SENDETERMIN Do, 06.04.17 | 22:45 Uhr | Das Erste

Nuhr im Ersten

Play"Nuhr im Ersten - Der Satiregipfel", angriffslustiges und scharfzüngiges politisches Kabarett mit Dieter Nuhr (Foto) im Ersten.
Nuhr im Ersten | Video verfügbar bis 06.04.2018

Gäste: Ingo Appelt, Enissa Amani, Michael Mittermeier und Torsten Sträter

Ingo Appelt garantiert messerscharfe Beobachtungen, brillanten Wortwitz, sowie freche und verschmitzte Pointen. Als "Enfant terrible der Comedy" wird er gerne ins kommerzielle, wie ins öffentliche Fernsehen eingeladen. In seinem runderneuerten Programm "Besser ist besser!" zeigt Ingo Appelt den modernen Weg zu einem besseren Leben.

Enissa Amani ist Wahlkölnerin, wurde im Iran geboren, wuchs aber in Frankfurt auf. Eine grundsätzlich interessante und bunte biographische Note wurde zum Problem, als sie vom Einreisestopp für Iraner in die USA hörte. Wie gut nur, dass Enissa Amani mit viel Mumm, intelligentem Witz und Selbstironie ausgestattet ist. Das Beste davon gibt’s bei "Nuhr im Ersten".

Michael Mittermeier stellt sich der dunklen Seite der Macht. Er zieht die Röntgenbrille auf und durchleuchtet das Weltgeschehen, filetiert die kleinen Schweine und zerschnitzelt die großen Sauereien.

Bei Torsten Sträter ist Idiotie nicht nur ein leeres Wort. Er erzählt von gebrochenen Menschen und sonderbaren Begebenheiten, aber er lotet auch die stillen Nuancen des Miteinanders aus. Und das alles mit einer angenehmen Stimme.

Ingo Appelt

Ingo Appelt
Ingo Appelt

1967 in Essen geboren, beginnt Ingo Appelt 1982 nach der Schule eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Wie im "Pütt" verbreitet, schlägt Ingos Herz schon bald links und Ende der 1980er Jahre hat er seinen ersten Auftritt bei der Jugendkonferenz der IG Metall, der 1990 in die erste Tournee mündet: mit dem Programm "Heiter Be-Sinnlich" tourt Ingo durch die Republik.

1991 folgt der Zivildienst, Ingo intensiviert nebenbei seine Auftrittstätigkeit. 1993 stehen bereits 130 Gastspiele mit dem Programm "Wir sterben und Sie machen Witze" in seinem Kalender, 240 Gigs sind es in 1994 – außerdem wird das Fernsehen auf Ingo aufmerksam: Er ist bei "RTL Samstag Nacht", der "RTL Nachtshow" und bei "Late Night mit Thomas Gottschalk" (RTL) ein gern gesehener Gast.

1996 ist Zeit für ein neues Programm. "Der Abräumer" macht seinem Namen alle Ehre und so lassen auch weitere TV-Highlights nicht auf sich warten. 1999 genießt Ingo geradezu ein Popstar-Image: Er tritt bei der Echo-Verleihung auf und Marius Müller-Westernhagen lädt ihn als Supporting-Act für die Abschiedstournee ein – das beschert Ingo einen Stadion-Auftritt vor 75.000 Zuschauern. Das hat auch Auswirkungen auf Ingos eigene Tournee: Jeweils 120.000 Zuschauer sehen Ingos "Wet Side Tour" 1999 und 2000.

2000 erhält Ingo auch seine eigene Fernsehshow: "Die Ingo Appelt Show" geht bei ProSieben auf Sendung. Nach einem "ersten offiziellen Babyjahr" 2001 startet Ingo 2002 und 2003 mit seinem neuen Programm "Superstar" wieder voll auf der Bühne durch. 2005 läuft das Programm "Superstar" mit zwei Highlights aus: die CD zur Tour wird veröffentlicht und ProSieben strahlt einen Live-Mitschnitt der Show aus. Aber Ingo gönnt sich keine Pause: Schon im Herbst 2005 tourt er wieder – mit dem neuen Programm "Retter der Nation". 2006 vergeht kaum ein Tag, an dem Ingo nicht mit seinem neuen Programm auf der Bühne steht. Überdies nimmt er sich wieder Zeit für Gastauftritte.

Ende 2008 steht der programmatische Titel für das erste Buch, Hörbuch und des nächsten Tourprogramms fest: "Männer muss man schlagen!". 2009 und 2010 wird die "Männer muss man schlagen!-Tour" erfolgreich fortgesetzt und Ingo ist im Kinofilm: "Morgen, ihr Luschen! Der Ausbilder-Schmidt-Film" auf der Leinwand zu sehen. Seit 2010 ist Ingo auch regelmäßig bei "Nuhr im Ersten" zu Gast. 2011 beginnt mit neuen Folgen des Quatsch Comedy Club – und es geht wieder auf die Bühne. Das Motto: "Frauen sind Göttinnen – Wir können nur noch beten!" Halleluja!

2014 ist Ingo erstmals seit 1999 nicht nur Gast, sondern regelmäßiger Gastgeber einer Fernsehsendung: Er übernimmt als Moderator die traditionsreiche Satiresendung "Kabarett aus Franken" im Bayerischen Fernsehen.

Anfang 2015 folgte das runderneuerte Programm: "Besser ist besser!" und Ingo ist weiterhin regelmäßiger Gast bei "Nuhr im Ersten".

Enissa Amani

Mit dabei: Kabarettistin Enissa Amani (Archivfoto)
Enissa Amani

Sie ist die Neuentdeckung der deutschen Kabarett-Szene: Enissa Amani. Die im 20. Jahrhundert im Iran geborene Deutsch-Perserin eroberte innerhalb eines Jahres die Bühnen und TV-Studios des Landes im Sturm. Ihr erstes Liveprogramm trägt den bezeichnenden Titel "Zwischen Chanel und Che Guevara".

Was Enissa Amani so außergewöhnlich macht ist nicht der Kontrast zwischen iranischem und deutschem Background, sondern der zwischen ihrer sozialistischen Erziehung und der unausweichlichen Anziehung der materiellen Güter dieser Welt. Die Inhalte ihres Bühnenprogramms halten dabei immer die Balance zwischen provokant-ehrlichem amerikanischem Stand-Up und deutschem Kabarett.

Geboren im Iran, geflüchtet nach Deutschland und angekommen in der Welt widmet sich Enissa Amani den großen Fragen dieser Welt: Absätze oder Hauptsätze, Elitepartner.de oder doch lieber Zwangsheirat und warum wird selbst im Europa des 21. Jahrhunderts hübschen Frauen automatisch der Intellekt abgesprochen?

Die Tochter eines politisch verfolgtem Literaten und einer Ärztin findet intelligent-komische Parallelen zwischen Nietzsches Philosophie und Kim Kardashians Arsch. Zwischen Anti-Kapitalismus und Modetipps. Zwischen Gangsterrap und der iranischen Opposition. Und sie erklärt uns, warum Nasen-OPs den Neoliberalismus widerlegen.

Enissa Amani bringt die Verwirrtheit ihrer Generation auf die Bühne und hat nicht mal den Anspruch, diese Verwirrung aufzulösen. Frei nach dem Motto: "Doppelmoral ist das neue Schwarz und alles ist gut, solange wir WLAN haben."

Enissa Amani wurde bereits für den "Prix Pantheon 2014" nominiert und ist ein Teil der "RebellComedy". Im TV sah und sieht man sie u.a. bei "Nuhr im Ersten", "nuhr ab 18 – junge comedy", "RebellComedy", den "StandUpMigranten" und bei "NightWash".

Michael Mittermeier

Michael Mittermeier
Michael Mittermeier

Michael Mittermeier wurde am 3. April 1966 im oberbayerischen Dorfen geboren und begann seine humoristische Karriere Ende der achtziger Jahre. Den Durchbruch feiert der Stand-Up-Comedian, der mit seinen Programmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs ist, mittlerweile auch im englischsprachigen Raum und tourt u.a. durch New York, London, Amsterdam, Russland, Kapstadt oder Edinburgh.

Anfang Mai präsentierte Michael Mittermeier sogar zusammen mit seinen Comedy Kollegen Eddie Izzard (England), Yacine Belhousse (Frankreich) Igor Meerson (Russland) und Francesco de Carlo (Italien) einen noch nie da gewesenen Comedy Event in englischer Sprache: Comedy sans Frontières (Comedy ohne Grenzen).

Im Laufe seines inzwischen 25-jährigen Bühnenjubiläums wurde Michael Mittermeier mit unzähligen Preisen geehrt, so z.B. mit dem Fernsehpreis der ARD, die "Goldene Europa", dem Deutschen Comedy Preis, den er inzwischen bereits 5 mal erhalten hat (zuletzt 2008), 2001 mit dem ECHO für den "besten nationalen Comedy-Star", dem Videochampion und vielen mehr.

Seit September 2015 ist er mit seinem siebten Live-Programm "WILD" auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Michael Mittermeier stellt sich der dunklen Seite der Macht. Er zieht die Röntgenbrille auf und durchleuchtet das Weltgeschehen, filetiert die kleinen Schweine und zerschnitzelt die großen Sauereien.

Torsten Sträter

Torsten Sträter
Torsten Sträter

Bei ihm ist Idiotie nicht nur ein leeres Wort. Er erzählt von gebrochenen Menschen und sonderbaren Begebenheiten, aber lotet auch die stillen Nuancen des Miteinanders aus.

»Ich bin Torsten Sträter.

Ich wiege bei 1,80 Höhe etwa eine halbe Tonne, weswegen ich nicht damit rechne, Booking-Anfragen für Katalogfotos zu bekommen. Ich komme darüber weg. Wenn ich nicht an meinen Geschichten für Bücher und Lesungen arbeite, sitze ich auf dem rapide durchschimmelnden Holzmobiliar meines Balkons. Ich weiß nicht, was in diese Baumarktleute gefahren ist – man bricht sich sicher keinen Zacken aus der Krone, wenn man Gartenmöbeln aus Holz einen Zettel beilegt: Bitte einölen, imprägnieren oder nur in der Wohnung benutzen! Wer soll das wissen? Bis Ende des Sommers, vermutlich arbeite ich dann grade an einem Essay über Pudding oder sowas, wird im hellen Sonnenlicht das Holz unter mir explodieren und ich werde von einem Stuhlbein gepfählt. Gut, dass ich den Bon noch habe.

Ich bin, wenn ich mich nicht in Gefahr begebe, in der Republik unterwegs und lese vor – bei Poetry Slams, auf Sololesungen, Lesebühnen und bizarren Mixed Shows (Ein Orgelspieler, ein Luftballontier-Clown, eine Frau, die mit Küchengeräten spricht, ich. So in der Art.) Fakt ist: Der Poetry Slam hat mich hervor gebracht … allerdings bin ich, was meine Teilnahme an Slams angeht, so unzuverlässig, dass gemunkelt wird, in meinem Keller stände ein Glücksrad, das folgende Felder aufweist:

- Playstation spielen
- Urologe
- Paniermehl kaufen und Brot klonen
- Liegen
- Caprisonne-Tüten abheften
- Zum Poetry Slam fahren

Das ist natürlich Unfug. "Urologe" ist nicht drauf. "Playstation spielen" dafür zwei Mal. Was noch?

Ich stehe (jugendliche Formulierung) auf Musik von Sinatra, Rammstein und Bach, beneide Menschen, die gut Piano spielen können (und mit "beneide" meine ich "hasse"), kann z. B. über Horst Evers, Fritz Eckenga, Malmsheimer, Onkel Fisch, Helge Schneider und Stromberg lachen, nicht aber über den Psychopathen, der bei uns frühmorgens durch die Siedlung fährt und beschissene Flötenmusik vom Band spielt, damit man ihm Metallschrott bringt. Was denkt der Vogel sich? Dass ich da um sieben aus der Kiste schnelle und ausrufe:

'POTZTAUSEND! Da isser wieder! Da werde ich doch direkt mal eine Heizungsverkleidung abschrauben und sie noch in Unterhose feilbieten! Ich wusste doch gar nicht, wohin damit! Endlich wird dieser Klumpen Blech seiner wahren Bestimmung zugeführt: Unter die Fittiche des kettenrauchenden Schrott-Eumels mit seiner völlig unmelodischen, ja kakophonischen Drecksflöte! Hurra!'

Dafür unterstütze ich den deutschen Buchhandel. Durch massives Einkaufen und Auftritte. Lassen Sie sich gesagt sein: Kleine Buchläden sind schöner. Und besser. Warum? Fragen Sie sich einfach, was Sie lieber tun …

a) über Bücher reden.
b) Rolltreppe fahren.

Der neue Roman über mittelalterliche Reiseprostitution kostet übrigens überall das gleiche. Also kann es kein Fehler sein, dort zu kaufen, wo man Sie wiedererkennt.
Na ja …
Halten Sie die Ohren steif – und wenn Sie das anatomisch nicht geregelt kriegen, blicken Sie einfach nach vorn. Hinter Ihnen ist meistens nix.

Ihr Torsten Sträter«

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