Interview mit Rick Ostermann

Regie

Arnold (Ulrich Matthes) bemüht sich um einen Alltag und hat für seine Frau (Barbara Auer) gekocht, die sich zunehmend Sorgen um den Sohn macht.
Arnold bemüht sich um einen Alltag und hat für seine Frau gekocht, die sich zunehmend Sorgen um den Sohn macht. | Bild: WDR/Schiwago Film

Welche Aspekte waren Ihnen bei der Geschichte des Films "Fremder Feind" besonders wichtig?

In erster Linie war mir der Aspekt wichtig, dass Kriege nicht nur Opfer an den Fronten fordern, sondern dass sie auch Opfer in den Familien der Beteiligten zu Hause hinterlassen. Mich hat es schon lange sehr interessiert, was Krieg mit den Familien von Soldaten macht. Wie gehen Eltern mit der ständigen Sorge um, kommen Ihre Söhne oder Töchter lebend nach Hause und wie leben Eltern weiter, wenn ihre Kinder einen Krieg nicht überleben. Ich bin dann auf den Roman "Krieg" von Jochen Rausch gestoßen, der genau dieses Thema behandelt und dann noch einen weiteren spannenden Aspekt hinzugefügt hat: wie verhält sich ein Pazifist, der alles an den Krieg verloren hat, was ihm wichtig war, wenn er selbst in einen Konflikt gezwungen wird? Die Gewalt, die er immer abgelehnt hat, nimmt Besitz von ihm und bis zu welchem Punkt geht er dieser Gewalt nach. Diese Geschichte und dann das großartige Drehbuch von Hannah Hollinger haben genau diese beiden Aspekte eines Dramas und eines Thrillers wunderbar miteinander zu einer mitreißenden Geschichte verwoben.

Mit Ulrich Matthes, Barbara Auer und Jördis Triebel in den Hauptrollen haben Sie renommierte Schauspieler gewinnen können. Was zeichnet diese Schauspieler aus und was brachten sie für ihre Rollen mit?

In allererster Linie zeichnet sie alle aus, dass sie erstklassige und besondere Schauspieler sind und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich sie für meinen Film gewinnen konnte. Für Ulrich Matthes hatte ich mich sehr früh entschieden und kann mich noch gut an unser erstes Treffen erinnern, bei dem ich etwas aufgeregt war, weil Ulrich einfach ein großer und einzigartiger Schauspieler ist. Ich kannte ihn auch vom Theater und war mir von Anfang an sicher, dass Ulrich Matthes diesen verletzten und trauernden Vater auf der einen Seite und den "Krieger" auf der anderen Seite wunderbar spielen und verkörpern würde. Die professionelle aber auch freundschaftliche Zusammenarbeit mit ihm vor und während der Dreharbeiten haben den Film auch zu dem gemacht, was er geworden ist und dafür bin ich Ulrich Matthes sehr dankbar. Barbara Auer war ehrlich gesagt meine erste und einzige Idee und ich hätte nicht gewusst, was ich gemacht hätte, wenn sie diese Rolle nicht angenommen hätte. Barbara Auer ist einfach eine tolle Schauspielerin, die es mit kleinen und gekonnten Mitteln schafft, große Emotionen auszudrücken. Mit Jördis Triebel verbindet mich nicht erst seit meinem Film "Wolfskinder" eine berufliche Freundschaft und ich schätze sie sehr für ihr natürliches und feinfühliges Spiel. Ihre Rolle in "Fremder Feind" war jetzt keine echte Hauptrolle und um so mehr habe ich mich gefreut, dass ich sie für diese kleine aber sehr wichtige Rolle besetzen konnte.

Die Dreharbeiten zu dem Film wurden gesplittet. Ein Teil wurde im Januar 2017 in Tirol gedreht, ein anderer Teil des Films entstand im April 2017 in Berlin. Warum wurde diese ungewöhnliche Vorgehensweise gewählt?

Der Film spielt in zwei unterschiedlichen Zeitebenen und ich habe sehr früh mit meinem Produzenten besprochen, dass wir die Dreharbeiten splitten müssen. Das ist produktionstechnisch nicht einfach, weil man zweimal den ganzen Apparat des Drehs anwerfen muss. Aber es war mir sehr wichtig, dass sich die beiden Ebenen visuell voneinander unterscheiden. Der Winter in den Bergen mit viel Schnee und der Sommer mit viel Grün und Sonne im Kontrast dazu.

Im Abspann bedanken Sie sich beim "Wettergott" Warum? Welchen besonderen Herausforderungen standen Sie und Ihr Team bei den Dreharbeiten in den tief verschneiten Bergen gegenüber?

Wir haben im schönen Navis-Tal kurz vorm Brenner auf ca. 1500 Meter gedreht. Bis zwei Tage vor Drehbeginn gab es keinen Zentimeter Schnee. Die Berge waren braun und sehr trist. Das war für mich eine mittlere Katastrophe, denn ich wollte die Geschichte eines Mannes erzählen, der allem Wetter und Kälte zum Trotz in die Berge geht und die Einsamkeit sucht. Pünktlich zu Drehbeginn kam der Schnee dann und hat uns auch den ganzen Dreh über treu begleitet. Das war visuell großartig, bedeutete aber für das Team und die Schauspieler sehr harte Arbeitsbedingungen. Ulrich Matthes musste sich teilweise über Stunden durch hüfthohen Schnee kämpfen, was ihn an die Grenzen seiner Kräfte gezwungen hat. Und haben Sie mal versucht, bei minus 18 Grad flüssig zu sprechen, wenn ihnen die Backen einfrieren, das ist wirklich schwierig. Das gleiche gilt natürlich für das gesamte Team, welches mit den Bedingungen zu kämpfen hatte. Teilweise waren wir alle so eingepackt in warme Klamotten, dass man nur noch über Zuruf erkennen konnte, wer wer ist. Diese Umstände verlangsamen den sonst normalen Arbeitsalltag am Set und kosten Zeit. Ich muss an dieser Stelle ein großes Lob vor allem an die Techniker meines Teams loswerden, die unter den harten Umständen die Kameratechnik und diverse Kamerakräne immer zuverlässig am Start hatten. Unter so besonderen Widrigkeiten merkt man, dass Filmemachen eine Teamarbeit ist und für mich als Regisseur ganz besonders, wenn Team und Schauspieler so geschlossen hinter einem Projekt stehen.

"Fremder Feind" ist erst Ihr zweiter Spielfilm, der jedoch ebenso – wie der mehrfach ausgezeichnete Kinofilm "Wolfskinder" – bei den Filmfestspielen Venedig seine Premiere feierte. Wie lautet Ihr Erfolgsgeheimnis?

Wenn ich das jetzt öffentlich machen würde, dann würde ich mein heimliches Ziel in Gefahr bringen: Der Hattrick von Venedig. Worin liegt das Besondere für Sie, ihren Film vor Publikum auf großer Leinwand zu sehen? Ich finde, dass Filme ihre größtmögliche Kraft von einer Leinwand ausstrahlen und wenn das Publikum in einem großen dunklen Saal dem Film gänzlich ausgeliefert ist und so den Film intensiv miterleben kann. Dieses Erlebnis kann nur das Kino schaffen. Und besonders so ein Film wie "Fremder Feind", wo die Natur und die Landschaft der zweite Hauptdarsteller ist, entwickelt natürlich auf der großen Leinwand seine ganze visuelle Kraft. Für mich als Filmemacher ist es ein Geschenk so unmittelbar die Reaktionen des Publikums mitzubekommen und mit zu erleben. Das gilt für die Vorstellung während der Film läuft, aber auch für die Minuten danach, wenn der Film seine mögliche Wirkung hinterlässt und es zu Gesprächen und Diskussionen kommt. Da »Fremder Feind« ja ein Fernsehfilm ist, bin ich dankbar dafür, dass wir die Möglichkeit hatten, den Film vor der Ausstrahlung auf der großen Leinwand zu präsentieren, denn so konnte ich die Reaktionen des Publikums zum Teil live miterleben.

6 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.