SENDETERMIN Mi, 17.02.16 | 20:15 Uhr | Das Erste

Der Hodscha und die Piepenkötter

Die Komödie zum Ernst der gegenwärtigen Lage

Ursel Piepenkötter (Anna Stieblich) mit Nuri Hodscha (Hilmi Sözer)
Der Hodscha und die Piepenkötter: Beide greifen zu immer drastischeren Mitteln, um ihr Ziel zu erreichen.

Fernsehfilm Deutschland 2015

Lautringen ist eine typische mittelgroße Stadt in Nordrhein-Westfalen. Bald steht die Nominierung der Kandidaten für die Bürgermeisterwahl an, und die amtierende Bürgermeisterin Ursel Piepenkötter gibt sich siegessicher. Doch ihr innerparteilicher Konkurrent Dr. Schadt nutzt den eigentlich längst abgesegneten Neubau der heruntergekommenen Moschee, um sich seinerseits in Stellung zu bringen: Lockt die "dubiose Riesen-Moschee" der türkischen Gemeinde nicht auch dubiose Leute an? Islamisten? Salafisten? Terroristen?

Schadt würde als Bürgermeister den Neubau verhindern! Ursel Piepenkötter, ebenso machthungrig wie trinkfest, sieht keine andere Möglichkeit, als sich mit Unterstützung ihres multifunktionell einsetzbaren Assistenten Meyer selbst des "Problems" anzunehmen und den Bau erst einmal zu stoppen. Doch die Rechnung hat sie ohne den neuen Geistlichen der türkischen Gemeinde gemacht, den Nuri Hodscha. Der eher fortschrittlich eingestellte Bruce-Springsteen-Fan ist ob seines impulsiven Temperaments bei einer ähnlichen Mission in Dresden gescheitert und fest entschlossen, seine zweite Chance in Deutschland zu nutzen.

Der Hodscha, die Piepenkötter und ihre Ziele

Durchaus zu Gute kommt ihm, dass er ein mindestens genauso großes Schlitzohr ist wie die Frau Bürgermeisterin. Beide greifen zu immer drastischeren Mitteln, um ihr Ziel zu erreichen. Kuhhandel, Erpressungen, ein überdimensionales Kreuz und der ohrenbetäubende Ruf des Muezzin – zum Einsatz kommt, was Erfolg verspricht, sogar vor bewusstseinserweiternden Keksen wird nicht zurückgeschreckt.

Befeuert wird das Duell der beiden Hitz- und Dickköpfe von den Extremisten der jeweiligen Lager, die den vermeintlichen "Kulturkampf" für ihre Zwecke nutzen wollen, darunter der zermürbend strenggläubige Osman, der endlich selber Hodscha werden will und sich dabei auf die Hilfe seiner vollverschleierten Ehefrau Cicek verlassen kann – zumindest glaubt er das.

Während die Streitigkeiten eskalieren und die Nominierung des Bürgermeisterkandidaten immer näher rückt, kommen sich Ursels pubertierender Sohn Patrick und Nuris Tochter Hülya nah und näher – und geraten naturgemäß zwischen die Fronten der Moscheebefürworter und deren Gegner.

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Droht mit dem Bau einer Moschee unweigerlich die Islamisierung des Abendlandes? Für nicht wenige Mitbürger scheint das festzustehen. Höchste Zeit, den aktuellen Ereignissen rund um Politik, Toleranz und Glaube eine spritzige, politisch nicht immer korrekte Komödie entgegenzusetzen, die den Extremisten auf beiden Seiten sehr unterhaltsam Saures gibt: "Der Hodscha und die Piepenkötter".

Besetzung und Stab

Rolle Darsteller
Hodscha Hilmi Sözer
Ursel Piepenkötter Anna Stieblich
Hülya Yeliz Simsek
Patrick Damian Hardung
Osman Hasan Ali Mete
Cicek Sermin Kayik
Meyer Eric Klotzsch
Kira Julia Goldstern
Ines Wagner Sybille J. Schedwill
Dr. Schadt Fabian Busch
Udo Axel Häfner
Ada Emine Kaya
Nazan Xenia Töws
Musik: Maurus Ronner
Kamera: Marcus Kanter
Buch: Gernot Gricksch (nach dem gleichnamigen Roman von Birand Binguel)
Regie: Buket Alakuş