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23.05.2012

ARD-Ratgeber Internet
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Rückschau: Internetapotheken

Risiken und Nebenwirkungen 

 

Frau mit Medikamenten vor PC; Bild: DPA Bild vergrößern Bildunterschrift: Bei der günstigsten Versandapotheke war es gut 20 Euro billiger als vor Ort. ]
(© WDR) von Matthias Fuchs

Sechs Internetapotheken hat Ratgeber Internet getestet: DocMorris.de aus den Niederlanden, Vfg.com aus Tschechien, den deutschen Marktführer Sanicare.de, Mycare.de aus Halle und zwei Apotheken mit angeschlossenem Onlineshop: die Bioapotheke.de aus der Nähe von Osnabrück und Apoblitz.de aus Gelsenkirchen.

Silke und Ugur Ates aus Köln testen die Anbieter für uns. Sie haben noch nie im Internet Medikamente gekauft. Ugur Ates ist neugierig: „Ich bin gespannt, wer von denen wirklich das abliefert, was da versprochen wird.“ Fachkundigen Rat holen wir uns von Allgemeinmediziner Dr. Frieder Hutterer und Apotheker Dr. Axel Vogelreuter. Mit ihnen überlegen wir, wie man den Händlern aus medizinischer Sicht auf den Zahn fühlen kann.

Die Bewertung: Für jeden der drei Testbereiche Preis, Beratung und Sicherheit gibt es maximal zwei Punkte und insgesamt einen Bonuspunkt.

Der Preis

Familie Ates soll bei jeder der Versandapotheken einen Warenkorb mit rezeptfreien Medikamenten zusammenstellen. Zum Vergleich kaufen wir die gleichen Medikamente in einer zufällig ausgewählten Apotheke in Köln zum Preis von 52,41 Euro. Und dieser Vergleich lohnt sich, denn online ist es tatsächlich deutlich günstiger: Nur 31,52 Euro inklusive Versand kostet es beim billigsten Anbieter, der Bio Apotheke. Und selbst beim teuersten Anbieter Vfg spart man noch über zwölf Euro – hier kostet der Warenkorb 40,13 Euro. Mittlerweile gibt es auch Preissuchmaschinen wie Medizinfuchs.de oder Apomio.de, bei denen man die Preise verschiedener Anbieter vergleichen kann (Links s. u.).

Die Lieferung hat bei allen sechs Anbietern reibungslos geklappt. Innerhalb von zwei bis drei Tagen kamen die Pakete an. Sie sind in allen Fällen persönlich übergeben und nicht etwa an Kinder oder Nachbarn ausgehändigt worden.

Infografik "Preisvergleich"; Bild: WDR (TV-Bild) Bild vergrößern Bildunterschrift: Bei der Bio Apotheke waren die Medikamente am preisgünstigsten. ]
Auch rezeptpflichtige Medikamente kann man online bestellen. Doch hier sind die Preise gesetzlich festgelegt – zumindest in Deutschland. Klarer Vorteil für die ausländischen Versender: Sie bieten einen Bonus von bis zu 15 Euro pro Rezeptbestellung an. Ein Problem gibt es jedoch bei allen: Das Rezept muss im Original vorliegen. Es muss also per Post an den Händler geschickt werden. „Bis ich meine Medikamente bekomme, vergeht da ja eine Woche. Wenn ich die direkt brauche, ist das ärgerlich“, findet Silke Ates.

Unser Wertung: Zwei Punkte für die Bio Apotheke für den günstigsten Preis, ein Punkt für Sanicare, Mycare, DocMorris und Apoblitz. Null Punkte gibt es für Vfg, hier war der Preis am höchsten. Einen Bonuspunkt vergeben wir an Mycare, weil der Versender aus Halle als einziger auch ohne Mindestbestellwert versandkostenfrei liefert.

Die Beratung

Genau wie Präsenzapotheken müssen auch die Onlineapotheken eine Beratung anbieten. Doch wie gut sind die Hotlines? Der erste Test: Silke Ates soll behaupten, dass sie die Antibabypille nimmt und fragen, ob sie zusätzlich Johanniskraut nehmen darf. Das Problem: Johanniskraut kann die Wirksamkeit der Pille aufheben. „Das ist ein typisches Beispiel, wo wirklich die Alarmglocken angehen sollten“, sagt Apotheker Axel Vogelreuter. Doch wissen das die Berater? Bei Apoblitz heißt es tatsächlich: Pille und Johanniskraut sei kein Problem. Und auch Platzhirsch DocMorris versagt. Silke Ates ist überrascht: „Das ist doch die Apotheke, die am meisten Werbung macht. Das ist schon ein bisschen komisch. Ich denke, da war auch keine Fachkraft am Telefon.“

Dann ist Ugur Ates dran. Er sagt, er wolle Aspirin nehmen, habe aber oft Nasenbluten. Das ist eigentlich ein Alarmzeichen, denn Aspirin kann Blutungen verstärken. „Wenn einer mit häufigem Nasenbluten Probleme hat, sollte er auf blutverdünnende Mittel wie Aspirin verzichten. Das sollten Apotheker wissen“, sagt Allgemeinmediziner Dr. Frieder Hutterer. Hier jedoch schnitten alle Hotlines gut ab, man riet Ugur Ates zu Alternativen wie Paracetamol.

Außerdem testeten wir den Kundenservice per E-Mail. Wir fragten, ob man das Schilddrüsenhormon Thyroxin zusammen mit Eisentabletten nehmen kann. Hier wäre die korrekte Antwort, dass mindestens zwei Stunden zwischen der Einnahme beider Medikamente vergehen müssen. Auch hier waren alle Antworten richtig. Bei Sanicare mussten wir allerdings eine Woche auf eine Rückmeldung warten.

Unsere Wertung: Je zwei Punkte für Bio Apotheke, Mycare, Sanicare und Vfg für die korrekte Beratung, nur einen Punkt für DocMorris und Apoblitz wegen fehlerhafter Antworten.

Die Sicherheit

Hier geht es um das Thema Arzneimittelsicherheit: Wie gut klären die Versender über Gefahren auf? Erster Versuch: Wir bestellen gleich fünf Packungen des Schmerzmittels Paracetamol. So viel bekäme man in der Apotheke nicht ausgehändigt, um Missbrauch vorzubeugen. „Es werden leider viel zu viele Schmerzmittel eingenommen. Eigentlich sollte man in der Apotheke also maximal ein bis zwei Packungen auf einmal bekommen“, so Axel Vogelreuter. Wie sieht das online aus? Bei DocMorris erscheint ein Warnhinweis. Bei der Bio Apotheke wird die Anzahl schon während des Bestellvorgangs automatisch auf drei Packungen reduziert. Apoblitz fragt immerhin per E-Mail nach, ob die vielen Schmerzmittel nur für eine Person bestimmt seien. Bei den anderen Versendern gab es zwar keinen Hinweis, trotzdem schickten fast alle Anbieter am Ende nur zwei oder drei Packungen. Nur die Vfg-Apotheke lieferte alle fünf Packungen Paracetamol – und dann auch noch die falsche Marke.

Der zweite Versuch war kniffliger: Wir packten das Prostatamedikament Granufink Prosta und das Schlafmittel Hoggar N in den Warenkorb. Zwischen den Medikamenten selbst besteht keine direkte Wechselwirkung, dennoch ist Hoggar N für Prostatakranke ungeeignet, es kann nämlich die Entleerung der Blase behindern. „Wenn sich wirklich Apotheker jede Bestellung anschauen, sollten sie bei dieser Kombination eigentlich hellhörig werden“, meint Axel Vogelreuter. Doch bei unserem Test fiel das außer bei DocMorris niemandem auf. Hier lag ein Hinweis bei, der von der Einnahme von Hoggar N bei Prostatabeschwerden abrät.

Wertung: Zwei Punkte für DocMorris, ein Punkt für Sanicare, Mycare, Apoblitz und Bio Apotheke, null Punkte für Vfg.

Fazit

Infografik "Testergebnis"; Bild: WDR (TV-Bild) Bild vergrößern Bildunterschrift: Am Ende belegte mycare mit fünf von sieben Punkten den ersten Platz. ]
Im Endergebnis landet Mycare mit fünf von sieben möglichen Punkten knapp auf dem ersten Platz, dicht gefolgt von der günstigen Bio Apotheke und den Platzhirschen DocMorris und Sanicare mit je vier Punkten. Es folgt Apoblitz mit drei Punkten. Schlusslicht ist die tschechische Vfg-Apotheke mit nur zwei Punkten.

Die Internetapotheken überzeugen mit günstigen Preisen und schneller Lieferung. Bei der Beratung können sie allerdings nicht mit Präsenzapotheken mithalten. „Das Problem ist natürlich, dass sich der Wunsch nach günstigen Preisen mit den Kosten fürs Personal beißt. Da muss es irgendwo Abstriche geben“, sagt Apotheker Axel Vogelreuter. Und Allgemeinmediziner Hutterer gibt zu bedenken: „Der Preis ist ein Vorteil. Der Nachteil ist natürlich, dass man auf die Medikamente warten muss. Für den akuten Bedarf sind die Versandapotheken also eher nicht geeignet.“

Weitere Infos ...

Preisvergleiche für Medikamente:

Medizinfuchs.de

Apomio.de

Guenstiger.de

Idealo.de
 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 18.02.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Sa, 18.02.12 | 17:03 Uhr

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