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06.09.2010

Plusminus
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Rückschau: Gesundheitskosten

Wo viel Geld verschwendet wird 

Autoren: Christiane Cichy, Jürgen Magister 

Prof. Gerd Glaeske Bildunterschrift: Prof. Gerd Glaeske ]
(© MDR) Die Preise für patentgeschützte Medikamente dürfen nicht länger allein von den Pharmaunternehmen festgelegt werden, sondern müssen auch in Deutschland, wie in fast allen westlichen Industrieländern, staatlich reguliert werden. Diese Forderung stellt Gesundheitsökonom Prof. Gerd Glaeske in "Plusminus" an Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). So könne das deutsche Gesundheitssystem massiv entlastet werden, sagte Glaeske, der auch Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen ist. Aus der Sicht der ehemaligen Bundesministerin für Gesundheit Andrea Fischer (Bündnis 90 / Grüne) besteht die Möglichkeit, dieses einzigartige Privileg der deutschen Pharmawirtschaft zu brechen "Es spricht nichts dagegen, diese Verhandlungen zu führen. Es ist sogar notwendig, damit die Preise nicht weiter aus dem Ruder geraten", sagte Fischer gegenüber "Plusminus".

Teilweise doppelt so teuer

Die freie Preisbildung der Pharmaindustrie in Deutschland führt dazu, dass die Preise hier weit über dem Niveau der anderen Länder liegen. Nach einer Untersuchung der Krankenkasse KKH ist jedes der 30 meistverkauften patentgeschützten Medikamente in Deutschland teurer als in den anderen europäischen Ländern. So kostet beispielsweise "Betaferon" von Bayer, ein Mittel zur Behandlung von Multipler Sklerose, mit rund 1.760 Euro doppelt so viel wie in Schweden, wo es für 865 Euro verkauft wird. In Schweden und in fast allen Staaten werden die Preise für patentgeschützte Medikamente zwischen den Pharmaunternehmen und staatlichen Stellen verhandelt. So wird überzogenen Preisen und der außergewöhnlichen Belastung der Gesundheitssysteme entgegengewirkt. Nach Berechnungen von Experten beschert der "Betaferon"-Verkauf in Deutschland Bayer einen zusätzlichen Umsatz von 120 Millionen Euro pro Jahr, die von den deutschen Versicherten gezahlt werden müssen. Ein anderes Beispiel für die unregulierte Preisbildung ist das Rheumamittel "Humira 40 mg" des deutschen Herstellers Abbott. Das Mittel kostet in Deutschland 1.919 Euro und in Großbritannien mit knapp 800 Euro weniger als die Hälfte.

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 02.03.2010. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Di, 02.03.10 | 21:50 Uhr

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