Die Live-Untertitelung für die Olympischen Spiele 2016 in Rio

Ein Redakteur spricht ins Mikrofon der Spracherkennungssoftware.
Damit die Live-Untertitelung gut funktioniert, wird die Software auf das Sprachprofil des Redakteurs trainiert.

Mittlerweile sind Live-Untertitel zur Selbstverständlichkeit geworden. Auf Knopfdruck erscheinen sie auf dem Bildschirm. Doch was so einfach und unscheinbar daher kommt, erfordert viel Vorbereitung und Konzentration. Für die Live-Untertitelung der Sportübertragungen im Ersten ist der ARD Text in Potsdam verantwortlich. Hier werden auch die Untertitel zu den Übertragungen der Olympischen Spiele in Rio produziert.

Wie ist die Untertitel-Redaktion von ARD Text in die Olympischen Spiele 2016 eingebunden?

Alle Übertragungen der Olympischen Spiele im Ersten werden vom ARD Text in Potsdam live untertitelt.

Wie viele Personen werden für die Olympia-Untertitelung benötigt?

Das Erste zeigt an seinen Sendetagen bis zu 19 Stunden Olympia live. 23 Kolleginnen und Kollegen der 34-köpfigen UT-Redaktion bei ARD Text sind für die Spiele in Rio im Einsatz.

Wie viele Untertitel-RedakteurInnen benötigt man pro Sendetag?

Zwei UT-RedakteurInnen sind in einer Schicht zusammen eingeteilt.  Meist wechseln sich die UntertitlerInnen alle 15 bis 30 Minuten ab. Bis zu sechs KollegInnen sind in drei Schichten im Einsatz um die 19 Stunden Olympia-Programm zu untertiteln. Besondere Herausforderung für Körper und Geist sind die vielen Nachtschichten bei diesen Spielen.

Wie kommt das gesprochene Wort als Schrift auf den Fernseher?

Gearbeitet wird mit einer Spracherkennungssoftware. Die Redakteure und Redakteurinnen sprechen die Aussagen der Kommentatoren, Reporter und Spieler zusammengefasst nach. Die Spracherkennungssoftware verschriftet das gesprochene Wort der UT-RedakteurInnen. Über ein Untertitelprogramm werden die Untertitel gesendet.

Kann man sich einfach ein Spracherkennungsprogramm kaufen und loslegen?

Nein. Jeder UT-Redakteur hat ein eigenes Spracherkennungsprofil, welches auf phonetischer Basis funktioniert. Die Spracherkennungssoftware muss kontinuierlich und aufwändig trainiert werden.

Wie muss man sich so ein Training vorstellen?

Für die Olympischen Spiele müssen dem System von jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter insgesamt rund 12.000 Begriffe – Sportlernamen, Wettkampforte und sportspezifische Fachbegriffe beigebracht werden. Man weiß ja vorher nicht, welcher Sportler oder welche Sportlerin später im Rampenlicht stehen werden.

Warum reicht es nicht, wenn beispielsweise die Moderatoren oder Kommentatoren vor Ort einfach zusätzlich in eine Spracherkennungssoftware sprechen?

Spracherkennung für gute Live-Untertitelung funktioniert nur mit gut trainierten Sprachprofilen – ansonsten ist die Erkennungsgenauigkeit zu gering.

Was ist die besondere Herausforderung bei der Live-Untertitelung?

Die UT-RedakteurInnen müssen gleichzeitig hören, sprechen, kontrollieren, korrigieren und senden. Und das alles innerhalb weniger Sekunden. Die Arbeit erfordert eine sehr hohe Konzentration.

Eine Live-Sendung ist selten fehlerfrei – wie sieht es mit den Live-Untertiteln aus?

Auch hier sind Fehler nicht gänzlich auszuschließen, beispielsweise durch Erkennungsfehler der Spracherkennung. So erklangen laut Untertitel "Die Hunde Brasiliens" – anstatt der "Hymne Brasiliens".

Was passiert, wenn der UntertitlerInnen die Stimme verliert?

Die eigene Stimme zu schonen ist oberstes Gebot. Bei Heiserkeit funktioniert die Erkennung nur noch mäßig, weil die Phonetik dann eine andere ist.

Wer profitiert von den Untertiteln?

In erster Linie natürlich hörgeschädigte Zuschauerinnen und Zuschauer. Aber auch Migranten, die ihr Deutsch verbessern wollen. Genutzt werden die Untertitel außerdem in lauten Umgebungen wie in Kneipen oder wenn man außer Haus unterwegs ist.

Wo kann man die Untertitel sehen?

Im ARD Text auf Tafel 150, oder digital über DVB-Untertitel, zudem im HbbTV, sowie im Netz im Livestream von Das Erste und in der Mediathek.

Wo kann ich mehr über Untertitel und Barrierefreiheit erfahren?

Im Netz auf "Barrierefreiheit im Ersten". Dort gibt es auch ein interessantes Erklärvideo zur Live-Untertitelung. Zu finden unter: http://www.daserste.de/specials/service/barrierefreiheit-im-ersten-index-zeilen100.html