Interview mit Katja Riemann

»Darum habe ich das Gesicht beschützt.«

Katja Riemann
Katja Riemann

Steuerfragen gelten nicht unbedingt als besonders aufregend. Ist der Job von Karola Kahane da eine Ausnahme?

Keine Ahnung. Wir haben natürlich alle "Inside Steuerfahndung" gelesen, da ist es auch ziemlich aufregend. Und wir drehen ja einen Film, wir müssen das spannender machen und Grenzen übertreten, die Steuerfahnder eigentlich nicht übertreten. Denn wenn die Zuschauer bei Aktenkleinklein zuschauen, kann das unter Umständen zum Umschalten führen.

Wie haben Sie sich auf die Filmfigur vorbereitet?

Ich habe gelesen, viel mit meinem Regisseur Züli Aladag gesprochen, den verschiedenen Departments, den Kollegen, am Buch gearbeitet, eine Figur versucht, komplex zu entwickeln, über Sprache und Körpersprache nachgedacht, über innere und äußere Haltung, Beziehung zu den Bezugspersonen, über ihre Biografie und so weiter.

Dunkle Perücke, große Brille – für die Rolle der Karola Kahane ändern Sie Ihr Aussehen radikal. Weshalb?

Ich habe letzten Sommer überlegt, wie die äußere Hülle der Figur aussieht, um den inneren Zustand zu transportieren oder auch zu konterkarieren. Einer Frau, über die ständig gesagt wird, dass ihr all der Gegenwind, den sie erfährt, nichts ausmacht, dass sie tough, stark, eigenwillig und unabhängig ist, dass ihr Anfeindungen am Arsch vorbei gehen – der macht das eben doch was aus. Keiner kann sein Gesicht so hinhalten. Darum habe ich das Gesicht beschützt, mit Haaren, Pony, Brille ... voilà.

Sie haben schon Frauen in ganz unterschiedlichen Berufen dargestellt. Was war das Besondere an dieser unsichtbaren Dienerin des Staates?

Ich finde alle meine Figuren besonders, sonst würde ich sie, glaube ich, nicht spielen wollen. Aber ich kann aus ganzem Herzen sagen, dass es eine wirklich schöne Arbeit war, in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Züli Aladag, vom ersten Tag der Vorbereitungen an, der schauspielerische Vorschläge umarmt und weiterträgt. Mit Bussow von Müller, dem dop (Director of Photography), der visuell und inhaltlich nah an meiner Figur und mir war, mit den Departments Kostüm und Ausstattung, die erstaunlicher Weise eine ähnliche Idee hatten wie ich, mit dem ganzen bezaubernden Ensemble, mit dem es viel Freude gemacht hat zu spielen.

Ist es aus Ihrer Sicht wichtig, solch sperrige Themen wie Steuerhinterziehung im Fernsehfilm aufzugreifen?

Es kommt ja immer drauf an, wie man die Sperrigkeit überträgt. Ich glaube, uns ist das einigermaßen gelungen. Also, ich hoffe es zumindest.

Glauben Sie, dass Prominente bei der Strafverfolgung in Steuerfragen einen Bonus haben?

Nee, im Gegenteil. In Berlin werden immer die Künstler von der Steuer geprüft, weil die so bekannt sind und in den Gazetten stehen. Dabei sind diejenigen mit dem Bankkonto die Männer in den Anzügen in irgendwelchen Firmen. Die sind unbekannt und steinreich – die haben Beziehungen und machen die Deals hinten rum. Das hört sich schrecklich laienhaft an, ist aber leider die Wahrheit.