Regisseur Jochen Alexander Freydank im Interview

Jochen Alexander Freydank
"Gerade in Zeiten, in denen Europa auseinanderdriftet, war es schön, ein einer Region zu drehen, wo man immer weniger merkt, auf welcher Seite dre Grenze man ist."

Sie haben den dritten "Usedom-Krimi" inszeniert. Worin lag für Sie der Reiz dieser Aufgabe?

Eine besondere Stärke der Usedom-Krimis ist für mich die Verbindung zwischen Krimi und einer sehr emotionalen, intensiven Familiengeschichte. Diese Kombination finde ich interessant. Da ich die Gegend, in der die Filme spielen, gut kenne und sehr mag, gefällt mir natürlich auch die regionale Verortung der Geschichten. Es ist toll, dass die Nähe zu Polen in dieser Reihe so konsequent erzählt wird. Gerade in Zeiten, in denen Europa auseinanderdriftet, war es schön, in einer Region zu drehen, wo man immer weniger merkt, auf welcher Seite der Grenze man ist. Es war eine spannende Erfahrung, in beiden Ländern zu drehen. Auch dass die Polen hier keine Klischeefiguren bleiben, sondern eine handlungstragende Rolle spielen, zeichnet diese Filme aus.

Ex-Staatsanwältin Lossow gerät hier erneut unter Mordverdacht. Wie ist die Zusammenarbeit mit Katrin Sass?

Ich kenne Katrin schon ein bisschen und war auch schon recht früh in die Reihe involviert, schon um den ersten Film herum. Mit Katrin Sass kann man toll arbeiten, weil sie sehr, sehr präzise ist. Wir haben einen guten Draht zueinander. Gerade bei so intensiven Szenen kann sie zeigen, was sie kann, und sie kann ungeheuer viel. Die Arbeit mit ihr war, neben den anderen guten Schauspielern, für mich sicherlich auch ein Highlight an diesem Film. Mit Schauspielern wie Lisa Maria Potthoff, Max Hopp und Katrin Sass zu arbeiten, die nicht nur Drama können, sondern auch mal so ein Augenzwinkern mit reinbringen, ist ein großes Glück.

Wie haben Sie die polnischen Darsteller ausgewählt?

Es gab ein Casting in Polen, das eine polnische Casterin durchgeführt hat. Ich finde es gut und wichtig, dass die polnischen Figuren in dieser Reihe auch wirklich von Polen gespielt werden, das gefällt mir wirklich sehr. Ich finde, wir haben mit allen polnischen Darstellern einen guten Griff getan.

Wir sehen im Film gelegentlich einen streunenden Wolf. Wofür steht er?

Ich mag es sehr, wenn man auch über Bilder erzählt; ein Film besteht ja nicht nur aus Dialog. Das ist eine wichtige Ebene, auf die ich auch bei meinen Fernsehfilmen immer Wert lege. Das Motiv habe ich aus dem Buch aufgegriffen und es ein bisschen weiterentwickelt. Am Schluss, wenn der Täter gefangen wird, fängt auch der Wolf endlich seinen Hasen. Diese Einstellung so hinzukriegen, war einigermaßen kompliziert. Der Wolf kann für die Region stehen; ab und zu verirrt sich tatsächlich mal ein Wolf in diese Gegend. Aber auch die Figur der Karin Lossow hat ja etwas von einem einsamen Wolf. Vielleicht kamen die Autoren auch aus diesem Grund auf die Idee.

Ist der Wolf denn echt?

Er ist insofern echt, als er nicht aus dem Computer kommt, sondern wir mit einem echten Tier und einem Tiertrainer gearbeitet haben. Aber dieses Tier war, soweit ich weiß, nur zu drei Vierteln ein Wolf und zu einem Viertel ein Hund.

Welche speziellen Herausforderungen hielten die Dreharbeiten für Sie bereit?

Mitten in einer Urlaubsregion zu drehen ist grundsätzlich nicht ohne. Wir hatten sogar ein paar Motive, die sozusagen an den Hot Spots auf Usedom waren. Da hieß es von Produktionsseite immer: "Jochen, da kann man eigentlich nicht drehen." Aber wir haben es trotz des Trubels gemacht. In dem Café auf der Seebrücke zum Beispiel oder rund um die Apotheke, die man im Film sieht. Ich fand das wichtig, weil es wirklich auch den Ort erzählt. Dass alles gutgegangen ist, lag sicher auch daran, dass mein Kameramann und ich ganz gute Nerven haben. (lacht) Eine weitere Herausforderung war, trotz des guten Wetters nicht in Sommer, Sonne, Sonnenschein abzugleiten, sondern einen Look zu finden, der der Reihe und dem ernsten Thema der Folge entspricht. Der erste Film hatte eine ganz eigene Ästhetik, weil er erst später im Jahr entstanden ist; davon wollte ich mich nicht zu weit entfernen.

(Interview: Birgit Schmitz)

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