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17.03.2010

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Rückschau: Stark und fromm

Sendeanstalt und Sendedatum: NDR, Sonntag, 20. September 2009

Heino Ferch (l.) und Barbara Sukowa (r.) sowie Regisseurin Margarethe von Trotta in der Kirche des Klosters Eberbach bei Eltville (c) picture-alliance Bildunterschrift: ]
Hildegard von Bingen ist eine Lichtgestalt des Mittelalters: Äbtissin, Seherin, Heilkundige und Komponistin. Oft zieht sie sich Neid und Missgunst zu, aber Hildegard ist nicht nur mutig, sie ist anders. Eines Tages fährt ein strahlendes Licht vom Himmel in sie hinein - sie sieht Bilder und schreibt später ihre Visionen nieder.

Die Welt war damals noch eine Scheibe

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"Das hat mich unglaublich interessiert", berichtet Margarethe von Trotta. "Das war Anfang der 80er-Jahre. Kurz danach habe ich dann ‚Rosa Luxemburg’ gemacht und irgendwie habe ich einen Zusammenhang gesehen von der einen zur anderen Frau. Beide ihren Ideen und ihrer Vorstellung von der Welt verpflichtet, nur die eine Mittelalter und Glaube, wo Glauben und Wissen noch eins war, man gar nicht zweifelte, man stand ja auch noch auf einer Scheibe und oben war der Himmel und unter uns die Hölle. Das muss man sich auch einmal vorstellen, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, dass das das Weltbild war. Wenn man hoch blickte, blickte man eben zu Gott."

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Seit ihrem achten Lebensjahr wächst das adlige Mädchen im Kloster auf. Gehorsamkeit und Demut prägen ihr Leben. Lange Zeit schweigt Hildegard über ihre Visionen - aus Angst man würde ihr nicht glauben. "Sie muss irgendetwas gehabt haben, dass sie die Leute wirklich überzeugt hat", meint die Schauspielerin Barbara Sukowa. "Es gab damals viele Leute, die Visionen hatten, es gab viele Menschen, die Wunder taten, aber dass sie wirklich das geschafft hat, diese Männer und diese Kirche zu überzeugen, dass ihre Visionen von Gott waren".

Populäre Schriften zu Kräuter- und Heilkunde

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Der mittelalterliche Glaube setzt auf Geißelung und Strafen. Hildegard setzt auf Mitgefühl und Liebe. Auch in der Medizin ist sie eine Vorreiterin. Ihre Schriften zur Kräuter- und Heilkunde sind heute populärer denn je. Von Trotta meint: "Sie hat zwei Dinge in ihrem Weltbild, die sehr modern sind, und die man jetzt erst wirklich begreift: das ist einmal diese ganzheitliche Medizin, sie sagt ja einmal, erst muss die Seele heil werden, dann kann der Körper ihr folgen, dass man das nicht mehr trennt, was wir ja jetzt erst allmählich begreifen und sie sagt, die Elemente können sich gegen uns wenden, das heißt die Natur kann sich gegen uns wenden und wir müssen sie schützen und pflegen, damit sich die Natur nicht gegen uns wendet."

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Allen Widerständen zum Trotz gründet Hildegard im Jahr 1150 das Frauenkloster Rupertsberg in der Nähe von Bingen am Rhein. Ein Befreiungsschlag - bisher war sie mit ihren Nonnen einem Männerkloster unterstellt. Der Aufbau ist mühsam, der Abt verweigert ihr die finanziellen Mittel, die ihr zustehen und dann rebellieren auch noch die Nonnen.

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"Im Paradies gab es keine Hässlichkeit", schreibt Hildegard. Ihr Ruf ist schon zu Lebzeiten legendär: Der Papst erkennt ihre Visionen an und selbst König Barbarossa bittet sie um Rat und bringt sie mit Gelehrten zusammen. "Wie gelingt es einer Frau, die eingeschlossen ist von Kind auf, diese Mauern zu sprengen", fragt sich von Trotta. "Und eben nicht nur die richtigen Mauern, sondern auch die Mauern, die einer Frau damals zugeordnet wurden.

außergewöhnlich intelligenten und kreativen Frau

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"Vision - aus dem Leben der Hildegard von Bingen". Fremd, aber faszinierend - das Porträt einer außergewöhnlich intelligenten und kreativen Frau, die es geschafft hat, ihren Weg zu gehen. Mit Mut und Courage. Vor mehr als 900 Jahren.

 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 20.09.2009. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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