Gespräch mit Kathrin Sass über ihre Rolle der Christine Unger

Kathrin Sass in ihrer Rolle als Christine Unger
Kathrin Sass in ihrer Rolle als Christine Unger | Bild: NDR / Daniela Incoronato 

Sie spielen eine Großmutter, die unbedingt verhindern will, dass ihre Enkeltochter in einer muslimischen Pflegefamilie aufwächst. Warum will sie diesen letzten Wunsch ihrer Tochter nicht erfüllen?

Ich finde, dass sie eigentlich ganz normal reagiert. Ihre Enkelin soll bei den Nachbarn leben statt bei ihr, dazu stammen die Pflegeeltern aus einer fremden Kultur. Das zu begreifen, ist für die Großmutter unglaublich hart. Sie fragt sich: Was soll das Mädchen da? Soll sie kein christliches Kreuz tragen dürfen, sondern Koranverse herunterbeten, die sie nicht versteht? Sie handelt instinktiv, wie eine Wölfin. Du gehörst zu mir, sagt sie zur kleinen Pia. Du bist mein Blut. Du kannst nicht von Katzen großgezogen werden. Ich habe mich beim Drehen oft gefragt: Wie hätte ich mich in ihrer Situation verhalten? Vermutlich genauso. So denkt jeder, überall auf der Welt.

Warum begegnet sie der muslimischen Familie so feindselig?

Als ich das Buch las, dachte ich erst: Diese Frau ist böse, und sie steht politisch weit rechts, wie gruselig! Aber dann wurde mir klar: Sie ist kein fremdenfeindlicher Mensch. Und wäre sie eine Rassistin, würde sie nicht irgendwann umschwenken und sich im Gespräch öffnen. Sie spricht berechtigte Ängste an, die sie mit vielen Leuten teilt, und sie äußert Vorbehalte, die nicht aus der Luft gegriffen sind. Die beiden Familien stehen ja für völlig verschiedene Lebensweisen. Zum Beispiel hat die Großmutter im Verhältnis zu ihrem Ehemann die Hosen an, was selbst in unserer westlichen Gesellschaft noch immer ungewöhnlich ist. Sie hat zu Hause das Sagen. Er steht still am Rande und denkt darüber nach, ob es richtig ist, was seine Frau alles unternimmt, um ihr Enkelkind zu sich zu holen.

Ist sie eine Wutbürgerin?

Wir sind ein Land der Meckerer. Alles und jeder wird sofort niedergeschrien, ohne zu wissen, wie die anderen wirklich denken. Da wird in Berlin nicht schnell genug eine Regierung gebildet, schon gehen alle unter die Decke. Und die Debatten um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, grenzen inzwischen an Hysterie. Dagegen setzt der Film auf seine ruhige Art ein Zeichen der Verständigung. Am Ende feiern Moslems und Christen zusammen Pias Geburtstag. Wir wollen die Zuschauer nicht mit dem Zeigefinger erziehen. Weil sich die Fronten verhärten, ist ein solches friedliches Fest im Moment vielleicht schwer vorstellbar. Aber es ist möglich, und es wäre großartig.

6 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.