Filmdebüt beim Norddeutschen Rundfunk (NDR)

»Wir machen nicht viel, aber wir beim NDR schreiben deshalb Debüt nicht kleiner, als bei anderen. So gehen wir pro Jahr in der Regel einen Film an, suchen und finden hierfür immer wieder außergewöhnliche Stoffe und eigenwillige Geschichten. Die haben eigentlich auch immer etwas mit der Region, ihren Menschen, dem Zeitgeist und mit dem zu tun, was um uns herum geschieht. Debüt heißt zwar in erster Linie, den Regisseuren zu ihrem ersten oder zweiten Film zu verhelfen, aber wir begleiten auch engagierte Jungautoren und unterstützen innovative Jungproduzenten, deren Projekte vorwiegend gemeinsam mit den regionalen Förderungen entstehen.

Das Resultat der letzten Jahre: 'Der Architekt' von Ina Weisse, 'Underdogs' von Jan Hindrik Drevs, 'Chiko' von Özgür Yildirim. Und auch Bartosz Werner mit 'Unkraut im Paradies' und Andi Rogenhagen mit „Ein Tick anders“ zählen zum jüngsten NDR-Nachwuchs.

Blickt man dagegen in die weitere Vergangenheit, so war die Förderung von Debütregisseuren im Norddeutschen Rundfunk schon immer eine durchgehende Größe mit Tradition, egal wann, in welcher Form und auf welchem Platz. So debütierten unter redaktioneller NDR-Betreuung in den 70ern und 80ern Regisseure wie Dieter Wedel, Doris Dörrie und Wolfgang Petersen in der ARD. Daneben fanden Debüts in Reihen mit wechselnden Schwerpunkten ihren Platz im Dritten Programm wie die Abschlussarbeiten der Hochschulen Hamburg, Berlin, München mit deren Regisseuren Michael Bertl, Claus Michael Rohne, Martin Weinhart und Thomas Freudner.
Aber auch polarisierende Debütanten mit eigenwilligen Themen und experimentellen Filmtechniken wie Lothar Lambert, Dagmar Beiersdorf und Monika Treut fanden bei den NDR-Redakteuren das Engagement und die Vision, ihre Ideen realisieren zu können.

In den 90ern gab es im NDR einen grundsätzlich neuen Impuls für das Debüt. Neben traditionellen Engagements im Kinobereich wie 'Im Kreise der Lieben' von Hermine Huntgeburth, 'Schattenboxer' von Lars Becker und 'Absolute Giganten' von Sebastian Schipper, produzierte die Redaktion mit begabten Jungregisseuren deren Debüts im Rahmen eines regulären ARD-Etats und für den Fernsehfilm-Hauptsendeplatz. Das Ziel war, den Regisseuren unter normal üblichen Rahmenbedingungen und unter Einbettung in erfahrene Strukturen und Produktionsteams die Möglichkeit zu geben, sich auf die Regiearbeit konzentrieren zu können. So kamen die Erstlinge von Angelina Maccarone, Manfred Stelzer, Zoltan Spirandelli, Geraldine Creed oder Mika Kaurismäki zustande.

Bis heute ist es parallel zu den Filmen in der Reihe immer noch das Ziel des NDR, die Arbeit der Debütanten auch auf unseren Regelplätzen fortzuführen. Zuletzt entstand dabei Sathyan Rameshs aktueller Fernsehfilm 'Letzter Moment'; Er debütierte 2003 mit 'Schöne Frauen'.«

Sabine Holtgreve und Daniela Mussgiller

Daniela Mussgiller
Norddeutscher Rundfunk
Hugh-Greene-Weg 1
22529 Hamburg