Im Gespräch mit Regina Ziegler und Klaus Graf

Produzenten des Films "Der Mann mit dem Fagott"

Der Mann mit dem Fagott
Der Mann mit dem Fagott

Wie entstand die Idee das Buch zu verfilmen und wer musste wen überzeugen?

Regina Ziegler: Man liest das Buch und denkt schon beim Lesen: Kann man sich das als Film vorstellen? Die Lebensgeschichte eines populären Entertainers? Wollen die Menschen Udo Jürgens sehen? Wollen sie Udo Jürgens auch sehen, wenn er nicht singt? Oder ist das wie bei Boxerfilmen, die jeden Boxfan vergraulen, weil nicht richtig geboxt wird? Und dann ist das ja eine sehr lange Geschichte, die im späten 19. Jahrhundert beginnt. Man fragt sich: Wer wird sich für Geschichte interessieren? Hans-Wolfgang Jurgan von der ARD Degeto hat rasch ja gesagt. Und auch die Fernsehförderungen NRW und FFF haben mitgespielt. Und Klaus Graf, mein österreichischer Produzentenkollege, wollte sich dieses wunderbare Projekt nicht entgehen lassen. Sonst geht ein solcher Stoff überhaupt nicht.

Ist dies Ihre erste gemeinsame Produktion mit einer deutschen Produktionsfirma und wie sind Ihre Erfahrungen?

Klaus Graf: Wir haben bereits mit zwei anderen deutschen Produktionsfirmen erfolgreich zusammengearbeitet, aber dieses Projekt übertrifft alle anderen bei Weitem. Regina Ziegler hat eine offene und professionelle Zusammenarbeit angeboten, die wir gerne aufgenommen haben. Für einen österreichischen Produzenten ist ein 30-Prozent-Anteil einer teuren Produktion sehr viel und ohne das Vertrauen des ORF und aller lokalen Förderer auch nicht realisierbar. Für mich persönlich war die Zusammenarbeit mit Regina Ziegler etwas ganz Besonderes, die ich nicht mehr missen möchte. Ich sehe die internationale Koproduktion als eine Chance für die Zukunft, besonders bei aufwendigen Filmen.

Wie lang war der Vorlauf von der Idee bis zur ersten Klappe? Wo lagen die Schwierigkeiten in der Umsetzung?

Regina Ziegler: Man muss in einem solchen Fall ja erst einmal das Vertrauen seines "Helden" gewinnen. Und wenn der ein Profi ist wie Udo Jürgens, dann reicht dazu nicht das berühmte eine Gespräch, bei dem man sich in die Augen schaut. Da will einer mehr wissen als üblich. Und auch das tut der Sache gut. – Die Probleme liegen auf der Hand: Eine Geschichte über mehr als hundert Jahre – das braucht eine hohe Kompetenz für den Bau, die richtigen Locations, das jeweilige Zeitgefühl. Und wenn eine Lebensgeschichte erzählt wird, reicht dafür nicht ein einziger Schauspieler. Und wenn es den Helden real gibt, dann stellt sich die Frage: Besetzt man ihn "optisch" korrekt oder achtet man nur darauf, dass einer ein großer Schauspieler ist, oder lässt sich am Ende beides verbinden. Und wenn der Held Musik macht, dann sind die Musikrechte ein Thema der besonderen Art. Kurz: Es war keiner der üblichen Fälle. Sondern in jeder Hinsicht etwas Besonderes.

Wie wichtig war es Ihnen, an authentischen Schauplätzen in Österreich zu filmen?

Klaus Graf: Wir hatten besonderes Glück, dass wir am Originalschauplatz im Schloß Ottmanach, wo Familie Bockelmann gelebt hat, drehen durften. Es ist im Privatbesitz einer englischen Familie, die dieses bauliche Juwel mit großer Sorgfalt erhalten hat. Für Udo und Manfred war es ein einmaliges Erlebnis genau dort zu drehen, wo sie gemeinsam mit ihrem bereits verstorbenen Bruder Joe und den Eltern aufgewachsen sind.

Was reizt einen Produzenten, tatsächlich gelebtes Leben zu verfilmen?

Regina Ziegler: Er darf fantasieren und hat zugleich einen festen Halt. Er hat für die Geschichte eine Blaupause, bei der niemand sagen kann: Wer hat sich das denn ausgedacht! Realität ist das Größte, was das Fernsehen zeigen kann – auch im Spiel. Da hat das Publikum am meisten Gelegenheit zu vergleichen. Das, was es sieht und das, was es kennt. Und dann kommt noch etwas dazu: Es gibt beim 'Mann mit dem Fagott' von Anfang an den Mann am Klavier. Man muss bedenken: Udo Jürgens steht seit fast einem halben Jahrhundert auf der Bühne. Seine Musik kennen fast zwei Generationen. Und so hat dieser Zweiteiler eine eigene, besondere Tonspur, die mehr ist als Filmmusik. Auch wenn es davon reichlich gibt, und zwar vom Komponisten selbst.

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