Drei Fragen an Ralf Kinder

Drehbuch

Olaf Ruhleben (Torsten Michaelis), der ehemalige Führungsoffizier der Füchsin, und Xuân Lan (Bolor Gansuh) beobachten mit modernen Kommunikationsmitteln die ehemalige Agentin.
Olaf Ruhleben, der ehemalige Führungsoffizier der Füchsin, und Xuân Lan beobachten mit modernen Kommunikationsmitteln die ehemalige Agentin.

Worauf lag Ihr besonderes Augenmerk beim Schreiben des zweiten Drehbuchs für "Die Füchsin"?

Die Füchsin sollte für mich im zweiten Teil politischer werden. Politisch in dem Sinne, dass der Kriminalfall, in den sie verstrickt wird, von der Macht des großen Geldes erzählt und von der Ohnmacht der Menschen, die den Renditen und Dividenden im Weg stehen. Die Heldin der Reihe hat einmal für Menschlichkeit, für Gerechtigkeit gekämpft und für eine Gesellschaft, die versprochen hatte, beides zu verwirklichen. Und das Versprechen brach. Auch wenn Anne Fuchs diese Enttäuschung bis heute nicht verwinden kann – ihre Seite ist die der Machtlosen, die sich gegen die Mächtigen zur Wehr setzen. Ich wollte deshalb einen Kriminalfall entwickeln, der originär nur mit der "Füchsin" geht: wegen ihrer Biographie, ihres Traumas, ihrer Freunde und Feinde. Ich möchte Anne Fuchs mehr von der Privatdetektivin wegholen. Eine Agentin, die keinen Staat mehr hinter sich hat, was bitter ist. Und auch irgendwie absurd. Bitter, traurig, absurd und komisch. Dies als Stimmung der Reihe zu erreichen, ist mein Ziel.

Was hat Sie dazu inspiriert, den aktuellen Fall im Braunkohle- Tagebau anzusiedeln?

Die Braunkohle ist nur ein Symbol. Jedoch ein starkes und eindrückliches. Eins, das sehr sinnlich davon erzählt, wie eine "fremde Macht" mit schwerem Gerät kommt und wegbaggert, was einmal wichtig war. Heimat, Vergangenheit, das Gewohnte, Vertraute. Alles muss weg, im Namen der Vernunft, des Gewinnstrebens, der Weiterentwicklung, wohin auch immer. Das hat mich gereizt: dieser Zusammenhang zwischen einem DDR-Gefühl und der sehr plastischen Übersetzung in das Bild des Wegbaggerns, das eben auch Menschen in der nun westdeutschen Heimat der Heldin betrifft.

Obwohl sich Anne Marie Fuchs und ihr ehemaliger Führungsoffizier Ruhleben freundschaftlich zugetan scheinen, vermutet sie ja doch, dass er mehr über das Verschwinden ihres Kindes weiß. Ist Ruhleben jetzt Freund oder Feind der "Füchsin"?

Genau diese Frage bemüht sich das Buch aufzureißen und offenzuhalten. Ruhleben ist Anne freundlich gesinnt, warum, werden wir in den nächsten Teilen erfahren. Aber es gibt auch Grenzüberschreitungen seitens Anne, die er nicht akzeptiert. Die er sanktioniert, bestraft. Wahrscheinlich könnte Anne Fuchs Ruhleben mehr vertrauen, als sie es tut. Aber anderen Menschen nicht zu vertrauen – darin bestanden die Haupt-Lektionen ihres Lebens.