DasErste.de - Springe direkt zu

Inhalt.
Hauptnavigation.
Weitere Inhalte.

09.02.2010

Fernsehen zum Anklicken
ARD Ratgeber Geld

Hauptnavigation
  • aktuelle Seite: Informationssendungen
    • aktuelle Sendung: Alle ARD-Ratgeber
Inhalt

Rückschau: Riester-Flop

Wie die Finanzkrise die Rendite vernichtet

Sendeanstalt und Sendedatum: BR, Samstag, 18. April 2009

Illustration zur Riester-Rente © picture-alliance/dpa Bildunterschrift: ]
Die gesetzliche Rente verspricht nicht das, was sie einmal war, das gesteht sogar der Staat ein und fordert zum Riester-Sparen auf. Doch der Aktiencrash im Sog der Finanzkrise hat viele Riester-Sparer desillusioniert. Wer mit einem Aktienfondssparplan für das Alter vorsorgen wollte, muss mit kräftigen Verlusten bei der Rendite rechnen. Dazu haben die Fondsanbieter zu Börsentiefständen bei einigen Kunden Aktienfondsanteile in Rentenpapiere, also zum Beispiel Staatsanleihen, umgeschichtet. Diese gelten zwar als sicher, haben aber nur eine geringe Verzinsung. Konsequenz: Verluste wurden realisiert und können bis zum Laufzeitende des Riestervertrages, also dem Renteneintritt, nur schwer wieder ausgeglichen werden.

Der Fall

Dr. Rolf Schulte, 43, unabhängiger Honorarberater für Vermögensfragen, also Profi in Sachen Geldanlage. Vor 6 Jahren hat er für sich selbst einen Riestervertrag abgeschlossen, wählte dazu bewusst einen Aktienfondssparplan. Über eine lange Laufzeit versprach das die höchste Rendite. Er entschied sich für die Uni Profi Rente von Union-Investment, die über die Volks- und Raiffeisenbanken vertrieben wird. Der Börsencrash hat nun sogar ihm als Experten eine böse Überraschung und einen dicken Verlust beschert.

"Ich habe Anfang Januar den Brief bekommen mit dem aktuellen Depotauszug und dem durfte ich dann entnehmen, dass meine sämtlichen Aktienfondsanteile umgetauscht worden sind in Rentenfondsanteile, das ausgerechnet zum Tiefstpunkt, in dem sich die Kapitalmärkte befunden haben, und das war schon sehr ärgerlich, dass ich auf diese Weise gar keine Chance mehr habe, zukünftig an den Steigerungen des Aktienmarktes teilzunehmen ... Zumindest bei mir hat sich das Versprechen auf eine hohe Rendite in Schall und Rauch aufgelöst."

Was war passiert? Gesetzlich garantiert muss die Fondsgesellschaft dem Riestersparer zum Vertragsende - also dem Renteneintritt - auf jeden Fall die einbezahlten Kundengelder plus die staatlichen Zulagen auszahlen. Aus Angst, dieser Verpflichtung nur noch mit Verlust nachkommen zu können, nahm der Anbieter nun Schultes Einlagen und wandelte die Aktienfondsanteile um in Rentenpapiere, die stetig eine sichere aber dafür geringe Rendite bringen.

Mehrere Beschwerden

Kein Einzelfall: Bei Verbraucherzentralen liegen mehrere Beschwerden vor, auch andere Riesteranbieter von Aktienfondssparplänen haben zu einem tiefen Börsenstand mit Verlust umgeschichtet.

Merten Larisch, Anlageexperte Verbraucherzentrale Bayern: "Das ist eigentlich wie ein Konstruktionsfehler, wenn man an den Sinn des Fondssparens denkt. Das gereicht jetzt tatsächlich den Sparern zum Nachteil. Diese so realisierten Verluste sind eigentlich mit den Rentenfondsumschichtungen nie wieder hereinzuholen. Denn die Zinsen aus Rentenfonds reichen dazu nicht aus. Also kommt es eigentlich zu einer Nullrendite aus diesen Verträgen."

Stellungnahme des Unternehmens

Ratgeber Geld bat Union Investment um Stellungnahme, vor die Kamera wollte niemand, es kam eine schriftliche Antwort. Auszüge: "Zur Absicherung ... bei Börseneinbrüchen ist es bei einigen Anlegern notwendig, das Kapital der Kunden durch eine Umschichtung zu sichern. Gleichzeitig wählen wir den Zeitpunkt der Umschichtung so, dass eine attraktive Rendite zum Rentenbeginn für den Kunden erzielt werden kann. Das Konzept ... sieht vor, so schnell wie möglich wieder eine Aktienquote aufzubauen."

Noch mehr Ärger

Dr. Rolf Schulte, Honorarberater: "Besonders ärgert mich, dass nur drei Wochen zuvor noch Aktienfondsanteile gekauft worden sind, und das mit 5 % Ausgabeaufschlag, und die gleichen Anteile wurden drei Wochen später zum Jahresende bereits wieder verkauft bzw. umgeschichtet dann in die Rentenfonds."

Was Rolf Schulte nicht klar war, die Erlaubnis zum Umtausch stand verklausuliert im Kleingedruckten des Eröffnungsantrages. Selbst er als Profi konnte die Folgen nicht absehen und hatte unterschrieben. Über den Umtausch wurde er nicht einmal ausdrücklich informiert. Er hakte nach und Union Investment teilte ihm mit "Die Rückabwicklung der Umschichtung ist ausgeschlossen."

Verlust und Konsequenz

So hat sich Rolf Schulte seinen momentanen Verlust ausgerechnet. Dieser beträgt rund 26 %. Nun zieht er seine Konsequenzen. "Die Verluste sind realisiert, ich muss mich jetzt entscheiden, wo ich mein Geld bestmöglich anlege und das ist für mich zukünftig der Banksparplan der Riesterbanksparplan der deutlich bessere Renditen erzielt als ein Rentenfonds und deshalb werde ich mein Altersvermögen komplett umschichten in ein neues Riesterprodukt, den Riesterbanksparplan."

Rolf Schulte kostet der Wechsel 50 Euro Gebühr. Das nimmt er in Kauf. Dafür kann er die staatlichen Zulagen mitnehmen. Als Berater weiß Dr. Schulte, warum er wechselt und nicht komplett kündigt und sich sein Geld auszahlen lässt. Denn bei Kündigung spricht der Staat von schädlicher Verwendung und fordert seine Zulagen und Steuernachlässe zurück. Besser ist es also, den Vertrag zu wechseln oder einfach mit einem formlosen Antrag beitragsfrei zu stellen, denn dann kann man bisher gezahlte Zulagen behalten.

Bericht: Reinhard Weber
Stand: Mitte April 2009

 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 18.04.2009. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW