Rückschau: Symphonie der Ozeane
Jacques Perrins Leinwandkrimi vom Fressen und Gefressen werden
Sendeanstalt und Sendedatum: WDR, Sonntag, 7. Februar 2010
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Sie bedecken rund zwei Drittel der Erdoberfläche und gehören zu den artenreichsten Lebensräumen unseres blauen Planeten: die Ozeane.
Geheimnisvolle Unterwasserwelt
Bildunterschrift: Großer Fetzenfisch an der Südküste Australiens ]
Vom mikroskopisch kleinen Plankton bis zum majestätischen Wal weist das Leben im Meer eine schier überbordende Fülle an Formen, Farben und Größen auf. Allein in den Korallenriffen sind über 4.000 Weichtiere, mehr als 400 verschiedene Korallen und über 1.500 Fischarten zu Hause. Und noch immer sind von den geschätzten mehr als eine Million Lebensformen der Weltmeere erst an die 230.000 entdeckt und beschrieben. Über den Mond oder den Mars wissen wir mehr als über die Tiefsee.
Zugleich droht unser rücksichtsloser Raubbau an der Natur jene geheimnisvolle Unterwasserwelt zu zerstören, die wir noch gar nicht in all ihren Facetten kennen. Überfischung, Beifang und Verschmutzung haben die Jahrmillionen alte Balance des Ökosystems der Ozeane empfindlich gestört.
Atemberaubendes Naturepos
Bildunterschrift: Filmszene ]
Im Jahr der Biodiversität, das die Vereinten Nationen zum Schutz der biologischen Vielfalt von Tieren und Pflanzen ausgerufen haben, vermittelt jetzt das atemberaubende Naturepos "Unsere Ozeane" eine Ahnung davon, welcher Schatz uns verloren zu gehen droht. Am 25. Februar kommt es in die deutschen Kinos.
Nach dem sensationellen Erfolg ihres Films "Nomaden der Lüfte" sind Jacques Perrin und Jacques Cluzaud in die Weltmeere hinabgetaucht. Vier Jahre lang waren sie mit einem Team von Tauchern, Technikern und Wissenschaftlern auf einer einzigartigen Entdeckungsreise unterwegs - von Cornwall bis Neukaledonien, von Alaska bis in die Karibik, von der Monteray Bay in Kalifornien bis nach Argentinien.
"Es gibt nicht den einen Ozean"
Bildunterschrift: Kugel aus Makrelen ]
Inspiriert vom Leben des legendären Kapitäns Paul Watson, wollten sie ursprünglich einen Spielfilm über einen Helden drehen, der die Wale und ihren Lebensraum beschützt. Doch die Meere hatten ihre eigene Dramaturgie. Ihre Bewohner drängten sich zunehmend in den Vordergrund, so Jacques Perrin. "Es waren die Lebewesen unter Wasser - eines bizarrer als das andere -, die unser Drehbuch aus allen Nähten platzen ließen. Wie sich zeigte, gibt es nicht den einen Ozean, sondern tausende unterschiedliche Ozeane! An dieser aufregenden Tatsache führte schließlich kein Weg mehr vorbei."
An 54 Orten rund um den Globus beobachteten die Filmemacher den faszinierenden Kosmos der Meere: Delfine bei ihrer akrobatischen Jagd, Robben, ganz entspannt beim Mittagsschlaf, turbinengleich rotierende Fischschwärme, die Grazie tonnenschwerer Walfische, die Eleganz eines Rochens beim Gleitflug, die bizarren Geschöpfe der Tiefsee, hungrige Haie, den Kampf zweier Krebsarmeen auf dem Meeresgrund, das Wüten der Wellen im Sturm.
"Hymne an das Meer" und Plädoyer für seine Zukunft
Bildunterschrift: Die Regisseure Jacques Cluzaud (li.) und Jacques Perrin ]
Ihre, wie Jacques Perrain sagt, "Hymne an das Meer" erzählt von Opfern und Tätern, vom Fressen und Gefressen werden und einer Welt, in der Schönheit und Grausamkeit oft nur einen Flossenschlag auseinander liegen.
Auf Zahlen und Fakten, auf einen erklärenden oder gar belehrenden Kommentar ihrer vielstimmigen Symphonie der Wildnis haben die Filmemacher ganz bewusst verzichtet. Statt "Nachhilfeunterricht zu geben", wollen sie "Gefühle wecken", so Regisseur und Produzent Jacques Cluzaud. "In erster Linie geht es um die Nähe zum gefilmten Tier, darum, aus einem Objekt ein Individuum zu machen."
"Unsere Ozeane" ist ein leidenschaftlicher und hoch emotionaler Appell an uns, für die Zukunft der Weltmeere Sorge zu tragen. Denn was passiert, wenn wir so weiter machen wie bisher, auch das zeigen uns Jacques Perrin und Jacques Cluzaud: Haben wir uns eben noch an der bunten Unterwasserwelt und ihrer magischen Schönheit berauscht, werden wir jäh mit den erschütternden Bildern verödeter Meeresböden, toter Korallenriffe und den Qualen in Fischernetzen verendender Haie konfrontiert.
"Es gibt", davon ist Jacques Perrain überzeugt, "kein besseres Mittel als das Kino, um zu informieren, um Stellung zu beziehen und sich zu empören..."
Buchtipp
Jacques Perrin: Unsere Ozeane.
Nach dem gleichnamigen Film von Jacques Perrin und Jacques Cluzaud
Knesebeck 2009, Preis: 59,95 Euro
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 07.02.2010. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

