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10.02.2012

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Das ARD Filmbuch: Vorwort

 

Vorwort

Filmrolle (Bild: photos.com) Bildunterschrift: Filmrolle ]
Am deutschen Film kommt man nicht mehr vorbei. Das Publikum bevorzugt längst nicht mehr nur Produktionen aus Hollywood, Frankreich oder Italien. Die Filmwelt hat neben Cannes, Venedig, New York und L.A. inzwischen Berlin als festen Termin im Kalender.

Die Kinokassen klingeln wieder, die Säle füllen sich, die Umsätze der Filmwirtschaft steigen, und Deutsche räumen mehr und mehr Preise und Auszeichnungen ab. Das sind unübersehbare Zeichen für ein gestiegenes Interesse am deutschen Film, seine wachsende Reputation und die Kreativität und Leistungsfähigkeit seiner Künstler und Produzenten.

Das Buch, das Sie in Händen halten, soll dies würdigen, aber auch zeigen, dass das Fernsehen zu dieser stolzen Bilanz wesentlich beigetragen hat. Denn Fernsehen und Kino in Deutschland sind wie siamesische Zwillinge, auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Sie lieben und sie zanken sich, wie nur Geschwister es können, sind eifersüchtig und voller Misstrauen untereinander und doch füreinander da, wenn es darauf ankommt.

Die Förderung und Realisierung von Spielfilmen spielen in der ARD traditionell eine große Rolle. Fiktionale Angebote haben in unseren Programmen einen hohen Stellenwert. Gegenwärtig werden allein im Ersten jährlich 960 Spielfilme gezeigt. Allerdings haben sich die Bedingungen für den Einsatz von Spielfilmen im Programm stark verändert. Auf Grund der verschärften Konkurrenzsituation am Markt und des damit verbundenen Preisanstiegs bei hochwertigen Kinofilmen wird es für die ARD zunehmend schwerer, sich beim Erwerb von Lizenzen aktueller Filme durchzusetzen.

Hinzu kommen Veränderungen in der Auswertungskette von Spielfilmen, die im Free TV gezeigt werden sollen. Meist erscheint bereits kurz nach der Kinopremiere die DVD. Sie ermöglicht dem interessierten Publikum, den Film für immer weniger Geld zu einem ihm genehmen Zeitpunkt anzuschauen – ganz abgesehen von mehr oder minder legalen Möglichkeiten, Filme über das Internet zu beziehen. Auch Video-on-demand ist weiter auf dem Vormarsch. Eine weitere Auswertungsstufe ist schließlich das Pay-TV. Dies alles ist verantwortlich dafür, dass Spielfilme heutzutage immer später ins Free TV gelangen. Obwohl die Filme dann für den Sender eine Premiere darstellen, sind sie vielen Zuschauern bereits bekannt. Das lässt sich meist auch an der Zuschauerresonanz ablesen.

Diese Lage ist für ein ambitioniertes Vollprogramm wie Das Erste nicht unproblematisch. Einerseits gehört der große Spielfilm zu den unverzichtbaren Bestandteilen des Programms. Auf der anderen Seite müssen die beschriebenen Entwicklungen bei der Finanzierung und Programmgestaltung angemessen berücksichtigt werden.

Unter diesen Prämissen lässt sich die ARD-Filmpolitik wie folgt skizzieren:

- Die ARD bekennt sich zu ihrer kulturellen Verantwortung und wird dem deutschen und internationalen Film auch weiterhin einen gebührenden Platz in ihren Programmen einräumen. Dies schließt die Suche nach weiteren geeigneten Filmplätzen im Programm mit ein.

- Bei der Auswahl der Stoffe für Filmeinkäufe sowie Eigen- bzw. Auftragsproduktionen lässt sich die ARD von den Grundsätzen Qualität und Vielfalt leiten. Das schließt eine breite Auswahl von Kino- und Fernsehfilmen – von der Komödie bis zum Krimi, von der anspruchsvollen Romanverfilmung bis zu mehrteiligen historischen Stoffen – sowohl für Mehrheiten als auch für Minderheiten ein.

- Die ARD wird ihre Rolle als großer nationaler Produzent, als Auftraggeber für fiktionale und nonfiktionale Produktionen und damit als wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Filmindustrie weiter ausbauen.

- Die ARD wird ihre vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Filmproduzenten, Koproduktionspartnern und den regionalen wie den nationalen Förderungen fortsetzen und nach Möglichkeit vertiefen.

- Die ARD wird der Förderung junger Film- und Fernsehmacher auch weiterhin besondere Aufmerksamkeit widmen und ihren Filmen einen angemessenen Platz einräumen.

- Die ARD wird schließlich ihren Auftrag zur Akzeptanzstärkung speziell des deutschen Films konsequent erfüllen.


Bei der Umsetzung dieser Schwerpunkte können wir auf einem guten Fundament aufbauen. Filme wie die zweiteilige Fassung des Kino-Highlights "Der Untergang", die spektakuläre "Luther"-Verfilmung, der Dreiteiler "Speer und Er" oder "Deutschland. Ein Sommermärchen" fanden bei Zuschauern wie Fachleuten große Anerkennung. Die vielen Preise und Auszeichnungen, die deutsche Spiel-, Fernsehfilme und Dokumentationen in den letzten Jahren und auch 2006 wieder erhalten haben – von der Berlinale über die Grimme-Preise bis hin zum Europäischen Filmpreis 2006 in Warschau – wären ohne das finanzielle und redaktionelle Engagement der ARD wohl schwerlich errungen worden.

Wie dieses Engagement im Einzelnen aussieht, welche Möglichkeiten sich aus der Partnerschaft von Kino und Fernsehen ergeben, können Sie in dem vorliegenden "ARD Filmbuch" nachlesen. Seit über 20 Jahren hat es keine vergleichbare Publikation mehr gegeben, die neben Fachartikeln und Meinungen von Machern auch einige Zahlen und Fakten zusammenstellt und damit einen Überblick über die Rolle der ARD in Sachen Film im Kino wie im Fernsehen gibt.

Dabei zeigt sich: Die ARD und die Filmwirtschaft gehören zusammen und es wird auch künftig trotz bisweilen gegensätzlicher Auffassungen ein produktives, beiderseitig nützliches Miteinander geben. Die vielen deutschen Filme mit ARD-Beteiligung auf der diesjährigen Berlinale belegen das und stimmen mich für die Zukunft optimistisch.


Udo Reiter, Intendant des MDR und ARD Filmintendant

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