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20.03.2010

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Rückschau: Sodbrennen - Medikamente im Zwielicht

Sendeanstalt und Sendedatum: RBB, Sonntag, 6. Dezember 2009

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Das saure Brennen ist nicht nur unangenehm, sondern kann sogar gefährlich werden. Die aus dem Magen zurückschwappende Magensäure hinterlässt deutliche Spuren, die Schleimhaut der Speiseröhre kann sich massiv entzünden. Wer nichts dagegen unternimmt, bei dem kann sich die Schleimhaut zudem umwandeln. Experten sprechen von einer „Barrett“- Speiseröhre, nach dem Erstbeschreiber der veränderten Zellen. Jeder zehnte Barrett-Patient entwickelt eines Tages Speiseröhrenkrebs. Das entspricht knapp 4.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland. Wichtig ist also, dass man Sodbrennen nicht klaglos hinnimmt – besonders wenn es regelmäßig auftritt. Spezielle säurehemmende Tabletten versprechen rasche Linderung. Doch in letzter Zeit ist die Einnahme der sogenannten Protonenpumpenhemmer bzw. Protonenpumpen-Inhibitoren (PPIs) in die Kritik geraten, weil sie zu Osteoporose führen sollen.
Neuerdings können Patienten auch einen Wirkstoff aus der Gruppe der PPI rezeptfrei in der Apotheke erwerben. Das Medikament sollte jedoch ohne ärztliche Beratung nicht länger als zwei Wochen eingenommen werden.

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Die Säureblocker hemmen die Produktion der Magensäure – und sind seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz gegen Sodbrennen. Wird die Säure per Medikament künstlich geblockt, hemmt das allerdings auch die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung. Kalzium ist ein Mineralstoff, der für den Aufbau und die Stärkung der Knochen gebraucht wird. Ist zu wenig Kalzium da, droht Knochenschwund (Osteoporose). Damit fanden Wissenschaftler vom Hamburger Universitätsklinikum (UKE) kürzlich die Ursache des bisher unverstandenen erhöhten Knochenbruchrisikos von Patienten mit Magenerkrankungen, die mit Säureblockern therapiert worden waren.

Doch man kann etwas tun: Der unerwünschte Nebeneffekt der Protonenpumpenhemmer lässt sich durch die gleichzeitige Behandlung mit einem Kalzium-Präparat auf Basis von Kalziumglukonat umgehen. Denn Kalziumglukonat wird vom Körper auch ohne die Hilfe von Magensäure aufgenommen. Derzeit sind allerdings 95 Prozent aller in Deutschland verkauften Kalziumpräparate auf der Basis von Kalziumkarbonat hergestellt. Dieses wird bei Magensäuremangel jedoch nicht vom Körper aufgenommen.

Nicht jeder Patient, der Säureblocker einnimmt, ist gefährdet, eine Osteoporose zu entwickeln. Die Einnahme der PPI muss dazu über Jahre erfolgen, erst dann besteht ein deutliches Risiko. Dazu kommt, dass die Entstehung einer Osteoporose viele Gründe haben kann. Dazu gehört u.a. eine generelle Störung der Aufnahme von Kalzium durch Protonenpumpeninhibitoren oder aus anderen Gründen. Weitere wichtige Gründe sind ein Vitamin-D-Mangel, ein Bewegungsmangel oder auch eine Hormonstörung.

Auch mit gesunder Ernährung kann man seinen Knochen etwas Gutes tun: Besonders wichtig sind kalziumreiche Lebensmittel, wie Milch und Milchprodukte: Trinkmilch, Joghurt und Käse in allen Varianten. Ebenfalls wichtig sind kalziumreiche Gemüsesorten. Dazu gehören Brokkoli, Fenchel und Lauch. Ergänzen kann man das „Menü gegen Osteoporose“ mit Fisch, denn der enthält viel Vitamin D, welches die Kalziumaufnahme fördert.

Ungünstig für den Knochen ist dagegen eine übermäßige Aufnahme von Kaffee. Der Grund: Kaffee fördert die Ausscheidung von Kalzium über die Niere. Auch sollte man nicht zu eiweißreich essen, weil auch dadurch wieder Kalzium verloren geht. Als Getränk bieten sich kalziumreiche Mineralwässer an. Sie sollten allerdings mindestens 200 mg Kalzium pro Liter enthalten und möglichst wenig Natrium.
Auch wer bestimmte Herzmedikamente einnimmt, muss aufpassen: PPI können die Wirkung der Mittel herabsetzen. Sprechen Sie also auch in diesem Fall auf jeden Fall mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie auf eigene Faust Tabletten gegen Sodbrennen verwenden.

Anti-Sodbrennen-Tipps für den Alltag:

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Leichte Beschwerden lassen sich manchmal bereits durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten gut in den Griff bekommen.
• Speisen oder Getränke, die Reflux auslösen, vermeiden. Oft werden Süßigkeiten (insbesondere Schokolade), Weißwein, Fette oder Kaffee als Auslöser genannt.
• Abends auf üppige Mahlzeiten verzichten.
• Versuchen, Übergewicht abzubauen.
• Möglichst am Abend auf Alkohol und Rauchen verzichten, beides lässt den Schließmuskel am Mageneingang erschlaffen.

Filmbeitrag: Pia Busch
Infotext: Susanne Faß

 

Adressen & Links

Im Gespräch:
Prof. Dr. med. Heinrich-Josef Lübke
Klinik für Innere Medizin II - Gastroenterologie, Hepatologie und Endoskopie
HELIOS Klinikum Emil von Behring
Walterhöferstraße 11
14165 Berlin
Tel.: 030 - 81 02-15 32
Fax: 030 - 81 02-15 28

Im Beitrag:
Prof. Dr. med. Michael Amling
Experimentelle Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. 040 - 7410-563 73 (Sekretariat)

Berliner Medizinhistorisches Museum
der Charité
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Tel.: 030 - 450 536 156
Fax: 030 - 450 536 905
bmm@charite.de

Kuratorium Knochengesundheit e.V.
Das Serviceteam ist unter
Tel. 07261 - 9217-0
Mo. - Fr. von 8.30 – 12.30 Uhr, erreichbar. Infomationen zu Osteoporose, Hilfe bei der Suche nach einer Osteoporose-Selbsthilfegruppe oder Adresse von Osteoporose-Ärzte:
Email: info@osteoporose.org

Osteoporose-Kummertelefon:
Montags von 9 bis 11 Uhr unter der Telefon-Nr. 07261 – 921 755

 

Literatur

"Gesund Essen & Trinken...Ihren Knochen zuliebe“ Kochbuch u. Ernährungsratgeber, Euro 10,05 inkl. Porto; Erhältlich über das Kuratorium Knochengesundheit

"Gesund essen bei Osteoporose". 100 Genussrezepte für starke Knochen.
Von Marlisa Szwillus und Jutta Semler, Gräfe & Unzer, 1. Auflage März, 12,90 Euro, ISBN: 3-833-80068-2

 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 06.12.2009. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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Externe Links

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