Inhalt.
Hauptnavigation.
Weitere Inhalte.
Bildunterschrift:
Goldschmuck
]
(© SWR) Manchmal ist es Zeit, sich von Erinnerungsstücken zu trennen. Eine ehemalige Lehrerin will den Wert von drei ihrer Sammlerstücke schätzen lassen: Eine Goldmünze war das Geschenk zum Examen, die „Biene von Kreta“ und einen Ring hat sie sich selbst gekauft. Sie hat keine Kinder und keine Verwandten, deshalb überlegt sie, die Wertsachen zu verkaufen.
Bei Michael Harrer, einem öffentlich bestellten und vereidigten Schmucksachverständigen, sind die Wertsachen in kundigen Händen. Objektiv bewerten - darin ist er Profi.
Oft haben alte Schmuckstücke keinen Stempel. Wie hochwertig das Gold ist, ermittelt er mit einem Säuretest. Rosi G. ist gespannt. Ihren Namen haben wir aus Sicherheitsgründen geändert. Beim Diamantring lautet die Schätzung auf 1.200,- €. Insgesamt ist ihr Schmuck etwa 2.000,- € wert.
Mit Rosi G. machen wir mit versteckter Kamera einen Vor-Ort-Check bei zehn Händlern in Frankfurt, Mainz und Wiesbaden.
Zunächst besuchen wir einen renommierten Frankfurter Juwelier. Er macht einen professionellen Eindruck, auch beim Goldprüfen. Doch dann verschwindet er plötzlich mit dem Schmuck hinter der Theke.
Für Michael Harrer ist das ein sehr unseriöses Verhalten, denn der Kunde kann nicht sehen, was sein Schmuck tatsächlich gewogen hat. Hier haben die Maßeinheiten nicht gestimmt und es wurden ein paar Gramm zugunsten des Händlers abgezogen.
Und das lohnt sich für ihn. Er bietet lediglich 1.200,- €. Das sind 800,- € weniger, als der Schmuck wert ist.
Im nächsten Geschäft wirft der Händler nur einen kurzen Blick auf den antiken Ring. Er merkt zwar an, der Ring sei wertvoll, aber er will nur 250,- € bezahlen. Für alles zusammen bietet er 650,- €.
Der Antiquitätenhändler, der den Wert als nächstes schätzen soll, verlangt als erstes eine Gebühr von 25,- € für seine Dienste. Die Goldkette aus hochwertigem Material (14 Karat) schätzt er minderwertiger ein (8 Karat). Für den Sachverständigen ist das entweder grob fahrlässige Unwissenheit oder Absicht, damit der Händler nur die Hälfte des Goldpreises zahlen muss.
Eine Mainzer Antikhändlerin ist noch dreister. Der antike Ring sei Modeschmuck, behauptet sie ganz frech und bietet 40,- € für alles zusammen. Vor der Kamera will sie sich dazu nicht äußern.
PLUSMINUS macht außerdem Stichproben bei Internetaufkäufern, die mit vollmundigen Versprechen werben. Rosi G. würde ihren Schmuck niemals verschicken. Damit hat sie Recht, denn die Seriosität der Unternehmen lässt sich kaum prüfen.
PLUSMINUS ist jedoch neugierig und kontrolliert. Dafür stellt der Sachverständige Michael Harrer drei gleichwertige Schmuckpakete zusammen. Jedes hat einen Goldwert von 500,- Euro. Sie werden mit den Umschlägen verschickt, die wir zuvor bei drei Internetanbietern angefordert haben. Sie versprechen, den Schmuck zu bewerten und ein Preisangebot abzugeben.
Auch die Ergebnisse unseres Internetchecks sind alles andere als erfreulich. Für den Schmuck, der einen Wert von 500,- € hatte, bietet cash4gold 216,- €.
Briefgold behauptet fälschlicherweise, es sei unedler Schmuck dabei gewesen und rechtfertigt damit das magere Angebot von 137,- €. Gold-bringt-Geld unterbietet das noch mit 110,- €.
Übrigens: Der Online-Anbieter Briefgold hat sein Angebot kurzerhand verdoppelt, nachdem wir seine erste Offerte abgelehnt hatten. Nun bietet er immerhin die Hälfte des Wertes und nicht bloß ein Viertel.
Alles in allem zeigt unser Test: Wer sich vom Goldrausch leiten lässt und an den Erstbesten verkauft, kann Hunderte von Euro verlieren. Besser ist es, den Schmuck von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen schätzen zu lassen. So konnte Rosi G. am Ende doch noch einen Juwelier finden, der einen fairen Preis bietet.
IHK Bundesweites Sachverständigenverzeichnis
svv.ihk.de/svv/content/home/home.ihk?resetSuche=true&cid=56004
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 02.02.2010. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.