Rückschau: Feinstaub
Partikelfilter für Benziner?
Sendeanstalt und Sendedatum: SWR, Samstag, 13. August 2011
Stuttgart Neckartor: der dreckigste Ort Deutschlands. Schon Mitte des Jahres waren die Feinstaub-Grenzwerte an 65 Tagen überschritten. Nur 35 Überschreitungen im ganzen Jahr sind erlaubt. Die Sünder: alte Diesel-Stinker. Glaubt man. Die Benziner dagegen: Saubermänner mit grüner Plakette.
Als besonders grün gelten moderne Benzinmotoren mit Direkteinspritzung. Im Gegensatz zu herkömmlichen Motoren wird hier der Kraftstoff unter hohem Druck direkt in den Brennraum eingespritzt. Die Verbrennung wird dadurch effektiver, der Spritverbrauch sinkt und damit auch der CO2-Ausstoß. Prima fürs Klima.
Bildunterschrift: Nicht immer prima fürs Klima ]
Doch die moderne Spritspar-Technik hat eine schmutzige Kehrseite.Der ADAC hat im Auftrag von Umweltverbänden gemessen, was bei Benzin-Direkteinspritzern aus dem Auspuff kommt. Das Ergebnis ist erschreckend: „Sie emittieren große Mengen Feinstaub wie wir sie vom Dieselmotor kennen und zum Teil zehnmal mehr als dort die Grenzwerte erlauben", sagt Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe.
Auf den Rollenprüfstand wurden zwei repräsentative Fahrzeuge der Gattung gestellt: ein VW Golf 1.2 TSI und ein BMW 116i.
Schon im sog. Normzyklus, der nur bis 120 km/h misst, zeigt sich, dass der Grenzwert für die Anzahl von Partikeln, der für Diesel-Fahrzeuge gilt, von den beiden Benzinern deutlich überschritten wird. Und auf der Autobahn, bei höheren Geschwindigkeiten, explodieren die Feinstaub-Emissionen geradezu.
Benzin-Direkteinspritzer wie z. B. der Mercedes CGI steht unter Schmutzfinkenverdacht - sein Besitzer staunt: „Das wundert mich, das hab' ich auch nie gelesen, und ich hab' mich ja vorher auch erkundigt. 170 CO2 hat er, und Feinstaub, da war nie 'ne Auskunft drüber in keinem Prospekt von Daimler-Benz, und das würd' mich dann schon ärgern.“
Der Laie staunt, doch der Fachmann wundert sich nicht: „Es war zu erwarten, dass wir mit den modernen Benzin-Direkteinspritzmotoren ähnliche Probleme bekommen, alleine deswegen, weil sich die Diesel- und Otto-Technologie annähern, um eben auch Kraftstoff zu sparen beim normalen Verbrennungsmotor", sagt Jürgen Resch, Deutsche Umwelthilfe.
Bildunterschrift: Blender mit grüner Plakette ]
Für die Zahl der ultrafeinen Partikel, die Forschern als besonders gesundheitsschädlich gelten, gibt es bisher nur einen Diesel-Grenzwert. Für Benziner gilt er nicht. Ein Unding, sagen Umweltverbände. Und erhalten jetzt überraschend Schützenhilfe von der Politik. Die EU-Kommission berät zur Zeit über neue Abgaswerte, und die Bundesregierung hat ihr jüngst vorgeschlagen: „den gleichen Grenzwert für Otto-Direkteinspritzer ... wie für Diesel-Pkw“ einzuführen, und zwar zeitgleich mit der Euro-6-Norm ab „September 2014“.
Die Bundesregierung macht also Tempo - und die deutschen Autohersteller? Das Ganze sei technisch schwierig, man brauche mehr Zeit, hört man vielfach. Ihr Verband indes scheint bestrebt, das Bremserimage in Sachen Umwelt loszuwerden. Dazu Hans Georg Frischkorn, Verband der Automobilindustrie: „Ich gehe davon aus, dass wir die gesetzlichen Vorschriften auch in diesem herausfordernden Zeitrahmen erfüllen werden.
Das ist eine technische Option - einen Partikelfilter für Ottomotoren - die andere technische Option, die intensiv untersucht wird, wären Optimierungen im Einspritzverfahren."
Die Hersteller wollen sich also noch nicht festlegen, ob es dann Filter für neue Benziner geben wird.
Wie auch immer, eine Sorge müssen Autofahrer nicht haben: Keiner braucht einen Filter nachzurüsten. Nur neue Benziner müssen ab 2014 die entsprechende Technik an Bord haben. Die Kosten werden wohl die Käufer tragen.
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 13.08.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

