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Rückschau: Rostgarantie

Längst nicht alle Oxidationsschäden sind gedeckt

Sendeanstalt und Sendedatum: SWR, Samstag, 5. September 2009

Schwerer Rostschaden im Blech (Quelle: SWR) Bildunterschrift: Entscheidend für Garantie: Noch Rost oder schon "Durchrost"? ]
Rost am Blech kommt heute kaum noch vor. Und für den Fall der Fälle gewähren die meisten Fahrzeughersteller eine Rostgarantie. Die gilt meist zwischen sechs und zwölf Jahren, manchmal sogar noch länger. Doch wenn der rote Fraß sich wirklich einmal breitmacht, bemerkt so mancher Halter, dass die Sache mit der Garantie gar nicht so unproblematisch ist.

Sogar 30 Jahre gilt die Mercedes-Rostgarantie, doch Johann Zimmer hat es mit seiner acht Jahre alten S-Klasse trotzdem nicht leicht. Trotz guter Pflege rostet der Wagen am Kofferraum. Eine neue Klappe kostet einige tausend Euro. Mercedes will nur die Hälfte davon zahlen - aus Kulanz.

Lückenlose Servicepflicht

Es ist für Zimmer unverständlich, warum die Rostgarantie nicht greifen soll. Christoph Horn, der Pressesprecher der Mercedes Car Group, erklärt die Bedingungen: Wartungsarbeiten sollen regelmäßig und in den autorisierten Servicewerkstätten durchgeführt werden. Und nicht nur Mercedes stellt solche Garantie-Bedingungen. Viele Hersteller fordern die präzise und lückenlose Einhaltung der Service-Intervalle. Daran ist auch Zimmer gescheitert, ohne es wissen. Den "Fehler" machte der Erstbesitzer seines Wagens, er war seinerzeit zu spät zur ersten Inspektion gefahren. Seinen Vorgänger kannte Zimmer nicht einmal und prüfen, ob der den Kundendienst regelmäßig besucht hat, könne er auch nicht.

Bundesgerichtshof bestätigt Hersteller

Dass viele Hersteller zur Bedingung machen, dass der Service nur im eigenen Netz statt in günstigeren, freien Werkstätten durchgeführt wird, empfindet so mancher Kunde als unfair. Einige von ihnen haben bis zum Bundesgerichtshof geklagt - und haben verloren. Der BGH argumentierte, dass ein Hersteller sein Kostenaufkommen quasi auf diese Weise finanziert.

Rost ist nicht gleich Rost

Autokunden müssen sich ihre Garantie also quasi erkaufen mit teuren Werkstattbesuchen. Ob sich das lohnt? E-Klasse-Fahrer Paul Schreiner beispielsweise verfügt über ein makelloses Serviceheft. Das Blech seiner E-Klasse ist ebenfalls tadellos, aber erst seit kurzem. Davor rundherum Rost und für die Reparatur sollte der Halter 2.000,- Euro selbst übernehmen. Was er nicht bedacht hatte: der Hersteller gewährt eine "Durchrostgarantie", die nur greift, wenn der Rost von innen nach außen verläuft. Und genau da lag der strittige Punkt, das Unternehmen beharrte darauf, dass der Rost von außen stamme.

Durchrostgarantie greift fast nie

Was genau eine "Durchrostung" ist, damit hat sich schon das Oberlandesgericht Stuttgart befasst. Ellenlang ist die Erklärung, auf den Punkt gebracht lässt sich aber zusammenfassen: Rost allein reicht nicht, er muss "durch" sein, also was man Loch empfinden würde. Das bedeutet aber, dass es die "Rostgarantie" aus dem normalen Sprachgebrauch so gar nicht gibt. Nur wenn der Rost ganze Arbeit geleistet hat - und zwar von innen nach außen - hätte man Glück. Das allerdings kommt so gut wie nie vor. Ordinärer Alltagsrost ist, wenn überhaupt, eine Sache der Kulanz.

Paul Schreiner hat das jetzt verstanden. Daher würde er heute von Anfang an zu einer preisgünstigen Werkstatt gehen, um sein Auto warten zu lassen. Immerhin, nachdem sich der Ratgeber Auto & Verkehr eingeschaltet hat, lenkt Mercedes ein und übernimmt die Rostreparatur für die beiden Halter nun doch komplett - aus Kulanz, nicht auf Garantie.

 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 05.09.2009. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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