Gespräch mit Cem-Ali Gültekin

»Mehmet ist für mich eine Art Lebenskünstler«

Cem-Ali Gültekin ist Mehmet Ösker
Cem-Ali Gültekin ist Mehmet Ösker

Während in Schwanitz die Angst vor dem "wilden Sven" umgeht, macht Mehmet sich einen Spaß daraus, in die Rolle des Wikingers zu schlüpfen. War das ein gefundenes Fressen für einen Comedian wie Sie?

Ja, absolut. Dazu muss man wissen, dass die Figur Mehmet Ösker ein verrückter Vogel ist. Im ersten Teil war er ja noch Schrottverkäufer. Aber er wittert seine Chance, etwas Interessanteres zu machen, weil er weiß, dass Touristen in den Ort kommen werden, um auf den Spuren des wilden Sven zu wandeln. Also legt er sich das Wikingerkostüm an und denkt sich eine Führung aus. Dabei erzählt er völlig abstruse Dinge, aber die Touris fressen ihm aus der Hand.

In Mehmets Tour durch den Ort wird jeder Baum und jeder Strauch mit dem Geist in Beziehung gebracht. Wie viel davon haben Sie improvisiert?

Die Geschichten mit den Touristen eigentlich alle. Es gibt natürlich Szenen im Buch wie zum Beispiel die am Anfang, in der Mehmet Faltblätter in den Briefkasten der Tierarztpraxis wirft und Jule Christiansen einlädt, an seiner Tour teilzunehmen. Das sind Dialoge, die im Drehbuch standen, aber alles, was mit der Führung dann selbst zu tun hat, ist komplett improvisiert.

Ihre Rolle hat sich also erst beim Dreh zu dem entwickelt, was sie jetzt ist?

Die Rolle des Wikingers auf jeden Fall. Das war die Idee von Regisseur Jochen Freydank. Er hat mir gleich am ersten Drehtag eine Gruppe zugeordnet und gesagt, das sind deine Leute, die führst du hier rum. Guck einfach mal, was kommt. Vorher haben wir natürlich ein paar Eckpunkte festgelegt und über die Figur des wilden Sven gesprochen. Aber der Rest ergab sich dann quasi von selbst.

Hatten Sie denn schon mal zusammengearbeitet?

Nein, gar nicht. Aber das hat großen Spaß gemacht, weil Jochen Freydank immer genau wusste, wo er hinwollte, dabei aber zugleich offen war für Impulse von außen. Das hat super funktioniert mit uns.

Mehmet ist eine der schillerndsten Figuren im Schwanitzer Mikrokosmos. Wie würden Sie die Figur charakterisieren?

Ursprünglich war gar nicht vorgesehen, dass Mehmet Ösker eine wiederkehrende Figur in diesem kleinen Dorf sein soll. Umso gespannter und erfreuter war ich, als es hieß, dass sie weitergeführt wird. Von der Idee, dass er zum Fremdenführer umgesattelt hat, war ich sofort begeistert. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass er sich im Laufe der Zeit immer wieder neu erfindet. Vielleicht macht er im nächsten Film ja wieder was ganz anderes. Vielleicht ist er dann Versicherungsverkäufer. (lacht). Mehmet ist für mich eine Art Lebenskünstler.

Von seiner Sprache und auch vom Temperament her ist er ein Exot in diesem Dorf. Liegt ihm die Rolle des fremden Wikingers auch deshalb so sehr? Ist das offensiv gelebtes Außenseitertum?

Ich glaube nicht, dass Mehmet sich bewusst als Exot wahrnimmt. Für ihn stellt sich diese Frage gar nicht. Er ist einfach in Schwanitz gelandet und lebt da so, wie er ist. Er nimmt gar nicht wahr, dass die anderen ihn vielleicht belächeln oder denken: Das ist ja ein verrückter Kerl. Er trifft auf die Menschen dort und fühlt sich natürlich als ein Teil von ihnen. Der macht einfach sein Ding und er lebt im Augenblick.

Wie gefällt Ihnen die Reihe, deren Teil Sie nun geworden sind?

Ich war total glücklich, als ich die fertigen Filme gesehen habe, weil das absolut mein Humor ist. Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen und sehe mich selbst als Hanseat. Ich mag das Norddeutsche, diese trockene, wortkarge Art. Und dass die Filme bei aller Ernsthaftigkeit, die ja auch in ihnen steckt, so einen Humor haben, gefällt mir wahnsinnig gut.

Was ist Ihnen von Ihrer Rolle als wilder Sven noch im Kopf geblieben?

Das Kostüm natürlich! Ich laufe ja die ganze Zeit in diesem Fell und der Haube herum. Schon bei der Anprobe dachte ich: Ist das ein geiles Kostüm! Es passte übrigens gleich wie angegossen. (lacht) Nur die langen Haare und den Bart habe ich natürlich extra für die Rolle gezüchtet.