SENDETERMIN Do, 04.05.17 | 22:45 Uhr | Das Erste

Nuhr im Ersten

Sendung vom 04. Mai 2017 | Video verfügbar bis 04.05.2018

Gäste: Ingo Appelt, Abdelkarim, Ingmar Stadelmann und Torsten Sträter

Ingo Appelt ist in absoluter Topform: Der Comedian verbreitet mit Vollgas einen Optimismus, den wir gerade jetzt so gut gebrauchen können. Er garantiert messerscharfe Beobachtungen, brillanten Wortwitz, sowie freche und verschmitzte Pointen. In seinem runderneuerten Programm "Besser ist besser!" zeigt Ingo Appelt den modernen Weg zu einem besseren Leben.

Abdelkarim stammt aus Bielefeld. Der Ostwestfale mit marokkanischem "Migrationsvordergrund" widerlegt eindrucksvoll die These, Menschen aus diesem Teil Deutschlands hätten keinen Humor.  Abdelkarim ist nicht mehr der sympathische Senkrechtstarter in der Comedy- und Kabarettszene. Er ist längst ein unverzichtbarer Teil.

Ingmar Stadelmann stellt sich mit erhobenem Haupt dem Kampf gegen die Humorlosigkeit und schafft es, nicht nur die Grenzen zwischen Kabarett und Comedy aufzulösen, sondern auch gewieft mit den Grenzen jeglicher Erwartungshaltung zu spielen. Stadelmanns  Stand-Up Comedy ist hart, ehrlich, authentisch – und am Ende auf jeden Fall saulustig.

Bei Torsten Sträter ist Idiotie nicht nur ein leeres Wort. Mit trockener, fast gelangweilter Sprechart liest er die wahnwitzigsten Geschichten vor und erzählt von gebrochenen Menschen und sonderbaren Begebenheiten.  Er lotet aber auch die stillen Nuancen des Miteinanders aus. Und das alles mit einer angenehmen Stimme.

Ingo Appelt

Ingo Appelt
Ingo Appelt

1967 in Essen geboren, beginnt Ingo Appelt 1982 nach der Schule eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Wie im "Pütt" verbreitet, schlägt Ingos Herz schon bald links und Ende der 1980er Jahre hat er seinen ersten Auftritt bei der Jugendkonferenz der IG Metall, der 1990 in die erste Tournee mündet: mit dem Programm "Heiter Be-Sinnlich" tourt Ingo durch die Republik.

1991 folgt der Zivildienst, Ingo intensiviert nebenbei seine Auftrittstätigkeit. 1993 stehen bereits 130 Gastspiele mit dem Programm "Wir sterben und Sie machen Witze" in seinem Kalender, 240 Gigs sind es in 1994 – außerdem wird das Fernsehen auf Ingo aufmerksam: Er ist bei "RTL Samstag Nacht", der "RTL Nachtshow" und bei "Late Night mit Thomas Gottschalk" (RTL) ein gern gesehener Gast.

1996 ist Zeit für ein neues Programm. "Der Abräumer" macht seinem Namen alle Ehre und so lassen auch weitere TV-Highlights nicht auf sich warten. 1999 genießt Ingo geradezu ein Popstar-Image: Er tritt bei der Echo-Verleihung auf und Marius Müller-Westernhagen lädt ihn als Supporting-Act für die Abschiedstournee ein – das beschert Ingo einen Stadion-Auftritt vor 75.000 Zuschauern. Das hat auch Auswirkungen auf Ingos eigene Tournee: Jeweils 120.000 Zuschauer sehen Ingos "Wet Side Tour" 1999 und 2000.

2000 erhält Ingo auch seine eigene Fernsehshow: "Die Ingo Appelt Show" geht bei ProSieben auf Sendung. Nach einem "ersten offiziellen Babyjahr" 2001 startet Ingo 2002 und 2003 mit seinem neuen Programm "Superstar" wieder voll auf der Bühne durch. 2005 läuft das Programm "Superstar" mit zwei Highlights aus: die CD zur Tour wird veröffentlicht und ProSieben strahlt einen Live-Mitschnitt der Show aus. Aber Ingo gönnt sich keine Pause: Schon im Herbst 2005 tourt er wieder – mit dem neuen Programm "Retter der Nation". 2006 vergeht kaum ein Tag, an dem Ingo nicht mit seinem neuen Programm auf der Bühne steht. Überdies nimmt er sich wieder Zeit für Gastauftritte.

Ende 2008 steht der programmatische Titel für das erste Buch, Hörbuch und des nächsten Tourprogramms fest: "Männer muss man schlagen!". 2009 und 2010 wird die "Männer muss man schlagen!-Tour" erfolgreich fortgesetzt und Ingo ist im Kinofilm: "Morgen, ihr Luschen! Der Ausbilder-Schmidt-Film" auf der Leinwand zu sehen. Seit 2010 ist Ingo auch regelmäßig bei "Nuhr im Ersten" zu Gast. 2011 beginnt mit neuen Folgen des Quatsch Comedy Club – und es geht wieder auf die Bühne. Das Motto: "Frauen sind Göttinnen – Wir können nur noch beten!" Halleluja!

2014 ist Ingo erstmals seit 1999 nicht nur Gast, sondern regelmäßiger Gastgeber einer Fernsehsendung: Er übernimmt als Moderator die traditionsreiche Satiresendung "Kabarett aus Franken" im Bayerischen Fernsehen.

Anfang 2015 folgte das runderneuerte Programm: "Besser ist besser!" und Ingo ist weiterhin regelmäßiger Gast bei "Nuhr im Ersten".

Abdelkarim

Abdelkarim
Abdelkarim

Abdelkarim ist ein Marokkaner aus Bielefeld. Es kann halt nicht allen gut gehen. Was ihm bleibt, sind seine langen Träume. Ohne sie wäre es schwer in der Bielefelder Bronx alias das-ghettowürdigste-Ghetto-Deutschlands (und das ohne brennende Mülleimer).

In seinen unfassbar süßen Träumen ist er mal berufstätig, mal hat er einen deutschen Pass oder er spricht einfach mit einem Germanen. Diese glorreichen und glamourösen Träume sind ihm komischerweise nicht zu Kopf gestiegen. Abdelkarim ist auf dem Boden geblieben. Im wahrsten Sinne der Wörter. Als fester Bestandteil der Unterschicht und Parallelwelt meistert er seinen Alltag. Ob im virtuellen Netzwerkwahn oder real mit original Kunstlederjacke – der Marokkaner hat immer (k)eine Lösung parat. Oder sein Vater. Oder sein bester Freund des Grauens: Straßenflüsterer Ali. Abdelkarim ist nicht mehr der sympathische Senkrechtstarter in der Comedy- und Kabarettszene. Er ist längst ein unverzichtbarer Teil.  Ostwestfälischer Humor mit Migrationsvordergrund!

Abdelkarim ist Stammgast im TV mit gefeierten Auftritten u.a. bei der "heute show", "Die Anstalt", "TV total" und seiner eigenen Reihe "StandUpMigranten". Sein erstes Solo-Liveprogramm "Zwischen Ghetto und Germanen" war vielerorts ausverkauft und wurde von der Presse mit Lobeshymnen überhäuft. Ausgezeichnet mit einigen der renommiertesten deutschen Kabarettpreise ist er seit März 2017 mit seinem 2. Programm "Staatsfreund Nr. 1" auf Deutschlandtour!

Sein rasanter Aufstieg auf den Comedybühnen und in den renommierten Kabaretttheatern gleichermaßen brachte ihm Auszeichnungen ein wie den Hölzernen Stuttgarter Besen, den Jurypreis der Wühlmäuse in Berlin und 2015 den Bayerischen Kabarettpreis.

Ingmar Stadelmann

Ingmar Stadelmann
Ingmar Stadelmann

Ingmar Stadelmann wurde nicht über Nacht zum Comedystar. Das verhindert schon seine Humorfarbe: Schwarz, schmerzbefreit; allerdings auch immer saukomisch.

"Ich möchte ein besserer Mensch werden“, sagt Stadelmann, "und mache deswegen die Anderen schlecht" – und das macht er gut! Mit feinster StandupComedy in amerikanischer Tradition trifft er auch mal unter die Gürtellinie, aber immer direkt ins Komikzentrum. "Ein Sympath", sagt Bastian Pastewka über ihn, "Trotz der vielen kleinen Frechheiten! Ein Sympath!"

Drei Jahre lang war Stadelmann mit seinem ersten Bühnenprogramm "Was ist denn los mit den Menschen?" auf Tour. Drei Jahre, in denen er reichlich Preise und Fans gewonnen hat: Er entschied 2014 den "RTL Comedy Grand Prix" und den "Deutschen Comedypreis" in der Kategorie "Bester Newcomer" für sich. "Man hängt dir an den Lippen", wendet sich Eckhard von Hirschhausen beim RTL Comedy Grand Prix an Stadelmann, "man will nichts verpassen und dabei bist du eben saupräzise und saugut!"

2015 setzte sich der 1980 im ostdeutschen Salzwedel geborene Stadelmann die KabarettKrone auf und gewann sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis beim "Großen Kleinkunstfestival der Wühlmäuse" in Berlin.

Bissig und mit intelligentem Charme schafft Ingmar Stadelmann es, die Grenzen zwischen Kabarett und Comedy aufzulösen: So ist er nicht nur Moderator beim erfolgreichsten Radiosender in NRW 1LIVE, sondern auch gern gesehener Gast bei nahezu allen Comedy- und Satire-Formaten im TV. Stadelmanns eigene Shows, der "Fat Chicken Club" auf Tele 5 und die "LateLine" auf EinsPlus, haben bereits Kultstatus erreicht. 

Der fulminante Abschluss seines ersten Bühnen-Solos ist seine erste  gleichnamige DVD, ein zweistündiger Walkürenritt durch die Untiefen und den Grenzbereich des deutschen Humors. Stand-up Comedy, wie sie nach Stadelmanns Meinung sein sollte: hart, ehrlich, authentisch und auf jeden Fall saulustig.

Sein nun aktuelles Programm nennt Stadelmann #humorphob und tourt damit bereits erfolgreich durch Deutschland. Mit erhobenem Haupt stellt sich Ingmar Stadelmann dem Kampf gegen die Humorlosigkeit, mit den ihm dafür zur Verfügung stehenden Waffen: Der humoristischen Kalaschnikow, der Pointen-Geiselnahme, der Terror-Punchline oder als Selbstgag-Attentäter: revolutionär, charmant-provokant, irre!

Torsten Sträter

Torsten Sträter
Torsten Sträter

Torsten Sträter – Bei ihm ist Idiotie nicht nur ein leeres Wort. Er erzählt von gebrochenen Menschen und sonderbaren Begebenheiten, aber lotet auch die stillen Nuancen des Miteinanders aus.

»Ich bin Torsten Sträter.

Ich wiege bei 1,80 Höhe etwa eine halbe Tonne, weswegen ich nicht damit rechne, Booking-Anfragen für Katalogfotos zu bekommen. Ich komme darüber weg. Wenn ich nicht an meinen Geschichten für Bücher und Lesungen arbeite, sitze ich auf dem rapide durchschimmelnden Holzmobiliar meines Balkons. Ich weiß nicht, was in diese Baumarktleute gefahren ist – man bricht sich sicher keinen Zacken aus der Krone, wenn man Gartenmöbeln aus Holz einen Zettel beilegt: Bitte einölen, imprägnieren oder nur in der Wohnung benutzen! Wer soll das wissen? Bis Ende des Sommers, vermutlich arbeite ich dann grade an einem Essay über Pudding oder sowas, wird im hellen Sonnenlicht das Holz unter mir explodieren und ich werde von einem Stuhlbein gepfählt. Gut, dass ich den Bon noch habe.

Ich bin, wenn ich mich nicht in Gefahr begebe, in der Republik unterwegs und lese vor – bei Poetry Slams, auf Sololesungen, Lesebühnen und bizarren Mixed Shows (Ein Orgelspieler, ein Luftballontier-Clown, eine Frau, die mit Küchengeräten spricht, ich. So in der Art.) Fakt ist: Der Poetry Slam hat mich hervor gebracht … allerdings bin ich, was meine Teilnahme an Slams angeht, so unzuverlässig, dass gemunkelt wird, in meinem Keller stände ein Glücksrad, das folgende Felder aufweist:

- Playstation spielen
- Urologe
- Paniermehl kaufen und Brot klonen
- Liegen
- Caprisonne-Tüten abheften
- Zum Poetry Slam fahren

Das ist natürlich Unfug. "Urologe" ist nicht drauf. "Playstation spielen" dafür zwei Mal. Was noch?

Ich stehe (jugendliche Formulierung) auf Musik von Sinatra, Rammstein und Bach, beneide Menschen, die gut Piano spielen können (und mit "beneide" meine ich "hasse"), kann z. B. über Horst Evers, Fritz Eckenga, Malmsheimer, Onkel Fisch, Helge Schneider und Stromberg lachen, nicht aber über den Psychopathen, der bei uns frühmorgens durch die Siedlung fährt und beschissene Flötenmusik vom Band spielt, damit man ihm Metallschrott bringt. Was denkt der Vogel sich? Dass ich da um sieben aus der Kiste schnelle und ausrufe:

'POTZTAUSEND! Da isser wieder! Da werde ich doch direkt mal eine Heizungsverkleidung abschrauben und sie noch in Unterhose feilbieten! Ich wusste doch gar nicht, wohin damit! Endlich wird dieser Klumpen Blech seiner wahren Bestimmung zugeführt: Unter die Fittiche des kettenrauchenden Schrott-Eumels mit seiner völlig unmelodischen, ja kakophonischen Drecksflöte! Hurra!'

Dafür unterstütze ich den deutschen Buchhandel. Durch massives Einkaufen und Auftritte. Lassen Sie sich gesagt sein: Kleine Buchläden sind schöner. Und besser. Warum? Fragen Sie sich einfach, was Sie lieber tun …

a) über Bücher reden.
b) Rolltreppe fahren.

Der neue Roman über mittelalterliche Reiseprostitution kostet übrigens überall das gleiche. Also kann es kein Fehler sein, dort zu kaufen, wo man Sie wiedererkennt.
Na ja …
Halten Sie die Ohren steif – und wenn Sie das anatomisch nicht geregelt kriegen, blicken Sie einfach nach vorn. Hinter Ihnen ist meistens nix.

Ihr Torsten Sträter«

Rebers, Torsten Sträter

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