SENDETERMIN Do, 12.04.18 | 22:45 Uhr | Das Erste

Nuhr im Ersten

Play"Nuhr im Ersten - Der Satiregipfel", angriffslustiges und scharfzüngiges politisches Kabarett mit Dieter Nuhr (Foto) im Ersten.
Die Sendung vom 12. April 2018 | Video verfügbar bis 12.04.2019 | Bild[1]: rbb / Thomas Ernst

Gäste: Tan Caglar, Torsten Sträter und Lisa Eckhart 

Tan Caglar
Mit seinem Aktivrollstuhl "Hurricane" stellt sich Tan Caglar an, die Comedybühnen des Landes zu entern. Getreu dem Motto "Inklusion ist, wenn ein Rollstuhl in der Gesellschaft dieselbe Akzeptanz erreicht hat wie ein Selfie-Stick", bringt Tan in klassischer Stand-up-Comedy Manier seine Geschichten auf die Bühne. Und die haben es in sich!

Torsten Sträter 
Bei ihm ist Idiotie nicht nur ein leeres Wort. Er erzählt von gebrochenen Menschen und sonderbaren Begebenheiten, aber er lotet auch die stillen Nuancen des Miteinanders aus. Und das alles mit einer angenehmen Stimme.

Lisa Eckhart, eine junge Steirerin, einst aus der Poetry Slam Szene erwachsen, verschafft sich nun in der Kabarettszene Deutschlands und Österreichs mehr Raum. Sie liefert Antworten auf die wichtigen, nie gestellten Fragen des Lebens. Dinge, die Sie nicht zu fragen wagten oder wohl auch niemals wissen wollten. Mit Performance und Texten so gnadenlos wie der Katholizismus und so wortgewandt wie eine Nationalratssitzung. Und gewinnt einen Kabarett-Preis nach dem anderen.

Tan Caglar

Bühne frei für junge und frische Gesichter der deutschen Comedy-Szene! - Tan Caglar
Bühne frei für junge und frische Gesichter der deutschen Comedy-Szene! - Tan Caglar | Bild: rbb / Thomas Ernst

Er nennt sich selbst "das Schweizer Taschenmesser der Minderheiten", denn er ist Rollstuhlfahrer, Deutsch-Türke und Comedian in einer Person.

Humor sei die beste Art, Barrieren zu überwinden, findet er und spielt uneingeschränkt mit allen Klischees. So parkt er zum Beispiel in Lederjacke, mit Dreitagebart und einer "Proletenschleuder" vermeintlich falsch auf dem Behindertenparkplatz und guckt, was passiert. "Man lernt jede Menge Leute kennen", sagt er.

Tan Caglar ist in Hildesheim aufgewachsen und sitzt seit einigen Jahren wegen einer fortschreitenden Rückenmarkserkrankung im Rollstuhl. Er ist begeisterter Sportler und wird der "Ronaldo des Rollstuhlbasketballs" genannt. 2016 macht er einen Ausflug in eine ganz andere Welt: Er rollte über den Laufsteg der Berlin Fashion Week und stahl allen anderen Models die Schau. Inklusion in einer exklusiven Welt.

Doch sein Fokus liegt nun im Comedy-Fach. "Rollt bei mir …!" heißt sein erstes eigenes Programm: Stand-up-Comedy vom Feinsten.

Torsten Sträter

Torsten Sträter
Torsten Sträter | Bild: susannebuhr.de

Bei ihm ist Idiotie nicht nur ein leeres Wort. Er erzählt von gebrochenen Menschen und sonderbaren Begebenheiten, aber er lotet auch die stillen Nuancen des Miteinanders aus. Und das alles mit einer angenehmen Stimme.

»Ich bin Torsten Sträter.

Ich wiege bei 1,80 Höhe etwa eine halbe Tonne, weswegen ich nicht damit rechne, Booking-Anfragen für Katalogfotos zu bekommen. Ich komme darüber weg. Wenn ich nicht an meinen Geschichten für Bücher und Lesungen arbeite, sitze ich auf dem rapide durch schimmelnden Holzmobiliar meines Balkons. Ich weiß nicht, was in diese Baumarktleute gefahren ist – man bricht sich sicher keinen Zacken aus der Krone, wenn man Gartenmöbeln aus Holz einen Zettel beilegt: Bitte einölen, imprägnieren oder nur in der Wohnung benutzen! Wer soll das wissen? Bis Ende des Sommers, vermutlich arbeite ich dann grade an einem Essay über Pudding oder sowas, wird im hellen Sonnenlicht das Holz unter mir explodieren und ich werde von einem Stuhlbein gepfählt. Gut, dass ich den Bon noch habe.

Ich bin, wenn ich mich nicht in Gefahr begebe, in der Republik unterwegs und lese vor – bei Poetry Slams, auf Sololesungen, Lesebühnen und bizarren Mixed Shows (Ein Orgelspieler, ein Luftballontier-Clown, eine Frau, die mit Küchengeräten spricht, ich. So in der Art.) Fakt ist: Der Poetry Slam hat mich hervor gebracht … allerdings bin ich, was meine Teilnahme an Slams angeht, so unzuverlässig, dass gemunkelt wird, in meinem Keller stände ein Glücksrad, das folgende Felder aufweist:

  • Playstation spielen
  • Urologe
  • Paniermehl kaufen und Brot klonen
  • Liegen
  • Caprisonne-Tüten abheften
  • Zum Poetry Slam fahren

Das ist natürlich Unfug. "Urologe" ist nicht drauf. "Playstation spielen" dafür zwei Mal. Was noch?

Ich stehe (jugendliche Formulierung) auf Musik von Sinatra, Rammstein und Bach, beneide Menschen, die gut Piano spielen können (und mit "beneide" meine ich "hasse"), kann z.B. über Horst Evers, Fritz Eckenga, Malmsheimer, Onkel Fisch, Helge Schneider und Stromberg lachen, nicht aber über den Psychopathen, der bei uns frühmorgens durch die Siedlung fährt und beschissene Flötenmusik vom Band spielt, damit man ihm Metallschrott bringt. Was denkt der Vogel sich? Dass ich da um Sieben aus der Kiste schnelle und ausrufe:

"POTZTAUSEND! Da isser wieder! Da werde ich doch direkt mal eine Heizungsverkleidung abschrauben und sie noch in Unterhose feilbieten! Ich wusste doch gar nicht wohin damit! Endlich wird dieser Klumpen Blech seiner wahren Bestimmung zugeführt: Unter die Fittiche des kettenrauchenden Schrott-Eumels mit seiner völlig unmelodischen, ja kakophonischen Drecksflöte! Hurra!"

Dafür unterstütze ich den deutschen Buchhandel. Durch massives Einkaufen und Auftritte. Lassen Sie sich gesagt sein: Kleine Buchläden sind schöner. Und besser. Warum? Fragen Sie sich einfach, was Sie lieber tun …

a) über Bücher reden.
b) Rolltreppe fahren.

Der neue Roman über mittelalterliche Reiseprostitution kostet übrigens überall das gleiche. Also kann es kein Fehler sein, dort zu kaufen, wo man Sie wiedererkennt.
Na ja …
Halten Sie die Ohren steif – und wenn Sie das anatomisch nicht geregelt kriegen, blicken Sie einfach nach vorn. Hinter Ihnen ist meistens nix.

Ihr Torsten Sträter«

Lisa Eckhart

Bühne frei für junge und frische Gesichter der deutschen Comedy-Szene! - Lisa Eckhart
Lisa Eckhart | Bild: rbb / Thomas Ernst

Was Sie sich nie zu fragen trauten und wohl niemals wissen wollten. Dieses Programm liefert die Antworten auf die wichtigen ungestellten Fragen des Lebens: Wer ist eigentlich Hatsche Stratsche Luftballon? Wie gewinnt man einen Zeugen Jehovas zum Freund? Und wieso ist ein Punschkrapfen Symbol der ultimativen Wahrheit? Glaube, Liebe, Politik und andere Taschenspielerstreiche werden liebevoll seziert, bis sich die Tragödie zur Komik steigert. Was bleibt noch zu sagen? Katzen würden Whiskas kaufen und sich im Anschluss dieses Programm ansehen. Weil sie es sich wert sind.

Lisa Eckhart, eine junge Steirerin, kroch aus der verbrannten Erde der deutschen Poetry Slam Szene, um sich in der Kabarettszene Österreichs mehr Raum zu verschaffen. Mit Performance und Texten so gnadenlos wie der Katholizismus und so wortgewandt wie eine Nationalratssitzung. Gebt ihr Stift, Papier und Bühne und niemand wird verletzt. Seit Herbst 2015 ist sie Teil der "Langen Nacht des Kabaretts" und gibt ihr Kabarett-Debüt mit "Als ob Sie etwas Besseres zu tun hätten". Und dazwischen räumt sie einen Kabarettpreis nach dem anderen ab.

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