Schauspielerin Emma Bading im Interview

Sophie Thiel

SCHANDFLECK - DER USEDOM-KRIMI: Tochter Sophie (Emma Bading)
"Sophie spricht die Probleme an, das bewundere ich an ihr."

Sophie Thiel ist Teil des zentralen Figurendreiecks der "Usedom- Krimis". Was gefällt Ihnen an der Rolle?

Ich finde dieses Dreieck super. Das sind drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen, und alle haben ihre Macken und Ticks, aber das Krasse ist, dass sie alle drei starke Persönlichkeiten sind. Meine Filmmama und meine Filmoma konkurrieren ja ein bisschen miteinander, und das Gleiche findet auch zwischen Sophie und Julia statt. Natürlich sagt man immer, ich bin ganz anders als meine Mutter, aber dann ist man doch genauso, und das hasst man dann an sich. Aber das ist es ja, was Familie heißt und einen selbst stark macht und mit den anderen verbindet. Sophie ist zwar nicht mit mir identisch, aber sie hat schon viele Züge von mir selbst. Wenn ich mir die fertigen Filme ansehe, ist es für mich immer wieder spannend zu sehen, wie anders ich da noch war. Ich sehe auch meine eigene Entwicklung; das ist fast wie ein Tagebuch.

Wie erleben Sie die Arbeit mit Lisa Maria Potthoff und Katrin Sass?

Es macht wirklich Spaß mit denen. Das ist, wie eine zweite Familie zu haben, was ich sehr schön finde. Allerdings besteht Katrin Sass darauf, dass ich sie niemals Oma nennen darf; das kann sie überhaupt nicht leiden. (lacht) Katrin Sass hat beim Drehen eine große Lockerheit, da kann ich mir was von abgucken. Sie sagt immer, ich soll mir nicht so einen Kopf machen. Das ist einfach schön, weil das den Druck rausnimmt. Das Lustige mit Lisa Maria Potthoff ist, dass wir im Film häufig sehr biestig miteinander sind. Mit Ausnahmen natürlich, wie jetzt in der Szene am Feuerkorb draußen. Aber sonst meckern wir uns in den Filmen die ganze Zeit an, dabei finde ich die in Wirklichkeit so nett.

Sophie wächst in einer Familie auf, durch die ein großer Riss geht. Inwiefern prägt sie diese Situation? Wie würden Sie Sophie charakterisieren?

In Sophies Familie wird mehr geschwiegen, als ich das kenne. Da gibt es viele Tabuthemen. In so einer Situation gibt es zwei Möglichkeiten, sich zu entscheiden. Entweder du übernimmst das Schweigen und machst mit, oder du brichst es auf, auch wenn es vielleicht wehtut. Sophie spricht die Probleme an, das bewundere ich an ihr. Sie hat keine Lust, irgendwas unter den Teppich zu kehren. Sie ist ein sehr freiheitsliebender Mensch, sie will raus in die Welt, sie will ausbrechen. Darin unterscheidet sie sich von mir. Ich fühle mich zu Hause sehr wohl und bleibe gern noch eine Weile hier. (lacht) Sophie wird schneller erwachsen, gerade weil es diese ganzen Probleme in ihrer Familie gibt.

Sie entwickelt ein enges Verhältnis zu ihrer Großmutter. Was mag sie an ihr?

Gerade in der Pubertät merkt man ja die Familienmacken, die sich an einen selbst vererben, und da gibt es ganz schön viel Reibung. Gerade in so einer Zeit kann man die Großmutter irgendwie mehr oder leichter liebhaben. Zur ihr hat man ja einen größeren Abstand als zur Mutter; da fehlt der Konkurrenzaspekt, allein schon, weil sie älter ist. Und die Großmutter lässt der Enkelin natürlich auch alle möglichen Freiräume, das genießt Sophie sehr.

Karin Lossow hat Sophie Briefe aus der Haft geschrieben. Was bedeuten ihr diese Briefe?

Einerseits weiß Sophie, dass die Mutter ihr diese Briefe nie gegeben hat. Sophie hat nicht verstanden, warum Julia das gemacht hat, und sie empfindet es als ziemlich großen Vertrauensbruch. Sie leidet natürlich darunter, dass es zwischen ihrer Mutter und ihrer Großmutter so eine große Kluft gibt, und die Briefe erinnern sie schmerzlich daran. Dazu kommt, dass sie sie ja nie beantworten konnte. Im Grunde sind diese Briefe für sie wie eine Kindheit mit Oma, nur ohne das Selbstgemachte-Marmelade-Kochen.

Als Karin Lossow erneut unter Mordverdacht gerät, steht Sophie da klar auf ihrer Seite? Oder kommen ihr doch Zweifel?

Selbst wenn sie tief in sich drinnen einen Zweifel hätte, wollte sie den gar nicht wahrhaben. Sie wehrt sich dagegen zu glauben, dass ihre Großmutter das getan haben könnte, weil sie ihre Oma dann ja schon wieder weggenommen kriegen würde. Sie klammert sich an die Hoffnung, dass es nicht so ist, wie es zunächst scheint. Verzeihen ist hier ein wichtiges Thema. Julia kann ihrer Mutter nicht verzeihen und die wiederum der Geliebten ihres Mannes nicht.

Inwiefern nimmt Sophie eine andere Perspektive ein?

Sophie versucht automatisch, ein Gegenpol dazu zu sein. Ihr bleibt quasi gar nichts anderes übrig, weil sie sonst das Gefühl hat, die Familie geht unter wie ein Boot. Damit sie aber nicht absäuft, muss irgendjemand eine andere Haltung einnehmen, muss sich jemand dagegenstemmen, und diese Rolle übernimmt Sophie. Sie versucht, wieder eine Art von Vertrauen herzustellen.

Welches Verhältnis hat Sophie zu ihrem Vater?

Der ist ihr Lieblingspapa, und da reicht niemand ran. Natürlich findet Sophie den auch manchmal anstrengend, aber sie hat weniger Probleme mit ihm, weil er ruhiger ist und sie gehen lassen kann. Da braucht sie sich nicht so stark abzugrenzen und freizustrampeln.

Sophie kommt hier mit einem Fall von Julia in Berührung und trägt zu seiner Aufklärung bei. Ist sie ihrer Mutter näher, als sie glaubt?

Auf jeden Fall! Sophie bewahrt in dieser Situation voll den kühlen Kopf. Obwohl sie natürlich traurig ist, weil sie nicht weiß, was mit ihrer Freundin Jadwiga ist und wo sie abgeblieben ist. Sie bleibt ausgesprochen kühl und ist auch ein bisschen auf so einer Ermittlerspur. Da ist sie Julia schon ähnlich.

(Interview: Birgit Schmitz)

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