshalb ist aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes die Industrie in der moralischen Verpflichtung, große Investitionen zu leisten, um diesen Mäusetest möglichst sofort abzuschaffen.

Solange das nicht geschieht, müssen für die Schönheit weiterhin Tiere sterben. Das steht hinter jeder weggespritzten Falte und ist die hässliche Seite des Milliardengeschäfts mit Botox.

Adressen & Links

Informationen des Deutschen Tierschutzbundes zu Tierversuchen für Botox
www.tierschutzbund.de/3774.html

Ärzte gegen Tierversuche
www.aerzte-gegen-tierversuche.de/

Stellungnahme des Landtags von Baden-Württemberg vom 02. 09. 09 zu Botox-Anfrage der Fraktion der Grünen
www.landtag-bw.de/WP14/Drucksachen/5000/14_5047_d.pdf

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 08.12.2009. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Di, 08.12.09 | 21:50 Uhr

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