Drei Fragen an Regisseur Martin Enlen

Sylvia Blok (Imogen Kogge, li.), Hermann Blok (Rainer Bock) und Eva Sanders (Petra Schmidt-Schaller).
Szenenbild: Sylvia Blok, Hermann Blok und Eva Sanders.

Herr Enlen, Ihr Film "Ich war eine glückliche Frau" erzählt seine Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen, trotzdem ist die Handlung für den Zuschauer klar strukturiert. Mit welchen Mitteln haben Sie die Ebenen separiert und wieder zusammengesetzt?

Martin Enlen: Tatsächlich war das eine der Aufgaben, mit denen wir – mein Kameramann Philipp Timme und ich – uns im Vorfeld am meisten beschäftigt haben. Denn sehr schnell war uns klar, dass wir nicht mit den üblichen Stilmitteln, die in solchen Fällen gerne angewendet werden, arbeiten wollten. Also keine Blenden, Wischer, Farb- und Schwarz-Weiß-Effekte, um die Übergänge und die Zeitebenen zu unterscheiden – denn mal ehrlich, wenn wir uns selbst an etwas erinnern, ist das auch nicht von großen Effekten begleitet, sondern klar und einfach wie die Realität.

Wir haben uns also für einen Weg entschieden, der den Zuschauer am Anfang des Films vielleicht etwas fordert, da er sich auf dieses unangekündigte Hinund Herspringen erst einmal einstellen muss, aber ich bin überzeugt: Spätestens nach fünf Minuten ist man in dieser Geschichte und ihrem Sog drin. Und außerdem macht es ja dann auch Spaß und ist spannend zu sehen, wie sich dieses Puzzle zusammensetzt.

Eine richtige Aufgabe beim Drehen des Films war dann allerdings die jeweilige Uhrzeit und damit auch die Lichtstimmung in der Dachwohnung, in der unsere beiden Hauptfiguren ja mehrere Stunden – bis zum nächsten Morgen – beisammensitzen. Und da wir das ja nicht chronologisch an einem Tag, sondern über viele Tage verteilt drehen mussten, erforderte das einen sehr genauen "Schlachtplan" für jedes einzelne dieser Bilder. Hier hat mein Kameramann Philipp Timme wirklich Großartiges geleistet – auch wenn uns sicher manchmal der Kopf gequalmt hat vor lauter gesteigerter Aufmerksamkeit. Umso schöner, wenn man diese Mühen dem fertigen Film trotzdem nicht anmerkt, sondern einfach alles im Fluss ist.

Gedreht wurde der Film zum größten Teil in dem Taunus-Städtchen Oberursel, in dem Sie lange gelebt haben. Was macht einen Dreh in der Heimat besonders?

Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich es nicht forciert habe, genau in meiner Heimatstadt zu drehen. Unser Ausstatter Frank Prümmer hat sicherlich den gesamten Frankfurter Umkreis nach dieser besonderen Häuserkonstellation abgesucht, da gab es sehr viel zu beachten – und gefunden hat er es dann tatsächlich in Oberursel.

Ich musste schon sehr schmunzeln, als sich dieses Motiv dann als das perfekte erwies, denn natürlich kenne ich nun wirklich fast jede Ecke in dieser Stadt, in der ich die ersten 24 Jahre meines Lebens verbracht habe und in der ich ja auch immer noch irgendwie beheimatet bin, da meine Mutter und meine Schwiegermutter dort noch leben. Auch die Straße, in der wir dann gedreht haben, kannte ich sehr gut, nur ein paar Häuser weiter hat zu meiner Schulzeit einer meiner allerbesten Freunde gelebt. Inzwischen steht dieses Haus allerdings nicht mehr.

Insofern war alles unglaublich vertraut und mit sehr vielen Erinnerungen verbunden. Das ist sicherlich schön und besonders, aber vielleicht auch nicht immer gut für die Arbeit, da ich eher versuche, mit einem gesunden Abstand auf die Geschichte zu schauen, die ich da erzähle. Ich habe sozusagen noch nie das Bedürfnis gehabt, mein eigenes Leben in irgendeiner Form zu verfilmen. Insofern hat auch dieser Film sehr wenig mit dem Privatmenschen Martin Enlen zu tun – und trotzdem war es schon ein sehr berührender Moment, auf einmal mit einem ganzen Filmteam auf einer Wiese zu stehen, auf der man als kleiner Junge unter einem Baum saß und davon träumte, einmal Filme zu machen.

Was bedeutet für Sie persönlich Glück?

Das ist nun eine dieser wirklich schwierigen Fragen, auf die schon so viele kluge Menschen Antwortversuche und richtig gute Antworten gegeben haben und bei der man sich selbst dabei erwischt, schnell in Klischees oder Kalenderweisheiten abzugleiten.

Aber es geht hier ja nun in dieser Frage um mein persönliches Glück – und da merke ich, dass Glück für mich vor allem aus ganz vielen kleinen Einzelmomenten im Leben besteht. Momente, die man vielleicht sogar noch gar nicht als glücklich empfindet, sondern die sich erst rückblickend als einer der glücklichsten Momente erweisen. Glück ist für mich also auch ein großes Puzzle, das sich aus ganz verschiedenen Teilen zusammensetzt, und ich versuche immer mehr, wenn ich einen dieser glücklichen Momente spüre, ihn dann auch direkt zu genießen.

Mein ganz persönliches großes Glück in diesem Leben aber ist ganz sicher, dass ich meinen Traum, Filme zu machen, ausleben darf und dass ich schon in meiner Jugend die Frau gefunden habe, die ich liebe und die seither meine Wegund Lebensbegleiterin ist – manchmal könnte es das Leben nicht besser mit einem meinen.

Ach ja, und hätte die Frage gelautet, ob ich mich selbst als einen glücklichen Menschen bezeichnen würde, wäre die Antwort tatsächlich deutlich kürzer ausgefallen: Ja!

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