Die Kunduz-Affäre: eine Chronologie

2009

3. September
Zwei beladene zivile Tanklaster werden etwa sieben Kilometer (Luftlinie) vom Bundeswehr-Camp bei Kunduz entfernt durch Taliban entführt und bleiben in einem Flussbett stecken. Anwohner aus den umliegenden Dörfern beginnen, aus den havarierten Tankwagen Benzin abzuzapfen.

4. September
Zwei von Bundeswehroberst Georg Klein angeforderte US-amerikanischen NATOFlugzeuge bombardieren die Tanklaster. Das Verteidigungsministerium geht von "mehr als 50 getöteten Aufständischen" aus. Afghanischen Angaben zufolge befinden sich jedoch viele zivile Personen unter den Opfern.

28. Oktober
Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird im Bundestag als neuer Verteidigungsminister vereidigt. Am selben Tag trifft der Untersuchungsbericht der NATO im Ministerium ein.

29. Oktober
Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan sagt, nach unterschiedlichen Quellen seien bei dem Anschlag bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden, möglicherweise auch Zivilisten.

5. November
Nach Auffassung hochrangiger NATO-Offiziere hätte Bundeswehr-Oberst Georg Klein die Bombardierung der Tanklaster nicht anordnen dürfen.

6. November
Guttenberg nennt den Angriff "militärisch angemessen".

26. November
Nach Presseberichten läuft ein Feldjäger-Report vom 14. September der offiziellen Darstellung in einigen Punkten zuwider und spricht auch von zivilen Opfern.

Guttenberg entlässt Generalinspekteur Schneiderhan und Verteidigungsstaatssekretär Peter Wichert. Begründung: Er selbst habe den Feldjäger-Bericht erstmals am Vortag zu Gesicht bekommen.

27. November
Guttenbergs Amtsvorgänger Franz Josef Jung übernimmt die Verantwortung für die interne Informationspolitik und erklärt seinen Rücktritt als Arbeitsminister.

2. Dezember
Zur Aufklärung der Kunduz-Affäre beschließt der Verteidigungsausschuss des Bundestages seine Umwandlung in einen Untersuchungsausschuss. Er konstituiert sich am 16. Dezember.

3. Dezember
Guttenberg korrigiert seine Bewertung des Luftangriffs. Im Bundestag nennt er den Angriff jetzt "militärisch nicht angemessen". Neue Dokumente hätten ihn zur Korrektur seiner Meinung veranlasst.

10. Dezember
Laut Presseberichten war an den Entscheidungen zum Luftangriff auch die Bundeswehr- Elite-Einheit KSK beteiligt, als Teil einer geheimen Spezialtruppe "Taskforce 47".

2010

21. Januar
Der Kunduz-Untersuchungsausschuss nimmt seine Arbeit auf.

10. Februar
Als erster Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss verteidigt Oberst Klein seine Entscheidung als "rechtmäßig".

18. März
Im Kunduz-Untersuchungsausschuss weisen Schneiderhan und Wichert den Vorwurf zurück, Unterlagen seien unterschlagen worden.

19. März
Die Bundesanwaltschaft leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Oberst Klein und seinen Flugleitoffizier wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Völkerrecht ein.

19. April
Die Ermittlungen gegen Klein und den zuständigen Offizier werden eingestellt. Zum Zeitpunkt des Luftangriffs hatten die beiden laut Bundesanwaltschaft keine Hinweise auf die Anwesenheit von Zivilisten bei den Tanklastwagen.

10. August
Das Verteidigungsministerium teilt mit, die Bundeswehr stelle den Familien der Opfer des Luftangriffs bei Kunduz insgesamt 324.000 Euro als "freiwillige Hilfsleistung" bereit.

19. August
Die Bundeswehr stellt die disziplinarischen Vorermittlungen gegen Klein ein. Es hätten sich keine Anhaltspunkte für ein Dienstvergehen ergeben.

2011

17. Oktober
Der parlamentarische Untersuchungsausschuss legt seinen Schlussbericht vor. Er bescheinigt Oberst Klein mehrheitlich, dass er "nach bestem Wissen und Gewissen" gehandelt habe und dass er "aus seiner damaligen Sicht … [alles]… Erforderliche unternommen" habe, um eine Schädigung Unbeteiligter zu vermeiden. SPD, Grüne und Linke legen jeweils Sondervoten zur Bewertung des gesamten Vorgangs vor.

2013

3. April
Georg Klein wird vom Oberst zum Brigadegeneral der Bundeswehr befördert.

17. April
Im Bonner Zivilverfahren über die Schadensersatzklagen von afghanischen Zivilopfern fordert das Gericht von der Bundesregierung genaue Informationen über den Hergang des Luftangriffes. Der Prozess soll nach Auswertung der Dokumente voraussichtlich im August 2013 fortgesetzt werden.

Chronik erstellt von Dr. Sunna Altnöder

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