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(© NDR) Er ist eines der Gesichter der Bankenkrise: Dirk Jens Nonnenmacher. Er soll die angeschlagene HSH Nordbank aus der Krise führen. Seinem Sanierungskonzept folgt die Politik. Hamburg und Schleswig-Holstein stellen milliardenschwere Finanzhilfen bereit: eine Kapitalspritze von drei Milliarden und Garantien von insgesamt zehn Milliarden Euro. Dazu kommen Bürgschaften des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung von 30 Milliarden Euro, von denen die Bank bisher 17 Milliarden Euro in Anspruch genommen hat.
Der Vorstandsvorsitzende Dirk Jens Nonnenmacher plant eine riskante Schrumpfkur: Die Bank soll sich wieder auf Mittelstandsfinanzierung in Norddeutschland sowie die Kerngeschäfte Schiffs- und Flugzeugfinanzierung konzentrieren, daneben läuft das Geschäft mit erneuerbaren Energien. Nach dem gemeinsamen Beschluss von Hamburg und Schleswig-Holstein zur Stützung der Bank am 24. Februar 2009 betonte Nonnemacher: "Das ist ein klares Signal. Das Konzept, das wir vorgelegt haben, ist schlüssig."
Doch seine Vergangenheit holt ihn ein: Immer neue Skandale bringen Nonnenmacher, der wegen seines Kürzels im internen Schriftverkehrs ("No") auch nach dem Bösewicht eines James-Bond-Films "Dr. No" genannt wird, in Erklärungsnot. Die Enthüllungen zeigen die faulen Tricks der Banken.
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Kreditantrag für den "Omega-55-Deal"
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Ein Kreditantrag zur Genehmigung im Vorstand der HSH Nordbank vom 14. Dezember 2007 zeigt: Neben den Vorständen Jochen Friedrich, Hans Berger, Peter Rieck, Hartmut Strauß und Bernhard Visker genehmigte auch Nonnenmacher, damals als Finanzvorstand, den sogenannten Omega-55-Deal. Die Vorlage trägt das Kürzel "No" und den Vermerk "Eilbeschluss". Rieck und Friedrich wurden inzwischen gefeuert. Gegen Nonnenmacher, Berger, Friedrich und Rieck ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue.
Im Zentrum des Omega-55-Deals steht eine Zweckgesellschaft in Dublin. Dorthin lagerte die wankende Bank über ihre Niederlassung London milliardenschwere Schrottpapiere aus. Die HSH Nordbank stand unter hohem Druck. Große Teile der Risiken mussten aus der Bilanz verschwinden. Das sogenannte Structured Loan Portfolio umfasste nach einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG noch Ende 2008 43 Transaktionen mit einem Volumen von drei Milliarden Euro. Deshalb verschob die Nordbank eine Tranche "Collateralized Debt Obligations" - komplizierte forderungsbesicherte Wertpapiere - im Umfang von 816 Millionen Euro zunächst in eine Zweckgesellschaft namens "Mathias Ltd." und von dort zu Omega. Die Zweckgesellschaft Omega wird - das Geschäft läuft bis 2014 - von der französischen Bank BNP Paribas gesponsert. Die Franzosen packten eigene Risikopapiere dazu. Für die Verluste der Zweckgesellschaft stand wiederum die HSH Nordbank gerade. Sie gab eine Kreditzusage auf 364 Tage für mögliche Ausfälle - für einen Tag weniger als ein Jahr, damit der Deal nicht bilanzwirksam wurde. In der Folge musste die HSH Nordbank mehr als eine halbe Milliarde Euro abschreiben.
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Zur Vernehmung von Luis Marti Sanchez
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Der Ex-Manager Luis Marti Sanchez sagte am 24. Oktober 2009 in einer zeugenschaftlichen Vernehmung aus: Omega "ist ein Projekt neben sechs anderen, die in der HSH entwickelt und vom Vorstand beschlossen worden waren, um das Risk-weighted-Asset (risikogewichtete Aktiva) herabzusetzen. Die Bank befand sich damals in einer Situation, dass die RWA ein Ausmaß erreicht hatten, dass deren Relation zum Eigenkapital bilanzrechtlich und aufsichtsrechtlich nicht mehr tragbar war. Wenn die RWA in ihrer tatsächlichen Risikogewichtung dargestellt worden wären, hätte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wahrscheinlich die HSH schon Anfang Januar 2008 schließen müssen, es sei denn die Shareholder hätten Eigenkapital nachgeschossen."
Der Bilanzexperte Prof. Carl-Christian Freidank von der Universität Hamburg kommt zu einem klaren Ergebnis: "Der Vorstand wollte nichts anderes tun, als Risiken nicht zu zeigen. Und deswegen haben wir es hier mit Bilanzverschleierung -
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Beschlussvorlage zur Gründung einer Briefkastenfirma
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Auf dem Weg über die Kanalinsel Jersey haben sich HSH-Manager selbst bedient. Zunächst wurden dort Briefkastenfirmen gegründet. Das hat sogar der Vorstand gebilligt. In einer Beschlussvorlage für den Vorstand vom 24. Oktober 2006 steht: "Nach dem alleinigen Ermessen des Managing Direktors können ausgewählte Mitarbeiter der HSH-Niederlassung im United Kingdom von einer doppelten Vertragsstruktur profitieren, welche der Bank helfen, die Vergütungen außerordentlich wettbewerbsfähig machen." Der damalige Kapitalmarktvorstand Eckehard Dettinger-Klemm zeichnete den Beschluss ab. Sein Kürzel: Edeka.
Boni von der Briefkastenfirma - ein fragwürdiges Geschäft am Rande der Legalität, meint der frühere Gutachter beim Finanzausschuss des Bundestages, Prof. Karl-Joachim Schmelz: "Es ermöglicht den Bankvorständen zusätzliche Einkommen zu erzielen, die häufig in Steuerparadiesen verbleiben und noch nicht mal versteuert werden, und ich darf dazu sagen, solche Gesellschaften gibt es bei allen Banken massenhaft." Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch Prof. Carl-Christian Freidank: "Der heimische Fiskus sollte umgangen werden."
Der Vizechef der HSH, Peter Rieck, holte erhebliche Risiken in die Nordbank. Darunter ein Mammutprojekt in New York namens Manhattan House. Für die Luxuswohnanlage auf der Upper East Side gab die HSH dem Bauherren O'Connor Capital Partners, noch Ende 2007 einen Kredit von 760 Millionen Dollar. Doch der Boom ist zu Ende. Ein New Yorker Kaufmann, der anonym bleiben will, schreibt: "Aktuell sind nur 20 Prozent des Gebäudes verkauft, und die derzeitigen Eigentümer kämpfen gegen O'Connor. Inzwischen ist der Immobilienmarkt zusammengebrochen und die Preise sind um 30 bis 40 Prozent gefallen. Deshalb ist es schwer vorstellbar, dass die Bank bei diesem Kredit nicht eine Menge Geld verlieren wird." Die HSH hofft, das Immobiliengeschäft in New York zieht wieder an. Doch bislang blieb sie auf Verlusten sitzen.
Was hier nicht mehr klappte, hat lange funktioniert: Risiken weiterzuverkaufen. Bis die Spekulationsblase platzte - eine zentrale Ursache der Finanzkrise. Deshalb fordert der frühere Gutachter beim Finanzausschuss des Bundestages Prof. Karl-Joachim Schmelz: "Der Gesetzgeber muss das ganze Verbriefungsgeschäft deutlich regulieren, es muss standardisiert werden und nur dann ist überhaupt eine Erfassung und Kontrolle und Aufsicht möglich."
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Gutachten KPMG
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Die Bank von Dirk Jens Nonnenmacher, so das vertrauliche Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesell-
schaft KPMG, investierte beim katastrophalen "Omega-55-Deal" ausschließlich "in AAA geratete", also mit Bestnote bewertete Papiere. Ein knappes Jahr später wurde daraus ein dreifaches B. Das heißt: Die Papiere waren nun praktisch unverkäuflich. Zurück blieb ein Haufen Wertpapier-Schrott, für den es derzeit keinen Markt mehr gibt.
Fragwürdige Bewertungen, vergeben von Agenturen. Oft bewerten sie Papiere, an deren Schaffung sie mitgewirkt haben. Der Publizist Harald Schumann spricht deshalb von "Gefälligkeits-Ratings": "Diese Rating-Agenturen haben auf breiter Front versagt. Darum wäre zwingend notwendig, dass wir für die Bewertung von Wertpapieren und Krediten eine unabhängige staatliche Agentur bekommen, speziell in Europa."
Das hätte die HSH wohl nicht gerettet. Denn auch der Mathematiker Nonnenmacher hat sich bei den Risiken verrechnet. Doch mehr Regulierung ist zwingend, damit sich diese Krise nicht wiederholt.
Hans-Peter Martin, Harald Schumann
Die Globalisierungsfalle
Rowohlt 1998
ISBN-13: 978-3498043810
Harald Schumann
Der globale Countdown: Finanzcrash, Wirtschaftskollaps, Klimawandel - Wege aus der Krise
Kiepenheuer und Witsch, 2009
ISBN-13: 978-3462041255
Max Otte
Der Crash kommt: Die neue Weltwirtschaftskrise und was Sie jetzt tun können
Ullstein, 2009-12-14
ISBN-13: 978-3548372907
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 15.12.2009. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.