"Wie steht es um die Bereitschaft zur Integration?"

Statement von Daniela Mussgiller, Redaktion

Daniela Mussgiller
Daniela Mussgiller | Bild: NDR / Daniela Incoronato 

"Der Islam gehört zu Deutschland" war am 3. Oktober 2010 ein viel diskutierter Satz in der Rede des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff zum Tag der Deutschen Einheit – und einer, der vielleicht mit zu Wulffs Sturz beigetragen hat. Angesichts von rund fünf Millionen Bürgern muslimischen Glaubens in Deutschland ist seine Feststellung eigentlich eine Binsenweisheit, aber eine, die nach wie vor für viel Erregung sorgt – auch vor dem Hintergrund von islamistischem Fundamentalismus und furchtbaren Terroranschlägen. Integration, laut Duden ein Vorgang, bei dem jemand bewusst dafür sorgt, dass jemand Teil einer Gruppe wird, ist bisweilen ein mühsames Geschäft auf beiden Seiten.

"Das deutsche Kind" wird vielleicht auch vor diesem Hintergrund polarisieren. Autor Paul Salisbury und Regisseur Umut Dag greifen in ihrem Film die alttestamentarische Geschichte des jüdischen Königs Salomon auf, der über den Anspruch zweier Mütter auf ein und dasselbe Kind zu entscheiden hatte. Doch wird die Frage von Salisbury und Dag variiert – hier stehen sich zwei Familien mit unterschiedlichen Religionsbekenntnissen gegenüber, die Entscheidung betrifft den kulturellen Hintergrund, Heimat und Herkunft, die persönliche Identität und die Frage der Zugehörigkeit. "Das deutsche Kind" nimmt unser Verständnis von Integration mit hinein in die biblische Fragestellung des Salomon: Die leiblichen Verwandten und eine "fremde" Familie streiten um ein Kind. Wer sind die besseren Eltern? Aus welcher Perspektive – aus der des Kindes oder der Eltern? Und die Filmemacher gehen noch einen Schritt weiter: Was, wenn diese Entscheidung auch den kulturellen Hintergrund, die Heimat und Herkunft, das Tiefste der persönlichen Identität betrifft und damit die Frage der Zugehörigkeit erweitert? Wie steht es dann um die Bereitschaft zur Integration? Oder hat er dann ein Ende, der Wille, dass alle Teil einer Gruppe sind? Ganz bewusst haben wir uns in diesem Fall dafür entschieden, dass die Geschichte in der Primetime aus der Perspektive der muslimischen Eltern erzählt wird, die in Streit mit den christlichen Großeltern geraten. Und sind nun gespannt auf die Reaktionen unser Zuschauerinnen und Zuschauer.

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